Reportage: Wenn Pflege männlich ist. Diplompfleger Abdyl Kabashi ist der einzige männliche Mitarbeiter bei der Caritas-Sozialstation Wieselburg. Viel zu wenig Männer finden wie er ihre Berufung im Pflegebereich.

Von Claudia Christ. Erstellt am 21. März 2020 (06:27)
Seit einem Unfall ist Landwirt Alois Huber auf Pflege angewiesen. Caritaspfleger Abdyl Kabashi unterstützt ihn bei seinem großen Ziel, wieder laufen zu können.
Claudia Christ

Schritt für Schritt bewegt sich Alois Huber auf seinem Trainingsgerät vorwärts. „Es wird schon immer besser“, sagt er und lächelt. Nach einem Unfall im vergangenen Mai ist der 81-Jährige auf häusliche Hilfe angewiesen. Nach wochenlangem Spitalaufenthalt und Reha konnte er wieder nach Hause. Seither sitzt er im Rollstuhl. Der Unfall stellte auch seine Familie – Sohn, Schwiegertochter und seine Ehefrau – vor viele ungewohnte Herausforderungen, besonders in der Pflege zu Hause.

Die notwendige Hilfe hat die Familie rasch unbürokratisch bei den Mitarbeitern der Caritas Sozialstation Wieselburg gefunden. Abdyl Kabashi – er ist der einzige Diplompfleger im Team – kümmert sich seither gemeinsam mit seinen Kolleginnen täglich um Alois Huber. Eine große Entlastung für die ganze Familie. „Am Anfang war das schon eine große Umstellung für mich, dass ich auf Hilfe angewiesen bin, aber mittlerweile kenne ich alle im Team schon sehr gut und freue mich, wenn sie zu mir kommen“, sagt Huber.

 „Für mich sind meine Klienten wie eine große Verwandtschaft. Ich liebe es mit den Menschen zu arbeiten.“ Diplompfleger Abdyl Kabashi

Besonders freut er sich, wenn Abdyl zum Dienst eingeteilt ist. „Es ist einfach wichtig, dass der Morgen mit guter Laune startet, deshalb läuft bei uns der Schmäh“, sagt der Diplompfleger. Er ist seit fünf Jahren bei der Caritas Sozialstation in Wieselburg beschäftigt. Für ihn ein Traumberuf. Gemeinsam wird neben der körperlichen Pflege auch jede Menge diskutiert und trainiert. Nach Strombehandlung, Radfahren und Gehübungen bleibt immer noch Zeit für Gespräche.

„Mit ihm kann ich alles besprechen, auch Dinge, die ich vor einer Frau nicht so aussprechen würde“, meint Huber und schmunzelt. Und dass das Verhältnis der beiden mittlerweile weit über ein berufliches hinausgeht, ist deutlich spürbar. „Für mich sind meine Klienten wie eine große Verwandtschaft. Ich liebe es, mit den Menschen zu arbeiten. Es kommt so viel zurück“, sagt der Caritas-Mitarbeiter, der immer 200 Prozent geben will.

Warum Pflege immer noch zu den weiblichen Berufen zählt, erklärt sich Kabshi so: „Daran ist das alte Rollenbild schuld, dass Frauen für Kinder und Haushalt zuständig sind, schuld. Außerdem glaube ich, dass viele Männer Angst vor den psychischen Herausforderungen haben. Das Berufsbild gehört dringend aufgepeppt, denn es fehlt an Personal.“ Eine Chance dafür biete die neue Caritas-Pflegeschule in Gaming, die ab September mit ihren drei Ausbildungszweigen starten wird.

Inzwischen übt Alois Huber eifrig mit seiner Gehhilfe weiter, gestützt von seinem Lieblingspfleger. „Mein Ziel ist es, dass ich bald wieder laufen kann“, sagt er und setzt einen Schritt vor den anderen. Dass er das schaffen wird, daran zweifelt auch sein Pfleger keineswegs: „Er hat schon so viele Fortschritte gemacht, das schafft er jetzt bestimmt auch noch.“