Scheibbser Kammerräte: Klares Nein zu neuem Standort. Scheibbser Kammerräte sprachen sich 100 % gegen gemeinsamen BBK-Standort mit Melk aus.

Von Markus Glück und Claudia Christ. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:11)
Franz Aigner, Kammerobmann-Stellvertreter: „Einstimmig dagegen.“
Christ

Die Zusammenlegung der beiden Bauernkammer-Bezirksstellen in Melk und Scheibbs dürfte vorerst vom Tisch sein. Bei einer Sitzung vergangene Woche stimmten die Kammerfunktionäre aus Scheibbs einstimmig gegen die Zusammenlegung in Wieselburg.

Die Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel, die in Wieselburg am Standort des ehemaligen Feuerwehrhauses ein neues Bürogebäude errichten wird, war zuvor mit einem Angebot auf die beiden Bezirksbauernkammern Melk und Scheibbs zugekommen.

Franz Rafetzeder, Kammerobmann: „Wir nehmen das Angebot nicht an.“
Eplinger

Als Gründe für die Absage nannten Scheibbser Funktionäre die mangelhafte Parkplatzsituation, die Verlagerung aus dem Zentrum des Bezirks an den westlichen Rand aber auch das Zusammenrücken mit Raiffeisen. Außerdem müsste die Bezirksbauernkammer Scheibbs für die Umsetzung des Projektes auch hohe finanzielle Verpflichtungen eingehen. „Es war eine klare Entscheidung. Nach intensiver Diskussion sprachen sich alle 25 anwesenden der insgesamt 28 Kammermitglieder gegen den neuen BBK-Standort in Wieselburg aus“, informiert Kammerobmann-Stellvertreter Franz Aigner. Somit ist auch für Kammerobmann Franz Rafetzeder, der der Idee von der Zusammenlegung von Anfang an neutral gegenübergestanden ist, eine Richtung vorgegeben. „Die Kammerräte haben ihre Entscheidung getroffen, somit werden wir das Angebot der Raika nicht annehmen“, betont er am Montag im NÖN-Telefonat.

Auch für die neun Scheibbser Kammerräte des Unabhängigen Bauernverbandes ist die Zusammenlegung der beiden Standorte ein „No-Go“. Auch sie sprachen sich in einer Versammlung in der Vorwoche eindeutig dagegen aus. „Es wäre ein falsches Signal an die Vertreter der Bauernschaft“, erklärt UBV-Hauptausschussmitglied Alois Fröschl den Schulterschluss seiner Fraktion, den auch der FP-Kammerrat Herbert Höllmüller vollkommen unterstützt.

Melk hofft weiterhin auf positive Entscheidung

Johannes Zuser, BBK-Obmann Melk ist noch positiv gestimmt.
zVg

Melks Bezirksbauernkammer-Obmann Johannes Zuser ist von der Entscheidung in Scheibbs wenig überrascht, er hofft aber weiterhin auf einen positiven Ausgang. Bei einer Versammlung (nach Redaktionsschluss) erklärte er seinen Funktionären Vor- und Nachteile der Zusammenlegung. „Ich habe schon mit vielen Funktionären gesprochen. Es gibt natürlich Skepsis aber kein generelles Nein. Wir blicken nach vorne und sehen, wo die Vorteile liegen“, betont Zuser.

Sorge herrscht bei einigen Kammerfunktionären, dass im Fall einer Absage der Zusammenlegung, es in wenigen Jahren eine Strukturreform geben wird, diese aber dann fremdbestimmt ist. „In Oberösterreich hat es diese Reform schon gegeben. Der Standort Wieselburg macht Sinn und wir hätten derzeit alles selbst in der Hand“, befürwortet Zuser den gemeinsamen Standort.

Wenig Freude mit einer Zusammenlegung hätte FP-Bauernkammerrat Manfred Mitmasser. Er glaubt nämlich nicht, dass, so wie von Zuser betont, die Kammern eigenständig bleiben. „Das ist der erste Schritt zur Fusion und das Ende der Kammern in Melk und Scheibbs,“ meint Mitmasser. Kritik äußert er auch daran, dass außer einer E-Mail keine Information erfolgte. Die FPÖ wird bei der Vollversammlung der Zusammenlegung nicht zustimmen.