SBS-Chef Pitzl: „Billigprodukte sind Illusion“

Purgstaller Firma SBS gibt Langzeitarbeitslosen Jobchancen. Geschäftsführer Pitzl appelliert: Bekenntnis zur Regionalität ernst nehmen.

Erstellt am 24. Januar 2021 | 06:11
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Die SBS-Mitarbeiter Andreas Sindelik und Tudorica Papava bei der Arbeit. SBS gibt ihnen eine Chance für einen Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess.
Foto: SBS

Ein hartes, aber letztendlich doch positives Geschäftsjahr 2020 liegt hinter SBS in Purgstall. Die Social Business Service GmbH gibt derzeit 16 Langzeitarbeitslosen für jeweils drei Monate einen Job. SBS ist Zulieferer für Betriebe, stellt Arbeitskräfte für Fertigung und Montage, Grünraumpflege, Verpackung, Konfektionierung und Versand.

„Da wir kaum eigene Produkte herstellen, sind wir von unseren Kunden abhängig. Im ersten Lockdown waren viele Firmen in Schockstarre, die Aufträge gingen drastisch zurück“, schildert Geschäftsführer Werner Pitzl.

Im dritten Lockdown hätten alle gelernt, mit den gegebenen Einschränkungen umzugehen. „Die Aufträge sind zwar immer noch viel weniger als sonst. Aber trotzdem haben wir etwas Grund zur Freude, denn wir haben einige unserer Mitarbeiter dauerhaft bei Firmen unterbringen können.“

SBS versteht sich nämlich einerseits als gewinnorientiertes Unternehmen, beschäftigt aber Mitarbeiter, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance hätten. „Unser Ziel ist es, den Menschen, die bei uns arbeiten, den Anstoß zu geben, sich wieder in den Arbeitsprozess eingliedern zu können“, sagt Werner Pitzl.

Die Vermittlungsquote liege im Moment bei 25 Prozent. „Da ist durchaus noch Luft nach oben“, sagt Pitzl. Er erhofft sich – vielleicht auch durch Corona – ein Umdenken auf dem Arbeitsmarkt. „Es geht darum, Menschen, die sich auf dem Arbeitsmarkt aufgrund gewisser Einschränkungen schwer tun, eine Chance zu geben. Trotzdem hat jeder eine Fähigkeit und kann sich einbringen“, sagt Pitzl.

Statt in Billigländern zu produzieren, solle man sich auf die vergessenen Arbeitskräfte in der Region besinnen. „Billigprodukte einkaufen und dabei sparen ist eine Illusion. Denn je mehr Produktion in Billigländer ausgelagert wird, desto mehr Arbeitslosigkeit muss man im Inland finanzieren“, erklärt Werner Pitzl.

Zur Zeit habe sich das besonders in der Coronazeit viel zitierte „Bekenntnis zur Regionalität“ noch nicht wirklich durchgesetzt: „Wir haben in der Firma Mund-Nasen-Masken produziert, die am Anfang sehr guten Absatz gefunden haben. Aber als die Lieferungen aus China wieder kamen, wurden viele Aufträge storniert, weil die Masken aus China ja billiger sind.“ Sein dringender Appell daher: „Es ist höchste Zeit, dass die Gesellschaft erkennt, dass es nicht billiger kommt, wenn man Arbeit auslagert.“