Bezirk Scheibbs: G‘riss um Ärzte auf dem Land

Erstellt am 06. Dezember 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
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Einsatz im Notfall: Gerald Kern (Sachbearbeiter Notarztmittel), Jungmedizinerin Barbara Dienstbier und Dr. Daniel Hofmann (ärztlicher Stützpunktkoordinator)
Foto: RK/Lukas Hürner
Immer mehr Ordinationen stehen leer und warten jahrelang auf Nachbesetzung. Die Notfallversorgung im Bezirk ist jedoch fast lückenlos.
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Der Ärztemangel auf dem Land hat auch im Bezirk Scheibbs seine Spuren hinterlassen: Aktuell ist in Gaming, Gresten und Wieselburg je eine Kassenstelle für Allgemeinmedizin unbesetzt, in Scheibbs sind es sogar zwei. In Scheibbs ist außerdem eine Facharzt-Kassenstelle frei. Drei dieser Kassenstellen sind jeweils länger als ein Jahr ausgeschrieben. Trauriger Spitzenreiter ist Gresten, wo die ehemalige Ordination von Allgemeinmediziner Wolfgang Kammerer seit 2016 leer steht.

Die ÖGK, so betont ÖGK-Landesstellenausschuss-Vorsitzender Robert Leitner aus Scheibbs, habe im vergangenen Jahr Ärzten mit einer Anschubfinanzierung von 70.000 Euro bei der Ordinationsgründung für länger unbesetzte Planstellen unterstützt. Beantragen könne man die Finanzierung noch bis 13. Jänner. Die ÖGK unterstütze die Ärzte auch bei unternehmerischen Fragen. Das eigentliche Problem sieht Leitner jedoch darin, dass es auf dem Arbeitsmarkt immer weniger ausgebildete Jungärzte gebe: „Die ÖGK steuert dem durch die Forcierung der Ausbildung von Jungmedizinern entgegen. Für Studierende, die sich für den niedergelassenen Bereich interessieren, gibt es eine Zweckwidmung von Studienplätzen und Stipendien.“

„Gruppenpraxen und PVZ als Alternative für Zukunft“

Den Weg des niedergelassenen Bereichs sieht Leitner in verschiedenen Zusammenarbeitsformen wie Job Sharing Praxen oder der Teilung von Kassenstellen. „Ärzte müssen in der heutigen Zeit keine Einzelkämpfer mehr sein. Gesundheitszentren wie das Primärversorgungszentrum Purgstall geben Ärzten die Möglichkeit zur Zusammenarbeit und bieten gleichzeitig den Patienten ein breit gefächertes Angebot von medizinischer und therapeutischer Versorgung.“

Der Purgstaller Allgemeinmediziner Leopold Auer war in seiner langjährigen Laufbahn als Landarzt Einzelkämpfer. „70-Stunden-Wochen waren die Regel. Das war für die meisten Ärzte so und wurde auch nicht hinterfragt“, sagt Auer. „Zu den Ordinationsstunden kam noch die administrative Arbeit, oft bis in die Nachtstunden.“ Seit Auer im Primärversorgungszentrum Purgstall tätig ist, das am 1. April eröffnet hat, machen diese Arbeit die PVZ-Mitarbeiter. Organisatorische Fragen und die Vertretung des PVZ nach außen übernimmt PVZ-Manager Philipp Schramhauser. „Diese Entlastung bringt eine unglaubliche Verbesserung der Lebensqualität“, sagt der Arzt.

Im Notfall fast lückenlose Hilfe im Bezirk

Sehr beruhigend: Der Notarztdienstplan im Bezirk Scheibbs weist kaum Lücken auf. „Wir hatten im Jahr 2022 eine Besetzungsquote von 99. Im Österreich-Vergleich ist das ein ausgezeichneter Wert. Wir haben eine verlässliche Stammmannschaft an Notärzten, die den leitenden Notarzt bei der Dienstplanbesetzung unterstützt. „Auch wenn unser System gut läuft, wurde die Dienstplanerstellung in den letzten Monaten zunehmend zur Herausforderung“, sagt Stützpunktkoordinator Daniel Hofmann. Beim Roten Kreuz Scheibbs versehen derzeit 20 Notärzte regelmäßig Dienst, pro Jahr sind etwa 1.000 Einsätze zu bewältigen.

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