Wirbel um Fische im Park: Füttern verboten. Fotos von Karpfen, die aus dem Wasser ragen, sorgten im Facebook für hitzige Diskussionen. Die Fische würden ins Flachwasser gekommen, weil sie dort gefüttert werden, erklären Arbeiterfischerei-Verein und Gemeinde.

Von Susanne Müller. Erstellt am 06. September 2019 (14:23)
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Christian Schenzel, Wolfgang Turek, Michael Winter und Roman Brunnthaler appellieren an die Parkbesucher, weder Enten noch Fische zu füttern.

Karpfen, die in den Gewässerläufen im Harrachpark schon mit dem Rücken aus dem Wasser ragen, weil das Wasser so seicht ist, ließen diese Woche im Facebook die Wogen hochgehen. In den zahlreichen Einträgen war von der Sorge um die Tiere die Rede, es wurde aber auch gefordert, dass die Gewässer abgefischt werden sollen und es wurden Tierquälerei-Anschuldigungen laut.

Vertreter der Stadtgemeinde und Arbeiterfischer-Vorstand Wolfgang Turek machten sich daher ein Bild vor Ort. Dass im Park an einigen Stellen die Gewässerläufe durch Schlammablagerungen bereits sehr seicht sind, ist ja hinlänglich bekannt. Deshalb wird wie berichtet an einem Projekt zu deren Sanierung gearbeitet.

Turek sieht aber noch ein anderes Problem: „Dass Karpfen sich dort aufhalten, wo das meiste Futter zu finden ist, ist ganz natürlich. Füttert man sie im Flachen, folgen sie dem Nahrungsangebot. So entstehen Fotos, die auf den ersten Blick besorgniserregend wirken“, weiss Turek, dessen Verein sich als Bewirtschafter laufend ein Bild über den Zustand von Gewässer und Fischen macht. Trotz eines geltenden Verbots würden nach wie vor große Mengen Brot an die Enten verfüttert, was zu den Fischansammlungen in den teils sehr flachen Brückenbereichen führe.

„Die Fische sind freiwillig hier“

Ohne diese Fütterungen wären in diesem Flachbereich überhaupt keine Fische in dieser Größenordnung zu finden, ergänzt SP-Gemeinderat Michael Winter, der als Mitglied des österreichischen Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz die Situation mit Fachexperten der Umweltorganisation erörtert hat: „Die Fische sind freiwillig hier im Flachen, sobald es kälter wird, ziehen sie in tiefere Gewässerbereiche zur Winterruhe. Sie in der aktuellen Situation vorzeitig dorthin umzusiedeln – wie im Internet teilweise gefordert wird – wäre komplett sinnlos, sie kämen wieder hierher zurück, wo leider laufend Unmengen an Brotresten ins Wasser geworfen werden. Das vorrangigste Problem ist nicht die Wassertiefe sondern die Fütterung!“

Die aktuell über große Strecken geringe Gewässertiefe soll im Zuge des Gewässersanierungsprojektes bald wieder auf den historischen Zustand korrigiert werden. „Wir reden hier von insgesamt etwa 80.000 Kubikmetern Material, das gehoben und umgelagert werden muss. Wir haben als Stadtgemeinde für dieses gewaltige Vorhaben eine Million Euro budgetiert, Anfang 2020 geht es mit den Teststrecken los“, betont SP-Vizebürgermeister Roman Brunnthaler.

Die kürzlich vom Fischereiverein aufgestellten Hinweisschilder zum Fütterungsverbot wurden teilweise von Parkbesuchern aus der Erde gerissen und weggeworfen. SP-Stadtrat Christian Schenzel möchte hier mit den Fischern eine vandalismussichere Variante finden und für Bewusstseinsbildung bei den Parkbesuchern sorgen.