Carnuntum ist in der Warteschleife. Einreichung muss nachgebessert werden, Aufnahme in UNESCO-Liste laut Bundesdenkmalamt aber nicht in Gefahr.

Von Adalbert Mraz und Josef Rittler. Erstellt am 09. November 2016 (03:48)
Adalbert Mraz
Das Areal im Süden des Kurortes soll as neuer Wohnraum dienen und gleichzeitig in Koexistenz eine Stätte für das vom Archäologischen Park angestrebte „Welterbe Region Carnuntum“ sein.

Im Vorjahr wurde begonnen, zusammen mit Bayern im Kontext Donau-Limes, die Voraussetzungen für die Einreichung für den Titel „Welterbe Region Carnuntum“ auszuarbeiten (die NÖN berichtete mehrmals).

Bis jetzt wurden zum Welterbe-Projekt schon viele Vorbereitungsarbeiten vollzogen. Geplant war, dass im Februar 2017 Österreich den Antrag um die Verleihung des Titels Welterbe bei der UNESCO einbringen wird. Nun hat allerdings das Bundeskanzleramt alle betroffenen Gemeinden informiert, dass die Einbringung des Antrages verschoben werden muss. Als Grund wird die Einholung zusätzlicher Gutachten genannt.

 Carnuntum ist ein wichtiges Kerngebiet und der helle Stern in der Limes-Krone.“

Martin Krenn vom Bundesdenkmalamt 

In den letzten Monaten habe sich herauskristallisiert, dass bei Erweiterungsanträgen eine umfassende Darstellung verlangt werde, allen voran darüber, wie sich einzelne Teil-Nominierungen zum Gesamtwelterbe „Grenzen des Römischen Reiches“ vertragen. Martin Krenn vom Bundesdenkmalamt erklärt: „Diese Fragestellungen werden nun in einer internationalen Studie geklärt. Die Dokumentation des österreichischen Limes-Bereiches stellt kein Problem dar, vom slowakischen und ungarischen Raum sind ergänzende Ausführungen notwendig.“ Gefahr für das Projekt sehe er dadurch jedoch keine.

Die Ausgrabungen in Carnuntum zählen zu den wichtigsten römischen Fundplätzen nördlich der Alpen. Eine Delegation aus Archäologiepark und Bundesdenkmalamt stellte im vergangenen Herbst das Projekt in Bad Deutsch Altenburg vor. Der wissenschaftliche Leiter des Archäologieparks, Franz Humer, meinte damals, dass es in Europa nichts Vergleichbares an unzerstörten archäologischen Strukturen gebe und dass die Kernsubstanz erhalten bleiben müsse. Martin Krenn vom Bundeskanzleramt bezeichnete Carnuntum als „wichtiges Kerngebiet und als Stern in der Limes-Krone“.

In der Region bleibt man jedenfalls weiter auf Kurs. „Die Marktgemeinde steht auch weiterhin zu dem Projekt und wir werden es im Rahmen unserer Möglichkeiten voll unterstützen“, meint Bad Deutsch Altenburgs SP-Bürgermeister Hans Wallowitsch.

In der Römerstadt Carnuntum selbst sieht Geschäftsführer Markus Wachter die Verzögerung gelassen: „Die Kriterien für eine Einreichung wurden angehoben, das ist rein formalistisch und nicht wertend zu verstehen.“ Auf die laufende Tätigkeit in der Römerstadt Carnuntum habe die Verzögerung keinen Einfluss. „Wir sind gut unterwegs, haben heuer einen Besucherrekord zu verzeichnen.“ Überdies sei Carnuntum bereits Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter das Europäische Kulturerbesiegel.