26 Tonnen Lebensmittel für Lesbos. Helga Longin von „Unser Bruck hilft“ ist erneut im Flüchtlingslager im Einsatz. Hilfsgüter aus Bruck sind angekommen.

Von Susanne Müller. Erstellt am 28. Januar 2021 (03:44)
Helga Longin ist bereits zum dritten Mal für mehrere Wochen im Lager Kara Tepe auf Lesbos im Hilfseinsatz.
privat

Die Situation für die Flüchtlinge im griechischen Elendslager Kara Tepe ist derzeit schlimmer denn je. So lässt sich die Schilderung von Helga Longin in kurzen Worten zusammenfassen. Die stellvertretende Obfrau von „Unser Bruck hilft“ ist bereits seit über zwei Wochen wieder auf Lesbos im Hilfseinsatz – Rückkehrdatum hat sie noch keines fixiert. Dieses Mal hat die Bruckerin Unterstützung durch Sabine Sommerhuber, ebenfalls „Unser Bruck hilft“-Mitglied, und zwei Psychiaterinnen erhalten. Für Longin ist es bereits der dritte längere Aufenthalt.

„Letzte Woche hat es geschneit. Es hat in der Nacht Minusgrade, zwischendurch regnet es immer wieder“, erzählt Longin von den widrigen Wetterbedingungen, die derzeit die Lage besonders schlimm machen. Schließlich leben die Menschen in dem Lager in dünnen Sommerzelten auf dem nackten Sandboden. „Die Zelte, die im Wasser gestanden sind, wurden jetzt entfernt. Somit müssen sich nun jeweils drei Familien ein Zelt teilen“, so Longin. Weder die SOS-Kinderbetreuung, noch die von Österreich versprochenen Winterzelte seien bislang im Lager angekommen.

Helga Longin ist bereits zum dritten Mal für mehrere Wochen im Lager Kara Tepe auf Lesbos im Hilfseinsatz.
privat

Besonders gravierend wirke sich die triste Lage auf die Kinder aus. „Kinder leiden an massiven Alpträumen. Sie trauen sich teilweise nicht mehr aus dem Zelt, sogar kleine Kinder haben bereits Selbstmordgedanken“, schildert Longin im Gespräch mit der NÖN. „Und auch die Eltern können teilweise einfach nicht mehr“, so Longin, die auch vom schlechten Gesundheitszustand vieler Menschen berichtet. Die Krätze sei im Lager weit verbreitet. „Die Wunden entzünden sich häufig, aber Antibiotika fehlen“, so Longin. Die meisten Schwangeren würden an Mangelernährung leiden, weil das ausgeteilte Essen nach wie vor ungenießbar sei. Oft werde es sogar gefroren ausgegeben.

„Unser Bruck hilft“ organisiere daher einerseits dringend notwendige Medikamente und andererseits Lebensmittel. Ein Lastwagen mit 26 Tonnen haltbaren Lebensmitteln kam am Montag im Lager an. „Innenminister Nehammer spricht von 55 Tonnen Hilfsgütern aus Österreich für Kara Tepe. Das klingt ganz gut, viel ist es aber nicht“, so Longin, wie auch der Vergleich mit der Hilfslieferung, die nur durch Spenden aus Bruck zusammengekommen ist, zeigt. Auch die Firmen Rewe und Etsan haben die Aktion unterstützt. Zum Teil würden die Lebensmittel durch die örtliche Hilfsorganisation „Life for All“ für die Kranken verkocht, zum Teil als Foodpackages direkt an die Familien ausgegeben.

„Sodass wirklich jede Familie im Camp einmal etwas Ordentliches zu essen bekommt“, erzählt Longin. Erschwert werde die Lage für die Helfer noch dadurch, dass in Griechenland Corona-bedingt strikte Ausgangsbeschränkungen gelten. „Um 18 Uhr müssen wir zuhause sein, das wird auch von der Polizei kontrolliert“, so Longin. Zusätzlich müssen alle Einreisenden für sieben Tage in Quarantäne. „Dadurch gibt es derzeit natürlich nicht so viele Freiwillige.“

Wer helfen möchte, kann dies nach wie vor mit einer Spende auf das „Unser Bruck hilft“-Konto „Lesbos“ tun: IBAN AT30 2021 6216 9756 3700

Die einzige tatsächliche Lösung sei jedoch, das Lager „so schnell wie möglich zu evakuieren“, betont Longin einmal mehr. Alles andere seien Notmaßnahmen, letztendlich müsse das Camp aufgelöst werden.