Schulstart mit viel Prominenz im BiGS Gaming. Gemeinsam mit Generalsekretär Martin Netzer vom Bildungsministerium und VP-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister hat die Caritas der Diözese St. Pölten heute ihr neues Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe in Gaming offiziell eröffnet. Erstmals gibt es nun eine fünfjährige Pflege- und Sozialbetreuungsausbildung mit Matura.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 09. September 2020 (14:05)

Es war eine der ersten Maßnahmen der Bundesregierung im Jänner dieses Jahres: Die Ausschreibung eines Schulversuchs für eine Pflege- und Sozialbetreuungsausbildung mit Matura. Damit war der Weg frei für die neue Höhere Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege (HLSP), die mit diesem Schuljahr nun erstmals in Österreich angeboten wird. Diese fünfjährige Schule bietet einerseits die Ausbildung zum Diplom-Sozialbetreuer oder andererseits und alternativ einen Schwerpunkt in der Ausbildung zur Pflegefachassistenz und schließt mit Matura ab.  

Die Caritas der Diözese St. Pölten hat in enger Kooperation mit dem Land Niederösterreich den Schulstandort Gaming als Schulträger übernommen und wird nun, beginnend mit diesem Schuljahr, neben der HLSP auch eine zweijährige Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) sowie eine dreijährige Fachschule für Sozialberufe (FSB) anbieten.

Bei der heutigen Pressekonferenz im neuen Caritas Bildungszentrums für Gesundheits- und Sozialberufe in Gaming, betonten der Generalsekretär des Bildungsministeriums, Martin Netzer, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Caritasdirektor Hannes Ziselsberger die Wichtigkeit einer zeitgemäßen und attraktiven Ausbildung in Bereich von Sozialbetreuung und Pflege.

Franz Gleiß/Caritas

Mit dabei waren auch NÖ-Bildungsdirektor Johann Heuras, VP-Landtagsabgeordneter Anton Erber, Gamings Bürgermeisterin Renate Rakwetz, Bezirkshauptmann Johann Seper und der Scheibbser Bürgermeister Franz Aigner.

„Mit dieser Ausweitung des berufsbildenden Schulwesens im Bereich der Sozialbetreuung und Pflege zielen wir auf die Bekämpfung des Fachkräftemangels im höher qualifizierten Pflegebereich ab“, sagte Generalsekretär Martin Netzer. Besonders wichtig sei auch die Erhöhung der Durchlässigkeit im Bildungssystem. „Wir stellen heute die Weichen für abgestimmte Gesundheits- und Krankenpflegeausbildungsangebote, die auf der zehnten Schulstufe beginnen und mit der Matura nun auch einen Zugang zu einem entsprechenden Studium eröffnen.“ 

Das berufsbildende Schulwesen in Österreich ist äußerst erfolgreich – die Absolventen sind am Arbeitsmarkt gefragter denn je. „Umso wichtiger ist es für die Entwicklung unserer Gesellschaft, dass wir dementsprechende Ausbildungsangebote im Pflegebereich zur Verfügung stellen“, unterstreicht der Generalsekretär.

"Brauchen gerade in der Pflege gut ausgebildete Fachkräfte"

„Mit der fünfjährigen Pflegeausbildung mit Matura schaffen wir hier in Gaming gemeinsam ein absolut notwendiges Vorreiterprojekt für ganz Österreich, das durch gut ausgebildete Fachkräfte zum weiteren Gelingen flächendeckender und qualitativ hochwertiger Pflege und Betreuung maßgeblich beitragen wird. Das Pflege- und Gesundheitsthema ist allgegenwärtig, denn es ist ein Thema, das vor allem aufgrund der demographischen Entwicklung ein immer wichtigeres wird. Menschen werden in Zukunft länger bei besserer Gesundheit leben und auch erst später Pflegeangebote in Anspruch nehmen. Gleichzeitig werden in Zukunft auch mehr Personen Pflege- und Betreuungsangebote annehmen, da die Bevölkerungsgruppe der über 60-Jährigen stark wächst. Grundvoraussetzung für das weitere Gelingen flächendeckender und qualitativ hochwertiger Pflege und Betreuung sind demnach angemessene Rahmenbedingungen, dazu zählen vor allem auch ausreichend gut ausgebildete Fachkräfte“, betont Bildungs- und Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister im Rahmen der Pressekonferenz.

Franz Gleiß/Caritas

Im Caritas Bildungzentrum Gaming erwartet die Schüler eine Ausbildung mit Zukunft, ist Caritasdirektor Hannes Ziselsberger überzeugt und gab gleichzeitig allen "Taferlklasslern" des heurigen Jahrgangs eine Job-Garantie. "Wenn Sie in zwei, drei oder fünf Jahren diese Schule verlassen, dann gehen Sie mit den besten Jobaussichten in den  Arbeitsmarkt", sagte Ziselsberger Richtung Schüler. Sei doch in drei von vier Berufsfeldern der Sozialbetreuung auch die Ausbildung zur Pflegeassistenz enthalten, wie er betont. „Die Kernkompetenz der Caritas ist es, Menschen mit Unterstützungsbedarf in ihrem Leben zu helfen, zu begleiten, zu betreuen, zu pflegen. Wir wissen als Arbeitgeberin im Bereich der Altenpflege, der Behindertenhilfe oder der Familienhilfe um die wichtige Bedeutung der Sozialbetreuungsberufe und um den Mangel an Fachkräften, der uns in diesem Bereich bevorsteht. Wir wissen, dass wir die hier ausgebildeten Kräfte dringend benötigen und wir wissen, dass wir keinen Tag zu früh mit der Ausbildung beginnen“, erklärte Ziselsberger. 

Der Caritasdirektor dankte allen Partnern, die das Ausbildungsangebot an diesem BIGS-Standort in Gaming möglich gemacht haben – allen voran dem Bildungsministerium, dem Land NÖ, der Bildungsdirektion NÖ und dem Bildungscampus Mostviertel. 

Neues Kapitel in der Schullandschaft

Die Direktorin des BIGS Gaming, Barbara Heigl freut sich über den Start von drei Klassen ins neue Schuljahr: „Das Interesse am neuen Ausbildungsangebot ist groß und das weit über die Bezirksgrenzen hinaus. Durch das angebundene Internat kommen unsere Schüler auch aus den angrenzenden Bundesländern.“ Sie freue sich sehr, gemeinsam mit den Lehrkräften und Schülern ein neues Kapitel am Schulstandort Gaming und in der Geschichte einer psychosozialen Revolution in der Schullandschaft schreiben zu dürfen. 

Bis jetzt gab es österreichweit kein eigenes Fortbildungsprogramm für Pflege- und Sozialberufsschulen. Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz kündigt der Rektor der Pädagogischen Hochschule NÖ,  Erwin Rauscher an, ein solches Fortbildungsprogramm zielgerichtet an der PH NÖ anbieten zu wollen - in Abstimmung mit den Wünschen der Schulen. „Abseits der pädagogischen Kulturtechniken – Lesen, Rechnen, Schreiben – gelten an Schulen wie hier in Gaming auch Pflege-Grundlagen einer Sorge-Kultur: Zuhören, Verstehen, Anwenden. Und daraus Achtsamkeit, Empathie, Präsenz und Geduld sowie Autonomie von Sorgebedürftigen. So wird die Caring Community zu einer Ausdrucksform von Caritas in einer Caring Society“, sagt Rauscher.

Folgende Schultypen werden im BiGS Gaming angeboten:

  • Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege (HLSP): 

Bei der fünfjährigen Ausbildung mit Matura, kann zwischen den Schwerpunkten Pflegefachassistenz sowie Familienarbeit (Abschluss als Diplom-SozialbetreuerIn) gewählt werden. Ein Besuch ist entsprechend den Aufnahmekriterien für die BHS nach Abschluss der 8. Schulstufe möglich. In diesem Schuljahr besuchen 29 Schüler (26 Mädchen und drei Burschen) die erste Klasse der HLSP. 

  • Fachschule für Sozialberufe (FSB):

Dreijährige berufsbildende mittlere Schule für Jugendliche ab 14 Jahren als Vorbereitung auf verschiedene Ausbildungen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Die Schule bietet eine fundierte kaufmännische Grundausbildung und wird dem Lehrabschluss zum Betriebsdienstleistungskaufmann bzw. zur Betriebsdienstleistungskauffrau gleichgehalten. Zusatzausbildungen sind: KinderbetreuerIn, TagesbetreuerIn und HeimhelferIn. Aktuelle Schülerzahlen: 11 Mädchen, 2 Burschen.

  • Schule für Sozialbetreuungsberufe (SOB):

Zweijährige Fachausbildung mit den Schwerpunkten Alten- bzw. Behindertenarbeit mit inkludierter Pflegeassistenz und Green Care. Im Anschluss an das Fachniveau kann im bereits absolvierten Ausbildungsschwerpunkt mit der einjährigen Diplomausbildung fortgesetzt werden. Ein Besuch ist mit 17 Jahren (Vollendung des 17. Lebensjahres in dem Jahr, in dem die Ausbildung begonnen wird) möglich. Aktuelle Schülerzahl: 14 Mädchen, 4 Burschen.