Schwarze Taferl: Eine Rarität im Bezirk Scheibbs. Schwarze Kennzeichen sind nur noch selten auf den Straßen des Scheibbser Bezirks zu entdecken.

Von Anita Schwaiger und Jakob Zuser. Erstellt am 06. August 2019 (04:48)
Anita Schwaiger
Ein Herz für Bücher, seine Frau und natürlich für seinen Volvo 145, so beschreibt sich der Buchhändler Rudolf Ebner aus Scheibbs. Stolz präsentiert er den Oldtimer, Baujahr 1973, mit dem schwarzen Kennzeichen

Seit 30 Jahren werden in Österreich nur mehr weiße Nummerntafeln ausgegeben. Mit 1. Jänner 1990 war der Umstieg auf die neuen weißen Kennzeichen fixiert. Davor gab es jedoch zwischen Künstlern, Politikern und Sicherheitsexperten eine lange und emotionale Diskussion. Die von Friedensreich Hundertwasser als „Visitenkarten der Nation“ bezeichneten schwarzen Kennzeichen wurden schlussendlich aufgrund der erhöhten Rückstrahlkraft und Lesbarkeit der weißen Taferl ersetzt.

Dennoch sind noch heute knapp 48.000 Autos mit schwarzen Nummerntafeln auf Niederösterreichs Straßen unterwegs und erhalten die ein oder andere Aufmerksamkeit von so manchem Verkehrsteilnehmer.

„Das schwarze Taferl gehört zum Auto. Ein modernes, weißes Kennzeichen passt einfach nicht zu meinem alten Volvo.“Rudolf Ebner aus Scheibbs

Auch Rudolf Ebner aus Scheibbs besitzt noch ein Auto mit einem schwarzen Taferl – eines von den insgesamt 1.060, die im Bezirk Scheibbs noch unterwegs sind. „Es war mein erstes Auto, das ich mir mit 26 Jahren gekauft habe“, erinnert sich der heute 69-Jährige. „Ich habe es noch immer wegen der Liebhaberei und weil es so gut läuft. Der geringe Lenkradius ist sehr praktisch beim Parken und Reparaturen können sehr leicht vorgenommen werden“, erklärt der Oldtimer-Liebhaber gegenüber der NÖN. Auch die Tatsache, dass sein Volvo keine Servolenkung hat, stört den gebürtigen Scheibbser nicht. „Da kann ich noch richtig umdrehen“, lacht Ebner.

Den großen Laderaum des Oldtimers verwendet er gern für den Transport von Schulbüchern, die er von seiner Buchhandlung aus vertreibt. Kein Wunder, dass der 69-Jährige in seiner Bücherei in Scheibbs auch ein ganzes Regal mit Oldtimer- bzw. Autobüchern hat. „Es sind auch sehr alte und seltene Auto- bzw. Oldtimerbücher dabei“, betont Ebner. Seit 1889 ist die Buchhandlung Ebner im Familienbesitz, jedoch gibt es sie schon seit 1706. Mit 24 Jahren übernahm Rudolph Ebner die Buchhandlung.

Der Oldtimer-Liebhaber ist mit seinem Volvo 145 immer ab dem Frühjahr unterwegs. Im Winter fährt er mit seinem „Herzstück“ aufgrund des Streusalzes nicht. „Ab und zu werde ich auf das Auto beziehungsweise auf das Kennzeichen angesprochen“, erzählt er. Ein „normales“ weißes Kennzeichen möchte sich Rudolf Ebner jedoch nicht besorgen. „Das schwarze Taferl gehört einfach zum Auto. Ein modernes, weißes Kennzeichen passt zu einem neuen Fahrzeug, aber nicht zu meinem alten Volvo“, ist er überzeugt.

Bei Oldtimerclubs nur noch selten zu finden

Beim Oldtimerclub Blindenmarkt gibt es einige wenige Fahrzeuge, die mit dem schwarzen Nummerntaferl zu sehen sind – Tendenz fallend. „Es gibt noch circa fünf bis sechs Besitzer, die noch mit den alten Kennzeichen unterwegs sind. Die meisten von uns waren durch das An- und Abmelden der Fahrzeuge aber irgendwann gezwungen, die alten Taferl abzugeben“, erklärt Obmann Rudolf Bemmer. Diesen Fakt kann auch Rudolf Bohlheim vom Oldtimerclub Ötscherland bestätigen: „Unter unseren 70 Mitgliedern findet sich leider keiner mehr, der ein schwarzes Taferl auf seinem Auto hat – nur ein Anhänger hat noch das alte Kennzeichen.“

Die alten Kennzeichen seien aber ein klares Indiz für wahre Oldtimerliebhaber. „Ich selber habe vor zehn Jahren mein neues Kennzeichen bekommen. Es ist schon schade, dass die schwarzen immer weniger werden – damit stirbt eine Kultur weg“, sagt der Obmann des Blindenmarkter Oldtimerclubs. Der Oldtimerclub zählt mehr als 450 Mitglieder – manche haben sogar bis zu zehn Fahrzeuge. Außerdem betreibt der Club ein Oldtimermuseum, in dem Traktoren, Autos und Motorräder ausgestellt sind. Dort sind natürlich auch noch alte schwarze Nummerntaferl an den Wänden zu sehen.