Scheibbser Arbeitslosenquote: Höher war sie nur 1996. Das Arbeitsmarktservice Scheibbs blickt auf ein herausforderndes Jahr mit hohem Anstieg der Arbeitslosenzahlen zurück. Für 2021 befürchtet man mehr Langzeitarbeitslose.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 19. Januar 2021 (18:53)
Ein herausforderndes Jahr hat AMS-Leiter Sepp Musil hinter sich. So viel zu lachen wie 2019 gab es für ihn 2020 nicht. Die Arbeitslosenquote lag im Bezirk Scheibbs 2020 bei 5,3 Prozent. Zwar der zweitbeste Wert in ganz NÖ, aber der Höchstwert im Bezirk seit 1996.
Eplinger/Archiv

Sepp Musil, Geschäftsstellenleiter des Arbeitsmarktservices Scheibbs (AMS), hat schon einmal mit mehr Freude auf die Arbeitsmarkt-Jahresbilanz zurückgeblickt als in diesem Jahr. Erst 2019 hatte der Bezirk mit einer Jahresarbeitslosenquote von 3,6 Prozent die niedrigste Quote seit 2007.

Die Bilanz 2020 schaut da völlig anders aus. Die vorläufige Arbeitslosenquote für 2020 liegt bei 5,3 Prozent. Höher war sie seit Aufzeichnungsbeginn nur 1996.

„Da hatten wir eine Jahresdurchschnittsquote von 5,8 Prozent. 1986 waren es auch 5,3 Prozent, sonst lagen wir immer darunter. In den letzten 20 Jahren hatten wir außer 2009 und 2015, wo wir 5,1 beziehungsweise 5,0 Prozent erreichten, nie eine Quote über der 5-Prozent-Marke“, berichtet Sepp Musil, der auf ein sehr herausforderndes und arbeitsreiches Jahr zurückblickt, bei dem letztendlich alles von Corona überlagert war.

Ein herausforderndes Jahr hat AMS-Leiter Sepp Musil hinter sich. So viel zu lachen wie 2019 gab es für ihn 2020 nicht. Die Arbeitslosenquote lag im Bezirk Scheibbs 2020 bei 5,3 Prozent. Zwar der zweitbeste Wert in ganz NÖ, aber der Höchstwert im Bezirk seit 1996.
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Seit Mitte März stiegen im Scheibbser Bezirk die Arbeitslosenzahlen rasant an. Innerhalb von 16 Tagen nahm die Arbeitslosigkeit um 860 Personen zu. Ende März zählte der Bezirk 1.545 Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent. „Das war unser absoluter Höchststand und die höchste Arbeitslosenquote seit 20 Jahren“, schildert Musil.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit zog sich dabei quer durch alle Branchen, Berufsgruppen, Altersgruppen und Geschlechter. So ist der Bestand an arbeitslosen Personen im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent auf 956 Personen gestiegen. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe bis 25 Jahre stieg 2020 im Vorjahresvergleich um 68 Prozent.

Bei der Generation 50+ verzeichnet das AMS Scheibbs einen Zuwachs von durchschnittlich 31,3 Prozent. Mit durchschnittlich 409 jobsuchenden Frauen beträgt der Zuwachs in dieser Gruppe gegenüber dem Vorjahr 61,7 Prozent, während jahresdurchschnittlich 547 Männer (+39,2 Prozent) arbeitslos gemeldet waren.

Weniger freie Stellen als im Jahr davor

Gleichzeitig hat sich die Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Pandemie deutlich verringert: Die Firmen im Bezirk Scheibbs meldeten 2020 insgesamt 1.859 freie Stellen – um ein Viertel weniger als noch 2019. Trotz der gebremsten Arbeitskräftenachfrage und den erschwerten Rahmenbedingungen im Zuge der Pandemie wurden 2020 jedoch 1.597 freie Stellen mit einer passenden Arbeitskraft besetzt.

Denn der Vermittlungsturbo wurde im AMS Scheibbs ab Ende April wieder hochgefahren. „Mit unserer Strategie der raschen und konsequenten Vermittlung sind wir auf dem richtigen Weg: So konnten bis Jahresende 2.645 Jobsuchende im Bezirk wieder eine Arbeit aufnehmen. Das bedeutet ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 23,2 Prozent oder 498 Personen“, resümiert der AMS-Chef.

Auch wenn so wie in allen Geschäftsstellen im AMS Scheibbs seit mehreren Monaten persönliche Gespräche mit Jobsuchenden die Ausnahme sind. „Wir haben unsere Services vielfach auf das Telefon und den elektronischen Kanal, das eAMS-Konto, umgelegt. Ein Umstand, der die Vermittlung nicht leichter macht“, sagt Musil.

Langzeitarbeitslosigkeit könnte weiter steigen

Weniger gut sind die Aussichten für aktuell 202 Arbeitslose, die bereits länger als sechs Monate ohne Beschäftigung sind. Gesundheitliche Einschränkungen, geringe Ausbildung und Mobilität oder andere Handicaps machen es diesen Jobsuchenden besonders schwer, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Im Jänner muss zudem mit einem weiteren Anstieg der Saisonarbeitslosigkeit gerechnet werden. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind beim AMS Scheibbs aktuell aber 305 freie Stellen gemeldet.

„Das Jahr 2020 hat den Arbeitsmarkt mit all seinen Akteuren vor bisher nicht gekannte Herausforderungen gestellt. Mit der Vermittlungsoffensive wollen wir dafür sorgen, dass unsere Kunden rasch wieder einen neuen Job finden. Für Personen, denen das nicht gelingt, halten wir außerdem ein Qualifizierungsangebot bereit, das auf die Region abgestimmt ist und die Besonderheiten des Arbeitsmarktes im Bezirk Scheibbs berücksichtigt“, blickt Musil voraus.