Mostviertel: „Medaillen bringen keinen neuen Boom“. Die Vereinsvertreter glauben nicht an mehr Mitgliederzahlen aufgrund der olympischen Medaillenerfolge.

Von Raimund Bauer. Erstellt am 04. August 2021 (05:18)
Auswirkungen von Olympia - Mostviertel: Medaillen bringen keinen neuen Boom
Bei den Erlauftaler Radsporttagen waren die Purgstaller Athleten mitten im Feld. Der Verein verschreibt sich der Nachwuchsarbeit. Durch Olympiaerfolge wird aber nicht mit Zuwachs gerechnet.
Raimund Bauer

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Im Judo wäre eine Teilnahme mit 13 Jahren nur schwer vorstellbar. „Der Kräfteunterschied wäre zu groß und gesundheitsgefährdend für die Kinder“, erklärt Jasmin Gruber.
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Die Goldmedaille von Anna Kiesenhofer sorgte für Schlagzeilen. Die Niederösterreicherin hatte niemand auf der Rechnung. Und auch die Silber bzw. Bronzemedaille im Judo polierte den österreichischen Medaillenspiegel auf. Doch helfen die Medaillen in der Nachwuchsarbeit der jeweiligen Vereine?

Geht es nach Renée Preyler vom Radsportclub Purgstall, eher nicht. „Der Medaillengewinn ist erste eine Woche her, um eine genaue Aussage zu treffen. Aber ich glaube nicht, dass es Jugendliche dazu animieren wird, in den Radsport einzusteigen. Da liegen einfach die Interessen wo anders“, bezweifelt Preyler.

„Wegen Medaillen bei Olympia wird kein Boom ausbrechen.“ Andreas Kretzl, von den NFKC Ybbs

Dennoch kann ein Medaillengewinner wie Kiesenhofer den derzeitigen Nachwuchs motivieren. „Natürlich braucht es Vorbilder. Unsere jungen Nachwuchsfahrer haben schon mit Patrick Konrad oder Gregor Mühlberger trainiert. Nur waren die Kinder eben schon im Verein dabei“, sagt Preyler.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Andreas Kretzl, Vater und Trainer der Ybbser Kanuten Simon und Timon Kretzl. Die beiden Nachwuchskanuten sind aber auch im Sportschießen in den Nachwuchsklassen erfolgreich unterwegs. „Wegen Medaillen bei Olympia wird kein Boom ausbrechen. Entscheidend, ob Kinder zum Sport kommen, sind die Eltern. Sie müssen auch die Zeit aufwenden und ihre Kinder zum Training bringen“, sagt Kretzl.

In Amstetten sieht es Jasmin Gruber ein wenig differenzierter: „In den großen Städten wie Wien und Linz kann es durchaus dazu kommen, dass Kinder dadurch zum Sport kommen. In Amstetten werden wir nicht davon profitieren. Aber durch die Medaillen sind wir wenigstens wieder im Gespräch“, sagt die Nachwuchs-Trainerin beim Judo-Verein Amstetten.

Dabei hatten die Kampfsportler durch die Corona-Pandemie einen besonderen Aderlass. „Wir hoffen, jetzt wieder aufzuholen. Während der Corona-Krise durften wir gar nicht trainieren und haben dadurch natürlich einige Kinder verloren. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir das in den nächsten Wochen wieder aufholen“, gibt sich Jasmin Gruber dennoch optimistisch.

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