Helle Aufregung in Bruck wegen Nationalstadion. Gerüchte, Bruck habe sich als Standort ins Spiel gebracht, sorgen für Unmut.

Von Susanne Müller. Update am 04. September 2019 (12:53)
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ÖVP-Obmann Alexander Petznek spricht sich klar dagegen aus, dass sich Bruck als Standort für ein neues Nationalstadion ins Spiel bringt.

Nach dem Nein der Stadt Wien zu einem neuen Nationalstadion werden neue Ideen für einen Standort laut. Das Land Niederösterreich habe via ecoplus "Anfang Juli dem ÖFB Standort-Vorschläge für Stadion, Geschäftsstelle und Trainingszentrum" übermittelt, teilte der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur, Helmut Miernicki, am Dienstag auf APA-Anfrage mit. Aktuell prüfe der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) diese Varianten für ein Nationalstadion.

Entscheidend für den ÖFB sei laut Miernicki eine gute Verkehrsanbindung auch in die Bundeshauptstadt und zum Flughafen Wien in Schwechat. Erst wenn eine Entscheidung für einen Standort gefallen sei, könnten weitere Detailfragen geklärt werden. "Hier liegt wortwörtlich der Ball beim ÖFB", betonte der ecoplus-Geschäftsführer.

Als Standort ins Spiel gebracht hat sich indes die Stadt Bruck an der Leitha. Das Nationalstadion könnte an der Ostautobahn (A4) errichtet werden, sagte Stadtrat Josef Newertal (SPÖ) am Dienstag zur APA. Es habe bereits erste Gespräche mit dem Land gegeben.

ÖPV reagiert erbost

Bei der ÖVP reagierte man auf entsprechende Meldungen erbost. Dies sei ohne Rücksprache mit den anderen Fraktionen des Gemeinderats geschehen. "Die Volkspartei Bruck an der Leitha wird sich keinesfalls für einen Nationalstadion-Bau in Bruck aussprechen. Die Stadtgemeinde ist derzeit enormen, fast unbewältigbaren Belastungen durch A4, Flughafen und etwaiger Breitspurbahn ausgesetzt. Die Beeinträchtigungen durch Lärm, Feinstaub und CO2 haben die Grenzen des machbaren überschritten.

Das tägliche Verkehrschaos auf der Autobahn A4 und Bundesstraße 9/10 ist untragbar für Pendler", sieht VP-Obmann die Ausgangslage als völlig untauglich dafür, sich für ein Projekt wie einen Stadionbau in Bruck auszusprechen. "Irgendwann muss Schluss damit sein, Böden im großen Stil weiter zu versiegeln", betont Petznek, dass Bruck für ein derartiges Projekt "keineswegs geeignet" sei. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, dass die SPÖ zuletzt bei den Stadtgesprächen der Bevölkerung gegenüber gegen Großprojekte gewettert habe, sich dann aber im Gegenzug für den Stadionbau aussprechen. "

Wir müssen uns folgende Fragen stellen:

  • Wollen wir wirklich eine regelmäßige Beschallung durch stattfindende Rockkonzerte?
  • Wollen wir wirklich wöchentlich 20.000 Pkw mehr in unserer Region?
  • Wollen wir wirklich Anziehungspunkt für Schlachtenbummler aus aller Welt werden?

"Ich fordere Bürgermeister Gerhard Weil auf, eine sofortige Kehrtwende in dieser Thematik zu machen", so Petznek.

Im Gespräch mit der NÖN relativiert SP-Bürgermeister Gerhard Weil. Er habe weder Zu- noch Absage zu dem Thema abgegeben. Er habe lediglich gesagt, er wolle über etwaige Pläne informiert werden.

"Es hat geheißen, dass das Burgenland als Standort infrage kommt. Ich habe keine Lust, dass zwei Kilometer vor meiner Grundgrenze ein Stadion gebaut wird." Das Thema sei durch Gespräche mit Ecoplus auf den Tisch gekommen. "Da habe ich gesagt, ich habe Interesse an Informationen. Das war alles", betont Weil.

Auch SPÖ-Bezirkschef Windholz gegen Stadionprojekt

Auch Rainer Windholz, SP-Vorsitzender im Bezirk Bruck und Sportsprecher der SP Niederösterreich, meldet sich in der Sache zu Wort. Er halte zwar die Errichtung von neuen Sportstätten grundsätzlich für sinnvoll, allerdings:  „Es ist sinnvoll, dort Sportstätten zu errichten, wo die verkehrstechnischen Voraussetzungen gegeben sind“, so Windholz.

Dass sich die Bevölkerung eine Verkehrsentlastung dringend wünscht, habe er aus zahlreichen Bürgerbeteiligungsveranstaltungen mitgenommen und diesen verständlichen Wünschen wolle er auch Rechnung tragen

. Denn die Region und vor allem Bruck, seien schon längst an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Die Errichtung eines riesigen Fußballstadions würde jedoch das Gegenteil bewirken. Windholz spricht sich daher klar gegen ein solches Mega-Projekt in Bruck aus, stellt aber klar, dass es für Gerhard Weil als Bürgermeister einer Bezirkshauptstadt nur legitim sei, die Stadt als Standort ins Spiel zu bringen, um an notwendige Projektinformationen zu gelangen.