Hans Scharner: Der Halter und das liebe Vieh. Seit zwei Sommern ist Hans Scharner der Hüter von 135 Rindern am Hochbärneck.

Von Claudia Christ. Erstellt am 18. Juni 2020 (17:22)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7873857_erl25Hochbaerneck_HalterDSC_0336
Christ

Wenn Hans Scharner seinen Holzstecken in die Hand nimmt, sich die Tasche mit Salz umhängt und ein lautes „Sedi heah!“ erschallen lässt, dann kommen sie angelaufen – die 135 Rinder, die ihren Almsommer am Hochbärneck verbringen.

Seit Mitte Mai grasen hier Ochsen, Kälber und Mutterkühe auf den saftig-grünen Weiden. Insgesamt fünf Koppeln stehen den Tieren auf 78 Hektar zur Verfügung. „Jetzt ist für das Vieh optimales Wetter, es ist nicht zu heiß, das hält die für die Tiere lästigen Fliegen und Bremsen ab“, erklärt der Halter und streichelt eines seiner Lieblingskälbchen: „Manches Tier wächst einem halt in dieser Zeit besonders ans Herz. Respekt hab ich dennoch vor einigen Tieren, besonders vor den Hochlandrindern mit ihren bis zu 1,30 Meter langen Hörnern.“

„Jetzt ist für das Vieh optimales Wetter, es ist nicht zu heiß, das hält die für die Tiere lästigen Fliegen und Bremsen ab“.Halter Hans Scharner

Die Liebe zum Vieh begleitet den heute 63-Jährigen schon seit seiner Jugendzeit. „Da hab ich als Haushilfe bei einem Halterbauern geholfen.“ Danach hat sich Scharner eine Existenz als selbstständiger Holzschläger aufgebaut und nebenbei eine kleine Landwirtschaft betrieben. „Als vor zwei Jahren die Stelle hier am Hochbärneck frei wurde, hab ich beschlossen, wieder Halter zu sein “, erzählt er.

Jeden Morgen um halb fünf ist Tagwache. Dann macht sich Scharner aus seinem Heimatort Oberndorf auf den Weg hinauf zu den Tieren, um nach dem Rechten zu sehen. Wichtig ist, dass die Tiere immer genug Wasser haben. Das stellte den Halter im vergangenen, besonders heißen Sommer oftmals vor eine Herausforderung. Immer im Auge hat der Halter natürlich die Gesundheit der Tiere.

„Ob ein Tier krank ist, kann ich daran erkennen, wie es angelaufen kommt. Bekomme ich ein Vieh ein, zwei Tage gar nicht zu Gesicht, dann mach ich mir ernsthaft Sorgen“, erklärt er. Besonders gefährlich ist die Mauke – eine Hautentzündung, die bei den Kühen am Fuß auftreten kann und innerhalb kürzester Zeit bis zum Tod der Tiere führen kann. „Zum Glück hab ich das bei meinen Tieren nur ganz selten erlebt“, sagt er und lässt seinen Blick über die 1.000 Meter hoch gelegene Alm schweifen.

440_0008_7873859_erl25hochbaerneck_halterdsc_0354.jpg
Wenn der Halter mit dem Salz lockt, dann kommen die Kälber, Ochsen und Mutterkühe auf dem Hochbärneck von allen Seiten der Koppel angelaufen.
Christ

Ein Ausblick, der besonders im Juli und August jedes Jahr viele Wanderer und Ausflügler auf das besonders für Familien als Wanderparadies bekannte Hochbärneck lockt. Zahlreiche Wanderwege führen auch durch das Weidegebiet. „Generell sind die Tiere friedlich“, versichert Scharner. Aufpassen sollte man aber auf jeden Fall, wenn man mit einem Hund zwischen Mutterkühen und ihren Kälbern unterwegs ist.

„Darum ist es immer hilfreich, einen Stock mit dabei zu haben, um gegebenenfalls die Tiere damit zu verscheuchen“, rät Scharner, für den ein Sonnenaufgang auf der Alm immer wieder etwas Besonderes ist. „Es gibt nichts Schöneres, als den Ausblick auf den Ötscher im einzigartigen Licht der Morgensonne“, schwärmt er und greift nochmals in seine Salztasche.