Auch Scheibbs lässt die "Wächter der Zeit" entfernen

Erstellt am 19. Januar 2022 | 14:23
Lesezeit: 3 Min
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Auch in Scheibbs waren seit Spätsommer 2019 zwei "Wächter der Zeit" aufgestellt - zuletzt im Hof der SMS neben der Kapuzinerkirche. Sie werden diese Woche entfernt.
Foto: Jakob Zuser/NÖN Archiv
Die Aufregung in den vergangenen Tagen vor allem in den sozialen Medien war groß. Der Linzer Bildhauer Manfred Kielnhofer war zuletzt durch eindeutige antisemitische Hetze im Internet aufgefallen. Die Folge: Die Gemeinden Linz, Steyr und nun auch Scheibbs lassen seine "Wächter"-Skulpturen abbauen.
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Es war im Spätsommer 2019, als der oberösterreichische Bildhauer Manfred Kielnhofer seine beiden "Wächter der Zeit" beim Töpperpark und in der Erlaufpromenade in Scheibbs im Zuge eines Kunstprojektes von Philipp Netolitzky errichtete.

Die beiden großen, gesichtslosen Skulpturen sorgten seit Beginn für Diskussionen in der Bevölkerung. Zum Schluss waren sie im Hof der Sportmittelschule Scheibbs beim Kapuzinerkloster aufgestellt. Dort werden sie jetzt aber auch abgebaut. 

Botschaften zu "Jewish Gen Toxi Vaccination"

"Die Wächter sollen daran erinnern, dass menschliche Taten nie unbeobachtet bleiben", meinte Künstler Kielnhofer seinerzeit gegenüber der NÖN. Nun blieben auch seine eigenen Taten nicht unbeobachtet. 

Kielnhofer ist nun durch antisemitische Botschaften in Social Media und auf seiner Website aufgefallen. Zuletzt war ein Wächter in eine Fotomontage von Kielnhofer eingebettet, die ineinander verschränkte Spritzen zeigt, dazu die Inschrift: "Jewish Gen Toxi Vaccination".

Antisemitismus - Auch Scheibbs lässt die "Wächter der Zeit" entfernen
Dieses Posting von Kielnhofers Facebook-Seite lieferte den Anstoß.
Foto: FB Screenshot/stopptdierechten

Wie die Plattform "stoppt die rechten" aufzeigt, kein einmaliger Ausrutscher des 54-jährigen Künstlers. Schon mehrmals hat er sich rechtsextremer Zahlenmystik und antisemitischer Verschwörungsszenarien bedient oder diese auf seinen verschiedenen Accounts geteilt.

Nun lassen gleich mehrere Städte, wo die "Wächter"-Figuren aufgestellt waren oder sind, diese entfernen. Linz ebenso wie Steyr und nun auch Scheibbs. „Werke antisemitischer Künstler haben in unserer Stadt im wahrsten Sinne des Wortes keinen Platz“ sagt Klaus Luger Bürgermeister der Stadt Linz. 

"Lässt keine andere Möglichkeit zu"

Und auch der Scheibbser Kulturamtsleiter Bernhard Hofecker bekräftigt gegenüber der NÖN diesen Schritt als einzige mögliche Maßnahme: "Kielnhofer versucht zwar jetzt zu beschwichtigen aber wenn man sich näher über den Künstler informiert sieht man dann schon mehr rechte Tendenzen als nur diese eine Arbeit. Das lässt überhaupt keine andere Möglichkeit zu als die Skulpturen zu entfernen."

Die beiden Figuren werden diese Woche vom Bauhof-Team entfernt. Der Künstler hat dann 14 Tage die Möglichkeit, sich seine Figuren abzuholen, erläutert Hofecker.

Übrigens: Auch den damaligen Projektleiter Philipp Netolitzky hat die Stadtgemeinde Scheibbs über diesen Schritt informiert. "Die anderen Arbeiten sind davon unberührt – es hat ja nichts mit ihm zu tun sondern rein mit Kielnhofer", erklärt Hofecker.

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