Anton Erber im Interview: „Stehe zu dem, was ich mache“. VP-Abgeordneter Anton Erber sah sich nach Landesauftrag an die „Covid Fighters“ mit harscher Kritik konfrontiert.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 03. Dezember 2020 (08:53)
Philipp Monihart

Eine einstimmige Auftragsvergabe in der NÖ Landesregierung für die Covidtests an den Pflichtschulen an die „Artichoke Computing GmbH“ aus Göstling und damit an die „Covid Fighters“ sorgte in der Vorwoche für einige politische Aufregung. Denn 20-prozentiger Gesellschafter der Artichoke GmbH ist der Purgstaller VP-Landtagsabgeordnete Anton Erber. FPÖ-Klubobmann Udo Landbauer schäumte und sprach von einer „dreisten Vergabe von Millionenauftrag an ÖVP-Mandatar“. Erstaunlich sei auch, dass eine Firma die auf IT und damit auf Computer-Viren spezialisiert sei, offenbar auch mit Covid-Viren umgehen könne, kritisierte Landbauer die Landesregierung.

Dort sieht man die Vorwürfe gelassen. Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) argumentiert mit einer transparenten Ausschreibung, die über einen Verfahrensanwalt gelaufen sei. Die Artichoke GmbH erfülle alle Kriterien der Ausschreibung. „Nur weil ein Abgeordneter unserer Partei an der Firma beteiligt ist, bin ich nicht bereit, das zweitbeste Ergebnis zu nehmen“, sagte Teschl gegenüber dem ORF NÖ.

Der Regierungsbeschluss fiel übrigens einstimmig aus. Sowohl SP-LH-Stellvertreter Franz Schnabl, SP-Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig als auch FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl stimmten in der Regierungssitzung für die Auftragsvergabe.

Die NÖN traf einen Tag nach der Auftragsvergabe VP-Abgeordneten Anton Erber zum Interview.

NÖN: Sie und Ihre wirtschaftliche Verbindung zu den „Covid Fighters“ sind - nicht zum ersten Mal – ins Kreuzfeuer der (FP-)Kritik gekommen, weil die „Covid Fighters“ seit Montag bei Corona-Verdachtsfällen die Schnelltests in den Pflichtschulen durchführen sollen. Wie ist es zu diesem Auftrag gekommen?

Anton Erber: Es hat eine ganz transparente Ausschreibung gegeben. Die „Covid Fighters“ können einfach die Anforderungen am besten erfüllen. Denn es geht dabei, Covid-Tests mit einer hohen Validität bei Schülern durchzuführen, die keinen Nasenabstrich bedürfen. Denn der Nasenabstrich bei einem Kind stößt vor allem auch bei den Eltern auf große Ablehnung. Und deren Zustimmung bedarf natürlich ein Test in der Schule. Gleichzeitig soll das Ergebnis innerhalb möglichst kurzer Zeit feststehen. Diese Anforderungen konnte keiner der anderen Anbieter in dieser Qualität und Schnelligkeit erfüllen.

Haben die „Covid Fighters“ dafür ein eigenes Verfahren entwickelt?

Erber: Nein. Es geht um einen Gurgeltest nach dem RT-Lamp-Verfahren, die die Genauigkeit von PCR-Tests haben. Dadurch sind im Unterschied zu den Antigen-Test keine weiteren PCR-Tests nötig. Die „Covid Fighters“ haben aber dieses Testverfahren verfeinert und verfügen über eine ausgeklügelte und über die Monate auch schon bewährte logistische Organisationsstruktur. Die Software getriebene Supportleistung im Umfeld dieser Tests spielen eine ganz wichtige Rolle. Da geht es auch um die Aufnahme, Verbindung und Vernetzung der Daten.

Wie kann man sich das praktisch vorstellen. Die „Covid Fighters“ werden nicht vor jeder Pflichtschule parat stehen können?

Erber: Es gibt sechs Bildungsregionen in Niederösterreich, wo jeweils ein Auto der „Covid Fighters“ mit Abnahmeteams unterwegs ist. Zusätzlich werden die „Covid Fighters“ in vier dieser Regionen mit einem Testcontainer vor Ort sein. Für den Süden steht ein „Covitainer“ im 23. Bezirk. Im Weinviertel ist unser Testbus unterwegs. Wenn eine Schule „Alarm“ schlägt, fährt ein Testteam aus, führt die Tests vor Ort durch. Danach werden diese Tests auf schnellstem Wege zu den Testcontainern gebracht und ausgewertet, währenddessen das Testteam zur nächsten Schule fahren kann. Die Übermittlung der Ergebnisse erfolgt dann auf elektronischem Wege, wobei alles mittels QR-Code abgesichert ist.

Wie viele Mitarbeiter sind bei den „Covid Fighters“ beschäftigt?

Erber: Rund 60. Von IT-Experten, über Ärzte und Labormediziner bis hin zu Medizinstudenten oder Mitarbeiter aus dem medizinischen Bereich, wobei es auch viele Teilzeitkräfte gibt.

FP-Klubobmann Landbauer spricht von einem Millionenauftrag. Scheffeln die „Covid Fighters“ und Sie derzeit Millionen?

Erber: Nein, wie hoch die Auftragssumme tatsächlich wird, kann derzeit keiner abschätzen. Aber man darf bei all dem die Entwicklungsleistung und die Investitionen und natürlich die Mitarbeitergehälter nicht vergessen. Hier ist im Vorfeld extrem viel in die gesamte Entwicklung geflossen. Eigentlich haben wir unser Unternehmen im Vorjahr gegründet, um IT-Systeme zu verbessern. Dann kam Corona und wir wollten helfen und stecken seitdem viel Know-how und Geld in die Entwicklung guter Testsysteme und -strategien. Wir alle wollen nicht nur immer reden, sondern auch was tun. Daher geben wir uns auch nicht mit dem Erreichten zufrieden. Es gibt fast wöchentliche Updates unserer Systeme.

VP-Landesrätin Teschl-Hofmeister sagte, dass es kein Nachteil sein darf, wenn ein VP-Politiker bei einem Unternehmen beteiligt ist. Ist es ein Vorteil?

Erber: Das darf weder in die eine noch in die andere Richtung eine Rolle spielen. Wir alle fordern immer wieder Transparenz. Ich stehe zu dem, was ich mache. Ich habe keinen Treuhänder vorgeschoben, der für mich am Papier steht. Transparenter geht es für mich nicht.