Helga Longin: „Ich glaube, dass es Tote geben wird“. Helga Longin vom Verein „Unser Bruck hilft“ fliegt erneut nach Lesbos, um im Flüchtlingslager mit Spenden aus Bruck zu helfen.

Von Susanne Müller. Erstellt am 28. Oktober 2020 (05:03)
Die Menschen schlafen in den Zelten, die nach dem Regen großteils unter Wasser stehen, auf dem blanken Boden oder auf einem dünnen Flies. Die wenigsten haben feste Schuhe.
privat

Am Freitag fliegt Helga Longin wieder nach Lesbos. Die Obmann-Stellvertreterin des Vereins „Unser Bruck hilft“ war bereits vor einigen Wochen auf der griechischen Insel, um im dortigen Flüchtlingslager zu helfen. Mit den Spendengeldern, die bisher zusammengekommen sind, will sie vor Ort das besorgen, was am nötigsten gebraucht wird.

„Ich vermute, dass das Socken und Schuhe sein werden, vor allem für die Kinder. Die Situation wird immer schlimmer, weil das Wetter nicht besser wird“, erzählt Longin, dass die Zelte nach dem Regen großteils unter Wasser stehen. „Und die Leute haben großteils keine festen Schuhe“, so Longin. Insgesamt wurden bereits über 21.000 Euro für Lesbos auf das Spendenkonto von „Unser Bruck hilft“ eingezahlt. „Uns geht es darum, das Geld direkt zu den Leuten zu bringen“, so Longin. Sie hat vor, etwa zwei bis drei Wochen auf der Insel zu bleiben. „Ich habe keinen Rückflug gebucht. Ich werde dann entscheiden, wo man am sinnvollsten etwas bewirken kann“, so die Bruckerin.

Die Situation im Lager sei jedenfalls nach wie vor verheerend. „Es gibt nach wie vor keine Duschen. Die Menschen waschen sich und ihre Kleidung mit Meerwasser.“ Krankheiten würden sich also rasch verbreiten. Ganz abgesehen davon, dass das Gelände früher ein Schießübungsplatz war. „Ich habe Soldaten mit Mienensuchgeräten gesehen“, erzählt Longin. Auch die Nahrungsmittelversorgung funktioniere nach wie vor nicht. „Das Essen ist zum Teil schon verdorben, wenn es ankommt“, so Longin.

Hilfe für Bedürftige in Bruck geht auch weiter

„Ich bin normal gegen solche Prognosen, aber ich glaube, dass es dort Tote geben wird. Es wird kalt, die Leute beginnen zu husten. Wer testet sie auf Corona?“, fragt Longin und erzählt, dass selbst die jungen Menschen im Lager in einem körperlich schlechten Zustand seien. Von den Alten und Behinderten gar nicht zu reden. „Wenn sich nichts ändert, ist die Lage hoffnungslos. Alles, was man tun kann, ist den politischen Druck zu erhöhen und die Leute über die Wochen und Monate zu bringen“, sagt Longin.

Gleichzeitig ist der Verein in Bruck weiter damit beschäftigt, in Bruck Bedürftigen zu helfen. „Wir prüfen gerade, ob es genug Freiwillige gibt, um wieder einen Einkaufsservice für die Corona-Risikogruppe anzubieten, wie beim Lockdown im Frühjahr“, so Longin. Im Spendenhaus beim Friedhof in der Fischamenderstraße wurde indes das Möbellager erweitert. Die Spendenausgabe wurde vergangenen Samstag zwar aus Sicherheitsgründen abgesagt, aber „wir werden schauen, dass es weitergeht.“ Spendenannahmen sind immer möglich. In Bruck unterstützt der Verein Brucker und Asylwerber gleichermaßen. „Uns geht es nur um die Bedürftigkeit“, so Longin.