Ybbser Kampf um ÖGK-Kassenstelle

Gleich zwei Ärzte aus dem Bezirk Melk „schnappte“ sich das Wieselburger Stadtquartier. Nationalratsabgeordneter Schroll verspricht Kampf um verlorene Zahnarzt-Kassenstelle.

Erstellt am 19. November 2021 | 06:02
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Noch ist Baustelle beim Stadtquartier. Aber mit 29. November sollen zumindest die Ordinationsräumlichkeiten im ersten Geschoß übergeben werden.
Foto: NOEN

Wenn mit Ende November die ersten Ordinationsflächen an die neuen Ärzte und Therapeuten im ersten Geschoß des Stadtquartiers Wieselburg übergeben werden, schmerzt es den Bezirk Melk doppelt. Denn gleich zwei Ärzte werden den Bezirk in Richtung des Nachbarbezirks verlassen und dabei in den betroffenen Gemeinden verbrannte Erde hinterlassen.

Da wäre zum einen der aus Weitenegg stammende Zahnarzt Michael Gindl (27). Nach fast vierjähriger Suche vermeldete die Gemeinde Persenbeug-Gottsdorf im vergangenen Juli, mit Gindl endlich einen Zahnarzt für die freie Kassenstelle gefunden zu haben. Die neue Zahnarztpraxis sollte in der Teichsiedlung in Gottsdorf eröffnen. Kurz vor Vertragsabschluss winkte Gindl ab und entschied sich für Wieselburg. Er wird dort die freie Zahnarzt-Kassenstelle von Siegfried Schett übernehmen, der im Dezember in Pension gehen wird. Zuletzt hatte Gindl noch als Vertretung in der Praxis von Ingeborg Steininger in Ybbs mitgearbeitet.

Noch mehr als der Wechsel von Michael Gindl schmerzt in Ybbs der Abgang von Augenarzt Albert Daxer. Auch er, der seit 20 Jahren eine Kassenstelle in Ybbs betreibt, zieht ins Stadtquartier nach Wieselburg. „Ich habe seit vielen Jahren nach passenden Ordinationsräumlichkeiten gesucht. Jene über der Raiffeisenbank in Ybbs sind weder barrierefrei, noch gibt es genügend Parkplätze. Ich habe in Wieselburg sogar einen eigenen OP-Raum“, merkt man bei Daxer die Vorfreude auf die neuen Räumlichkeiten.

Mit Daxer verliert die Stadt Ybbs aber nicht nur den Augenarzt, sondern auch die Kassenstelle. Denn die Gesundheitskasse (ÖGK) hat dem Ansuchen Daxers bei der NÖ Ärztekammer, seine Kassenplanstelle von Ybbs nach Wieselburg zu verlegen, stattgegeben (die NÖN berichtete).

Daxer mit Kritik an Ybbs, Politik kontert Aussagen

Verärgert über die Abwanderung zeigte sich die Ybbser SPÖ-Stadtchefin Ulrike Schachner. „Wir hatten ihm eine Location angeboten, die gepasst hat. Er hat im letzten Moment zurückgezogen. Aussagen, die Daxer so nicht stehen lassen will. „Das ist eine glatte Lüge. Ich hatte mit der neuen Bürgermeisterin kein einziges Gespräch und nie ein Angebot für Räumlichkeiten von der Stadt Ybbs bekommen“, stellt Daxer die aus seiner Sicht „mangelnde Unterstützung“ seitens der Ybbser Gemeinde klar. Er kritisiert dabei aber nicht nur Schachner, sondern vor allem ihren Vorgänger Alois Schroll. „Zuletzt habe ich vergeblich versucht, Kontakt mit Herrn Bürgermeister Schroll aufzunehmen, aber ich habe keinen Termin bekommen. Er hat mich an den zuständigen Gesundheitsstadtrat verwiesen, der mir mitteilte, nichts gegen eine Übersiedlung nach Wieselburg zu haben“, sagt Daxer.

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Albert Daxer übersiedelt von Ybbs nach Wieselburg. Das sorgt für Unmut bei der Ybbser Stadtchefin Ulrike Schachner.
Foto privat, Eplinger

Den Ausführungen Daxers widerspricht sowohl der damalige Gesundheitsstadtrat Willi Reiter als auch Ex-Stadtchef und Nationalratsabgeordneter Alois Schroll (beide SPÖ). „Das weise ich entschieden zurück. Schon unter meinem Vorgänger Sirlinger gab es Gespräche. Wir haben einige Locations angeboten, zuletzt wollte er die Kosten für eine Rampe aber nicht zahlen“, betont Schroll. Und Schroll pocht auf Fairness: „Daxer soll nicht unfair sein und die Politik verantwortlich machen. Wenn er weg will, ist es so. Aber jeder Politiker wäre schlecht beraten, einen Arzt gehen zu lassen.“

Bereits in der vergangenen NÖN forderte Schachner eine neue Kassenstelle für Ybbs. Schroll unterstützt diese Forderung. Er habe bereits Gespräche mit den Verantwortlichen der ÖGK geführt, wie er im NÖN-Gespräch betont: „Es kann nicht sein, dass dem Bezirk Melk einfach eine Arztstelle weggenommen wird.“

Gelassen sieht die Aufregung Wieselburgs SPÖ-Bürgermeister Josef Leitner: „Wir haben niemandem etwas weggenommen, sondern mit unseren Förderungen nur einen Anreiz geschaffen, der natürlich auch die Nachfrage verstärkt.“