Schwierige Lage auch im Bezirk Scheibbs: Kampf um jeden Mitarbeiter

Erstellt am 03. Februar 2023 | 06:14
Lesezeit: 4 Min
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Gärtner Johannes Käfer mit Lehrling Simone Grabner. Der NÖ-Radio-Gärtner sucht schon seit Längerem Unterstützung für seinen Betrieb in Gresten.
Foto: Claudia Christ
46 offene Lehrstellen im Bezirk stehen 11 Lehrstellensuchenden gegenüber. Und auch bei den Fachkräften ist der Mangel so deutlich wie noch nie spürbar.
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Umgeben vom satten Grün, duftenden Blüten und sprießenden Pflanzen arbeitet Simone Grabner. Die 18-jährige Randeggerin ist Lehrling im zweiten Lehrjahr bei NÖ-Radio-Gärtner Johannes Käfer in Gresten. Käfer führt den Gärtnereibetrieb bereits in dritter Generation und hat schon zig Lehrlinge ausgebildet.

Und dennoch ist es für ihn derzeit äußerst schwierig, neue Lehrlinge bzw. Mitarbeiter zu finden. „Wir suchen schon längere Zeit. Dabei bietet unsere Ausbildung zum Gärtner und Floristen eine Vielfalt an Tätigkeiten, außerdem bringt es enorm viel Freude, wenn man sieht, wie Pflanzen heranwachsen und auch bei unseren Kunden so viel Freude und Dankbarkeit hervorrufen“, meint er. Ein Lehrling bei Gärtner Käfer erlernt Wissen, dass er auch im privaten Leben anwenden kann. „Wir bieten eine fundierte Ausbildung, Eigenständigkeit und Eigenverantwortung sind bei uns selbstverständlich.“

So wie Firmenchef Johannes Käfer ergeht es laut dem Arbeitsmarktservice Scheibbs vielen Betrieben im Bezirk. Besonderer Mangel an Lehrlingen herrscht in den Produktionsbetrieben, aber auch im Handel, der Gastronomie und in den Dienstleistungsberufen.

Allein in der Gastro sind 19 Lehrstellen im Bezirk unbesetzt, 58 offene Stellen im Fremdenverkehr stehen 24 arbeitslos gemeldeten Personen in dieser Branche gegenüber.

„Wir haben einen massiven Fachkräftemangel und ein Imageproblem in der Gastronomie, nicht nur bei den Lehrlingen“, bringt es Gastroexperte Hermann Wurzenberger vom Ramsauhof in Purgstall auf den Punkt. Kaum jemand will als Kellner oder Koch arbeiten, begründet wird das unter anderem mit schlechter Bezahlung und Dienstzeiten am Abend und Wochenende. „Wegen dieses Imageproblems halten auch Eltern ihre Kinder von einer Lehre in der Gastro ab. Dabei sind die Chancen so groß wie nie“, meint er und wünscht sich, dass ein neues Bewusstsein für den Beruf geschaffen wird, „sonst droht uns in Zukunft eine Systemgastronomie mit Fast Food.“

Den Fachkräftemangel bekommt auch die Konditorei Reschinsky in Wieselburg deutlich zu spüren. „Wir bräuchten dringend zwei 40-Stunden-Kräfte, auch Teilzeit ist möglich, aber es meldet sich niemand“, ist Chefin Christiane Reschinsky ratlos. Seit dem ersten Lockdown ist sie auf Mitarbeitersuche. „Alle paar Wochen halte ich Kontakt mit dem AMS. Aber bislang hat sich nichts ergeben. Für mich ist das unverständlich, denn wir bieten unsern Mitarbeitern ein tolles Betriebsklima im Familienbetrieb. Außerdem gibt es bei uns nur nette Kunden, jedes zweite Wochenende frei, eine überdurchschnittliche Bezahlung und der Dienst endet spätestens um 18 Uhr“, meint sie.

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Firmenchefin Christiane Reschinsky bräuchte dringend Unterstützung von zwei Vollzeitkräften in ihrer Konditorei: „Aber auch Teilzeit ist möglich.“
Foto: Foto Christ

Betriebe suchen nach möglichen Lösungen

Wenn sich nicht bald neue Mitarbeiter finden, wird sie sich eine Lösung für ihr Kaffeehaus einfallen lassen müssen. „Wir haben schon ernsthaft überlegt, ob wir in der umsatzstärksten Zeit, sprich in den Sommermonaten, auf Selbstbedienung umstellen. Das heißt, der Gast holt sich sein Eis oder seinen Kaffee mit Kuchen einfach selbst von der Theke. Somit sparen wir die Servicekräfte.“ Einen Lösungsansatz für das Mitarbeiterproblem in der Gastro hat auch Hermann Wurzenberger: „Ich glaube, man muss junge „Gastro-Rockstars“ vor den Vorhang bringen und damit ein positives Image aufbauen. Man muss die Jungen begeistern, aber insbesondere auch die Eltern und Verwandte, Bekannte und Freunde. Wir haben ja das gleiche Problem in vielen anderen Berufen wie Pflege, Öffentlicher Dienst etc. Dass die Vier-Tage-Woche beworben wird, verschärft das Problem zusätzlich.“

Auch das Arbeitsmarktservice in Scheibbs schöpft all seine Mittel aus, um die prekäre Lage am Arbeitsmarkt zu entschärfen: „Wir akquirieren offene Lehrstellen, indem wir unsere persönlichen Betriebskontakte nützen und versuchen, vorgemerkte Lehrstellensuchende mit Dienstgebern, die eine Stelle ausgeschrieben haben, zusammenzubringen“, erklärt AMS-Leiter Josef Musil.

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