Scheibbser AK verbrachte 2020 viel Zeit am Telefon. Zahl der Beratungen ist im Bezirk um zwei Drittel gestiegen, die am Ende für die Mitglieder erreichte Summe hat sich aber halbiert.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 25. Februar 2021 (04:55)
Bilanzpressekonferenz der Arbeiterkammer Bezirksstelle Scheibbs mit Bezirksstellenleiter Helmut Wieser (links) und Kammerrat Christian Fußthaler. 6.463 Beratungen führte die AK-Bezirksstelle Scheibbs 2020 durch und erreichte 911.108 Euro für ihre Mitglieder.
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Rote Ohren waren im Vorjahr durchaus ein Markenzeichen der Mitarbeiter der Arbeiterkammer Bezirksstelle Scheibbs. Denn so oft wie im Vorjahr hat das Telefon noch nie geklingelt.

6.463 Mitglieder haben im Corona-Jahr 2020 Rat und Unterstützung bei der Arbeiterkammer Bezirksstelle Scheibbs gesucht. „Das ist deutlich mehr als in den Jahren davor. Die meisten Beratungen passierten natürlich auf telefonischem Wege oder elektronisch. Nur in dringenden Fällen gab es nach Terminvereinbarung persönliche Beratungen“, erklärt AK-Bezirksstellenleiter Helmut Wieser.

Die meisten Fragen beschäftigten sich vor allem zu Beginn der Krise mit den Themen Kurzarbeit, Betretungsverboten in Betrieben, Quarantänebestimmungen, Homeoffice und Kinderbetreuung. Auch bei den Abrechnungsmodalitäten der Kurzarbeit war immer wieder die Expertise der Arbeiterkammer gefragt.

Insgesamt stellt Wieser hier den Unternehmen aber ein gutes Zeugnis aus. „Trotz der sich oft ändernden Richtlinien gab es bei der Abrechnung kaum Probleme“, sagt Wieser. Im Bezirk Scheibbs waren 2020 teilweise mehr als 6.500 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Aktuell ist die Zahl der Arbeitnehmer in Kurzarbeit auf deutlich unter 1.000 Arbeitnehmer gesunken.

3.372 Mal waren die AK-Experten gefragt

„Aber natürlich mussten wir daneben auch unserer normalen Arbeit nachgehen, sprich Beratungen bei Pensionsanträge, Altersteilzeit, Auflösung von Dienstverhältnissen, Schwangerschaftsberatung und vieles mehr“, weiß Wieser.

In 3.372 Fällen benötigten die Menschen eine weiterführende Beratung und die Unterstützung der AK-Experten. Insgesamt hat die Bezirksstelle Scheibbs im Vorjahr rund 911.000 Euro für die Arbeitnehmer der Region gesichert. Das ist um fast die Hälfte weniger als im Jahr davor. Auch das ist ein Grund der Kurzarbeit und weniger heikler Fälle im Arbeits- und Sozialrecht beziehungsweise in der Insolvenzvertretung.

Niederösterreichweit hat die Arbeiterkammer für ihre Mitglieder 46 Millionen Euro an berechtigten Ansprüchen erreicht. 190.000 Beschäftigte und damit fast jeder dritte Arbeitnehmer in Niederösterreich nahm 2020 die Hilfe der AK bei Problemen und Fragen am Arbeitsplatz in Anspruch.

„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die wahren Leistungsträger die Arbeitnehmer sind. Umso wichtiger ist es, dass sie zu ihrem Recht kommen“, betont Kammerrat Christian Fußthaler (FSG) und erneuert die AK-Forderung nach dem 1.000-Euro-Gutscheinheft von der Bundesregierung für jeden Haushalt. „100 Gutscheine zu je zehn Euro sollen in der regionalen Wirtschaft eingelöst werden können“, erklärt Fußthaler.

Dennoch gerade in der Krise hätte sich wieder einmal gezeigt, dass die Sozialpartnerschaft auf betrieblicher und Bezirksebene gut funktioniere. Das Paradebeispiel dafür seien die von Arbeiter- und Wirtschaftskammer gemeinsam initiierten und finanzierten Teststraßen für Betriebe.