Befragung zu Baxa-Ausbau in Mannersdorf. Die Firma Gebrüder Haider will den Dolomit-Abbau auf zusätzlichen 1,4 Hektar Fläche fortsetzen.

Von Susanne Müller. Erstellt am 02. September 2020 (05:59)
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Vizebürgermeister Rudolf Ackerl, Gemeinderätin Katharina Neuhauser-Welker (beide ÖVP), Bürgermeister Gerhard David und Stadtrat Mark Hofstetter (beide SPÖ) kündigten eine Volksbefragung an.
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Es ist ein heikles Thema in Mannersdorf: Seit 2009 baut die Firma Gebrüder Haider im ehemaligen Baxa-Steinbruch Dolomit ab. Der derzeitige Abbauvertrag läuft noch bis 2028. Durch die starke Nachfrage wird der Dolomit auf der bisherigen Fläche jedoch schon in zwei bis drei Jahren abgebaut sein.

Aus diesem Grund hat die Firma Gebrüder Haider bei der Stadtgemeinde angesucht, das vorhandene acht Hektar große Areal des Baxa-Steinbruchs um etwa 1,4 Hektar zu erweitern – und zwar auf Gemeindegrund. Die geplante Erweiterungsfläche liegt zwischen dem „Apachental“ und dem „Schießbruch“. „Das „Apachental“ selbst bleibt in jedem Fall komplett unberührt“, heißt es seitens der SPÖ-ÖVP-Koalition. Die potenzielle Erweiterungsfläche ist derzeit mit Holzpflöcken markiert und kann besichtigt werden.

Würde die Bevölkerung nicht befragt, wären wir auf die Barrikaden gestiegen.“ LIM-Umweltstadtrat Wilfried Duchkowitsch

Durch diese Erweiterung würde der Dolomitabbau in Mannersdorf bis etwa zur ursprünglichen Vertragslaufzeit weitergeführt werden. Das derzeitige Angebot der Gebrüder Haider für den zusätzlichen Abbau beträgt rund 1,3 Millionen Euro.

Betont wird, dass der Weg in den Naturpark Wüste erhalten bleibe. Er werde allerdings um einige Meter verlegt werden müssen. „Selbstverständlich werden auch Ersatzflächen aufgeforstet und ein neues Renaturierungskonzept erstellt, bei dem die Stadtgemeinde ein Mitspracherecht hat“, erklären SP-Chef und Bürgermeister Gerhard David und VP-Obfrau Katharina Neuhauser-Welker in einer gemeinsamen Aussendung.

Bei einer Erweiterung des Steinbruch-Areals schätzt man, dass die Staub- und Lärmbelastung sich im gleichen Ausmaß wie bisher fortsetzen würde. Sprengungen würden also weiterhin etwa einmal pro Monat stattfinden. Auch die täglichen Lkw-Fahrten müsste die Bevölkerung noch etwa für weitere acht Jahre in Kauf nehmen.

„Der größte Gewinn für die Stadtgemeinde aus diesem Projekt ist finanzieller Natur“, geben David und Neuhauser-Welker unumwunden zu. Mit den 1,3 Millionen Euro würden sich neue Straßen, Kinderspielplätze, ein Ausbau der Volksschule, die Sicherung der Wasserversorgung, die weitere Unterstützung der Vereine und vieles andere deutlich leichter umsetzen lassen, zählt man bei SPÖ und ÖVP auf. Außerdem rechne man damit, dass die Vergrößerung des Geländes dessen Nachnutzung erleichtern würde.

Auf politischer Ebene spreche sich die Koalition aus SPÖ und ÖVP daher für die Erweiterung aus: „In den ersten internen Gesprächen der SPÖ und ÖVP haben wir Vor- und Nachteile abgewogen, und die Vorteile als größer angesehen.“ Die endgültige Entscheidung soll allerdings die Bevölkerung in einer „bindenden Volksbefragung“ fällen. Diese Befragung soll schon im Oktober über die Bühne gehen.

„Wir werden in den nächsten Wochen detaillierte Informationen zur Verfügung stellen, damit sich jede/r fundiert über das Projekt informieren kann“, betonen die Parteichefs von SPÖ und ÖVP.

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LIM-Chef Johann Kopf zeigt sich überrascht, seine Fraktion sei nicht informiert worden.
NOEN

Bei der Liste Mannersdorf, der mit neun Mandataren zweitstärksten Fraktion, zeigt man sich überrascht. „Am Dienstag war Stadtrat-Sitzung, da ist kein Wort zum Baxa gefallen“, wundert sich LIM-Stadtrat Johann Kopf. Seine Fraktion spreche sich mehrheitlich gegen die Erweiterung des Steinbruch-Areals aus. „Geld ist nicht alles. Man hat der Bevölkerung versprochen, dass Ruhe ist, wenn der Abbau fertig ist.“

Die Idee einer Bürgerbefragung halte er grundsätzlich für gut. „Wenn es wirklich eine Volksbefragung ist, dann ist das basisdemokratisch und gut“, so Kopf, der allerdings meint, man müsse vorab Parameter festlegen, etwa, ab welcher Beteiligung das Ergebnis bindend sei. Jedenfalls sei bis Oktober nicht viel Zeit, um eine Befragung ordentlich vorzubereiten und die Bevölkerung entsprechend zu informieren, gibt Kopf zu bedenken. Für LIM-Umweltstadtrat Wilfried Duchkowitsch ist klar: „Nur das Geld ist von Vorteil. Sonst hätte eine Erweiterung nur Nachteile, nämlich Staub, Lärm und Dreck. Mit der LIM ist eine Erweiterung ohnehin nur mit einer Volksbefragung möglich. Würde die Bevölkerung nicht befragt, wären wir auf die Barrikaden gestiegen.“