Scheibbser ist infiziert vom Zitrus-Virus. Der Scheibbser Peter Fischer-Colbrie, ehemaliger Direktor der Bundesgärten, besitzt eine außergewöhnliche Sammlung an Zitruspflanzen.

Von Jakob Zuser. Erstellt am 11. August 2019 (04:46)
Jakob Zuser
Peter Fischer-Colbrie betreut seinem Garten in Scheibbs 24 verschiedene Zitrus-Pflanzen.

„Glaubst du, sind diese Pflanzen echt?“ Diese Frage hört Peter Fischer-Colbrie des Öfteren, wenn Spaziergänger durch die Erlaufstraße schlendern und einen Blick in seinen Garten werfen. Denn in seinem (grünen) Garten vor seinem Häuschen in Scheibbs lassen sich zahlreiche gelbe Früchte erblicken – Zitrusfrüchte aller Art.

24 verschiedene Pflanzen von 20 verschiedenen Arten betreut Peter Fischer-Colbri das ganze Jahr über. Doch um die exotischen Pflanzen artgerecht zu behandeln, benötigt man fundiertes Fachwissen. Das hat der 1941 geborene Fischer-Colbri allemal. Er studierte Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien und ist ehemaliger Direktor der österreichischen Bundesgärten.

„Die Leute rätseln immer wieder, ob die Pflanzen in meinem Garten wirklich echt seien.“Peter Fischer-Colbri, ehemaliger Direktor der Bundesgärten

In Schönbrunn besuchte er dienstlich oft die riesige Zitrus-Sammlung. Zum Pensionsantritt vor 15 Jahren übersiedelte Fischer-Colbri nach Scheibbs und kaufte einige der Pflanzen für seinen Garten. „Dann packte mich das Zitrus-Fieber – das wird man nicht mehr los“, lacht Fischer-Colbri. Schnell wurde die Sammlung größer. „Die neue Freizeit nutzte ich zum Bau eines Überwinterungshauses. Im folgenden Frühjahr, anlässlich der Wiener Zitrustage, war es natürlich verlockend und notwendig, einige weitere besonders schöne Exemplare vor anderen Interessenten in Sicherheit zu bringen“, sagt er.

Ausgefallene Sorten

Wenn man Zitronen nur aus dem Supermarkt kennt, wird man in Fischer-Colbris Garten aufgrund der ausgefallenen Sorten erstaunt sein. Unter den 24 verschiedenen Zitrusgewächsen findet man nämlich unter anderem die älteste Form dieser Gattung. Sie nennt sich Zitronatzitrone oder „citrus medica“ und wurde bereits im Alten Testament der Bibel erwähnt. Beim ersten Blick fällt bereits auf: Sie ist weit größer als „gewöhnliche Zitronen“.

Diese außergewöhnliche Sammlung bleibt natürlich auch bei Passanten nicht unentdeckt. „Ich finde es immer ganz lustig, wenn Menschen darüber rätseln, ob das echte Pflanzen und Früchte in meinem Garten sind. Dann kläre ich sie natürlich gerne auf. Einmal stand sogar eine verlegene Frau vor meiner Tür. Sie hatte vergessen, Zitronen für ihre Schnitzel zu kaufen – da konnte ich natürlich aushelfen“, schmunzelt der ehemalige Direktor der Bundesgärten.

Damit die Pflanzen wachsen und ihre volle Pracht entfalten, müssen sie artgerecht gepflegt werden. „In den heißen Sommermonaten werden sie bewässert. Dafür verwende ich aber nur Regenwasser, dass ich in Tonnen sammle, weil unser Leitungswasser zu kalkhaltig ist. Das würden sie nicht vertragen“, erklärt der Hobby-Gärtner.

Im Herbst werden die Pflanzen geschnitten, im Winter dann in einem Glashaus gelagert. Dabei ist es wichtig, dass es nicht zu kalt wird. „Im Überwinterungshaus hat es stets eine Temperatur zwischen fünf und acht Grad Celsius. Kälter sollte es nicht werden“, weiß Fischer-Colbri. Er selbst beschreibt sein Hobby als unheilbare Krankheit: „Als Direktor der Bundesgärten habe ich mich bereits bei meinem ersten Besuch in Schönbrunn infiziert. Während der langen Inkubationszeit zeigten sich erste Symptome in Form von häufigeren Besuchen der Sammlung. Zum Ausbruch der Krankheit kam es allerdings erst nach der räumlichen Trennung in meinem Ruhestand.“ Eine Heilung von der „Krankheit“ wünscht sich der Pensionist jedenfalls nicht.