Zeitzeugin Mangold: „Mitgefühl gab es nicht“

In der IT-HTL in Ybbs war eine sehr beeindruckende Zeitzeugin zu Gast: Die Schauspielerin Erni Mangold.

Erstellt am 22. November 2016 | 10:05
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Beeindruckende Begegnung: Stefan Aufreiter, Gina Horvath, Erni Mangold, die junge Leute unheimlich gern mag, und Andreas Stoppacher.
Foto: NOEN, Heigl

Die bekannte Schauspielerin Erni Mangold, heute fast 90 Jahre alt, erzählte den Schülern in der IT-HTL Ybbs von ihren Jugendjahren im Zweiten Weltkrieg. Sie sprach anschaulich, wortgewandt und schonungslos über die Zeit des Krieges und die Jahre danach.

„Meine Erfahrungen haben mich sehr geprägt und schneller erwachsen gemacht“, stellte sie fest. Damals hätten Kinder viel weniger gewusst, sie selbst habe bis 14 noch ans Christkind geglaubt. Als in ihrem 13. Lebensjahr der Krieg ausbrach, konnte sie sich darunter nichts vorstellen. „Die sind nach Polen gezogen, mehr war es anfangs nicht“.

„Ein sehr persönlicher Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus. Die Aussage, dass die fehlende Freiheit das Belastendste für sie war, hat mich sehr berührt.

Sandra Dallinger, Schülerin

Den ersten unvergesslichen Kontakt mit dem Schrecken des Krieges hatte sie als 15-Jährige in Tirol. „Das Geräusch der einmarschierenden Soldaten war furchtbar für mich“, gestand Erni Mangold. Ansonsten schien sie das Grauen dieser Tage nicht allzu sehr zu berühren.

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Moderator Othmar Schachl, Direktor Rainer Graf, Erni Mangold und Claudia Aufreiter, die mit der Schauspielerin aus dem Waldviertel anreiste.
NOEN

„Sentimentalitäten gab es nicht“, berichtet die Zeitzeugin ganz nüchtern. Im Bombenkeller habe sie sich darüber gewundert, dass die Erwachsenen so aufgebracht waren. Aber sie selbst sei nie ängstlich gewesen.Viel mehr beeinflusst habe sie der Gedanke, nicht frei zu sein. Man sei immer unter Beobachtung gestanden, habe nie sagen können, was man denkt.

„Ich habe diese Nazi-Scheiße gehasst!“, machte sie den Schülern ihre Abneigung deutlich. Mangold habe sich dennoch nie unterkriegen lassen und sich auf ihre Art gegen das Regime gewehrt. „Ich habe Sand in die Maschinen rieseln lassen, als ich in der Fabrik Kriegsgut herstellen sollte.“ Erni Mangold schilderte sich selbst als sehr leichtsinnig und lustig.

Bei ihrem Vortrag sprach die Zeitzeugin aber auch unverblümt über die aktuelle politische Situation und die Gefahren neuer Medien, wie Facebook. Sie appellierte an die Jugendlichen sich keine Angst machen zu lassen und stets einen geraden Weg zu gehen: „Nicht mit der Masse mitlaufen.“