Trauer in Bruck um Helga Longin. Die Obmann-Stellvertreterin des Vereins "Unser Bruck hilft" wurde am Samstag tot in ihrem Haus in Bruck aufgefunden.

Von Susanne Müller. Erstellt am 10. April 2021 (18:05)
Helga Longin bei einem ihrer letzten Hilfseinsätze im Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos.
privat

Eigentlich hätte Helga Longin dieser Tage wieder nach Lesbos fliegen wollen, um dort im Elends-Flüchtlingslager Kara Tepe mitzuhelfen, das Leid ein wenig zu lindern. Doch daraus wurde nichts. Longin wurde am Samstag tot in ihrem Haus in Bruck gefunden. Eine Freundin und Mitstreiterin hatte sich Sorgen gemacht, weil sie sie nicht erreicht hatte und wollte nach ihr sehen. Die traurige Nachricht vom Ableben der unermüdlichen Kämpferin für die Menschenrechte verbreitete sich wie ein Lauffeuer. 

Die 62-Jährige war nach ihrer Tätigkeit bei der Kronen Zeitung lange Zeit selbstständig als PR-Beraterin tätig und hatte sich auch da schon ehrenamtlich - etwa im Vorstand des Brucker Tierheims - engagiert. In den vergangenen Jahren hatte Longin ihr Leben vollends in den Dienst an ihren Mitmenschen gestellt. Seit 2015 war sie im Einsatz, um Geflüchtete zu unterstützen.

Als Obmann-Stellvertreterin des Vereins "Unser Bruck hilft" war sie eine der ersten Ansprechpersonen für die Hilfesuchenden. Vom Sammeln der notwendigsten Dinge wie Kleider und Hausrat über die Unterstützung bei Behördenwegen bis hin zur Hilfe im Einfinden im neuen Lebensalltag war Longin für die neu in Bruck angekommenen Menschen eine Stütze. Zuletzt war die Bruckerin in ihrem Einsatz sogar noch einen großen Schritt weitergegangen. Mehrfach war sie für mehrere Wochen nach Lesbos gereist, um dort im Flüchtlingslager Kara Tepe direkt vor Ort zu helfen.

Als sie erstmals im September 2020 auf Lesbos war, sagte sie im Gespräch mit der NÖN: „Das ist Krieg gegen Flüchtlinge.“ Mit Spenden, die an "Unser Bruck hilft" gingen, kaufte sie auf Lesbos Lebensmittel und Medikamente für die Menschen und wurde nicht müde, auf die menschenunwürdigen Zustände in dem Lager aufmerksam zu machen. Bei Mahnwachen appellierte sie eindringlich an die Regierung Österreichs und die der anderen europäischen Länder, das Lager umgehend zu evakuieren: „Solche Lager darf es in Europa im Jahr 2020 nicht mehr geben. Wir müssen laut sein und der Bundesregierung zeigen, dass wir das als Zivilgesellschaft nicht akzeptieren“, betonte Longin etwa bei einer Kundgebung im Dezember in Mödling.