227 Überstunden in nur drei Monaten. Im Scheibbser Bezirk holte Arbeiterkammer für 46 Arbeitnehmer ausstehende Löhne und Gehälter ein: 125.631 Euro.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 07. September 2017 (05:00)
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AK-Bezirksstellenleiter Helmut Wieser: „Wir konnten im ersten Halbjahr 46 Mitgliedern zu ihrem Recht verhelfen.“

Welchen Wert eine gute Arbeitnehmervertretung hat, erlebten im ersten Halbjahr 46 Arbeitnehmer am eigenen Leib. Ihnen wurden nach Intervention der Vertreter der Arbeiterkammer insgesamt 125.631 Euro an ausstehenden Löhnen und Gehältern nachbezahlt.

„Bei uns herrscht zum Glück ein gutes Gesprächsklima, sodass wir die meisten Fälle außergerichtlich lösen können. Aber bei 17 Fällen ließen es die Arbeitgeber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen“, berichtet Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Helmut Wieser. Außerdem vertrat die AK im Bezirk vier Beschäftigte aus zwei insolventen Betrieben. Insgesamt führte die AK Scheibbs 575 arbeits- und sozialrechtliche Beratungen durch.

„Zeitaufzeichnungen sind unerlässlich“

Ein krasses Beispiel ist ein 27-jähriger Maschinenbetreuer aus dem Bezirk. „Gelegentlich könnte es etwas länger dauern“, sagte man ihm beim Einstellungsgespräch bei einem Agrarhandelsunternehmen. „Mit etwas länger waren offenbar regelmäßige Zwölf-Stunden-Schichten gemeint“, erklärt Helmut Wieser.

Von Anfang Jänner bis Mitte April kam der Arbeitnehmer so auf 227 Überstunden. Bezahlt wurde keine einzige. Vage wurde vereinbart, dass der Mitarbeiter ab Mai im Gegenzug weniger arbeiten müsse. Von Überstundenzuschlägen war keine Rede. Als er einmal für seine private Übersiedlung drei Stunden Zeitausgleich beantragte, wurde ihm das von der Firma verweigert.

Nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses wandte sich der Maschinenbetreuer an die AK Scheibbs. „Wir haben für ihn beim ehemaligen Arbeitgeber die offenen Überstunden und den offenen Resturlaub eingefordert“, schildert Wieser. „Nach langen Verhandlungen hat die Firma 3.700 Euro nachbezahlt. Hier sieht man wieder, wie wichtig es ist, dass Arbeitnehmer Arbeitszeitaufzeichnungen haben. Mit ihnen kann man unbezahlte Überstunden auch beweisen“, betont Wieser.