Arbeitskräfte im Bezirk Scheibbs dringend gesucht. Während man immer noch von hohen Arbeitslosenzahlen spricht, sind bei den heimischen Industriebetrieben viele Stellen frei.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 17. Juni 2021 (08:25)

565 Personen sind aktuell beim Arbeitsmarktservice Scheibbs als arbeitslos gemeldet. Dazu kommen 178 Personen, die eine AMS-Schulung besuchen. Dennoch gibt es parallel dazu 540 sofort verfügbare offene Stellen im Bezirk Scheibbs.

Überall fehlt Personal

„Uns fehlen die Arbeitskräfte – egal in welchem Bereich. Von den Facharbeitern bis hin zu den Hilfsarbeitern“, klagt Thomas Welser, CEO von Welser Profile. Aktuell sind bei dem Grestner Profilunternehmen 55 Positionen ausgeschrieben, obwohl das Unternehmen auch in Pandemiezeiten keine Mitarbeiter abgebaut hat. Alleine in der Produktion und im Produktionsservicebereich hat Welser 30 offene Stellen. Dazu kommen jeweils zwischen fünf und sieben offene Positionen in den Bereichen Anlagentechnik, Werkzeugtechnik und Qualitätswesen.

„Wir würden das Personal dringend brauchen. Die Auftragslage ist sehr gut. Der Personalmangel bremst das Wachstum. Alle sprechen immer nur von den hohen Arbeitslosenzahlen. Aber ich frage mich schon, wo die willigen Arbeitskräfte sind und welche Wege zum Arbeitsplatz auch zumutbar sind. Es muss nach Corona jetzt wieder ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Zurück zur Arbeit ist die Devise“, sagt Thomas Welser, der den Arbeitskräftemangel als Mitglied des Bundesvorstandes der Industriellenvereinigung Österreich auch bei vielen anderen Betrieben ortet.

„Flexibilität ist ein Gebot der Stunde“

Da gerade der Arbeitsmarkt in der Metallbranche in der Region „ausgefischt“ ist, setzt Welser Profile auch auf gezielte Maßnahmen mit einem internen Umschulungsprogramm, das man berufsbegleitend zur Arbeit in der Fachabteilung absolviert. Aber dazu sei auch eine gewisse Flexibilität der Arbeitnehmer nötig. Diese ortet er zum Glück bei den eigenen Leuten. Denn dank dem Einsatz der eigenen Mitarbeiter und deren Bereitschaft, Überstunden zu leisten, könne man aktuell die Auftragslage halbwegs bewerkstelligen.

Thomas Welser ist aber auch ein Verfechter von einem Umdenken in der Ausbildung. Der Stellenwert der Lehre sei immer noch nicht dort, wohin er gehöre. Die Lehrstellen zu besetzen, sei heuer schwieriger gewesen als in vergangenen Jahren. „Dass dennoch 28 Lehrlinge bei uns im September ihre Berufsausbildung starten, ist sicher der neu ausgebauten Lehrwerkstätte zu verdanken. Da haben wir viel investiert. Aber im Vergleich dazu tun wir uns in Deutschland weit leichter, die Lehrplätze zu besetzen“, erklärt Welser.

Bei ZKW weitet man Recruiting aus

Die NÖN hörte sich auch bei anderen Industriebetrieben in der Region um. Das Bild ähnelt jenem bei Welser Profile. Beim Automobilzulieferer ZKW in Wieselburg hat man derzeit ebenfalls mehrere offene Stellen. Allerdings sucht man hier vor allem Fachkräfte vorwiegend in den Bereichen IT, Finanzen, Qualität und vor allem auch in der Entwicklung (Programmierer, Elektroniker, Projektleiter). „Hier sehen wir uns mit einem echten Fachkräftemangel konfrontiert. Diese sind in der Region derzeit nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Wir weiten daher unsere Recruitingstrategie auch auf Ballungszentren wie Wien aus“, erklärt ZKW-Standortleiter Stefan Hauptmann. Keine Probleme verzeichnet ZKW bei der Suche von Hilfs- und Leasingarbeiter.

Aktuell hat ZKW noch fünf offene Lehrstellen für 2021. „Auch hier merken wir eine angespannte Situation. Pandemiebedingt war hier weniger los. Der Kontakt mit den Schulen war schwierig. Eine lange Nacht der Lehre war in der Form nicht möglich“, weiß Hauptmann.

Besser geht es da der Firma Mosser aus Randegg. Die von Mosser angebotenen Lehrstellen im Bereich Elektro- und Metalltechnik sind alle besetzt. Allerdings merke auch das Holzindustrie-Unternehmen, dass das Angebot an Arbeitssuchenden sehr gering sei. „Wir können nur mit großem Aufwand offene Stellen besetzen“, weiß Geschäftsführer Reinhard Mosser.

Worthington setzt auf guten Ruf

Auf den guten Ruf als Arbeitgeber setzt Worthington Industries in Kienberg. „Wenn ein Arbeitgeber gute Arbeit anbietet, bekommt er auch gute Arbeiter. Mit unserem Fokus auf Nachhaltigkeit gehen wir mit einem attraktiven Angebot auf den Arbeitsmarkt. Bis jetzt konnten wir die Leute finden, die wir brauchen – egal ob sie Fach- oder Produktionsarbeiter sind. Dabei hat es geholfen, dass wir gezielt digitale Rekrutierungstools einsetzen und ganz Europa ins Visier nehmen“, erklärt Timo Snoeren, Vice President Sustainable Energy Solutions von Worthington.