Absatzprobleme: Zu viel Wildbret ist am Markt. Wildgerichte sind kulinarische Highlights im Herbst. Wirte aus dem Bezirk Scheibbs bieten „Wild to go“, Jäger Wildprodukte zum Abholen.

Von Karin Katona. Erstellt am 20. November 2020 (06:22)
Franz und Grete Pitzl aus Purgstall bieten bei ihrem Stand auf dem Bauernmarkt selbst erlegtes, portioniertes Wildbret und Wildprodukte an. Beides gibt es auch zur Abholung.
Karin Katona

Fast alle Wirte in der Region setzen in der coronabedingten Schließzeit auf „Wild to go“ und bieten Wildgerichte zum Abholen an. Was zwar gut angenommen wird. „Mit dem üblichen Geschäft um diese Zeit ist es natürlich nicht zu vergleichen“, sagt Wirtesprecher Sepp Wondraczek.

Ein Problem ist der geringere Absatz beim Wildbret vor allem auch für die Jäger. „Weil die Gastronomie als Markt für das Wildbret heuer ausfällt, kauft es uns der Wildhandel nicht mehr ab“, sagt Erich Pitzl vom Revier Feichsen in Purgstall. „Wir Jäger sind jedoch verpflichtet, eine bestimmte Stückzahl zu erlegen. Früher konnten wir das erlegte Wild gleich direkt an den Wildhandel weiter verkaufen, ohne es weiter verarbeiten zu müssen.“

In Zeiten des sinkenden Absatzes hat Familie Pitzl aus der Not eine Tugend gemacht und begonnen, als Direktvermarkter küchenfertig abgepacktes Wildbret und selbst hergestellte Produkte aus Wildbret anzubieten. Mit Erfolg: „Manche Leute zögern, weil sie denken, dass Wild schwierig zuzubereiten ist, aber wir geben gern Tipps“, sagt Erich Pitzl. Bei ihm gibt es aber auch Leberkäse, Leberpastete, Bratwürste, Käsekrainer und Wildrohschinken. Pitzl freut sich, neben dem Verkauf auch Bewusstseinsarbeit betreiben zu können: „Wildbret ist Fleisch von hoher Qualität, zu hundert Prozent regional, stammt aus artgerechter Haltung und ist gesund.“

Rosemarie Wurm, Hegeringleiterin in Gaming, bemerkt bei Wildbret einen größeren Trend zur Direktvermarktung. Durch Informations- und Werbekampagnen des NÖ Landesjagdverbands werde das Interesse für Kochen mit Wild geweckt. „Viele denken, dass Kochen mit Wild schwierig ist“, stellt auch sie fest. „In den vergangenen Jahren ist aber die Akzeptanz für Wildbret gewachsen und es wird immer mehr als gesundes Nahrungsmittel geschätzt, von dem man genau weiß, wo es herkommt.“

Durch die Sperre der Gastronomie in der Coronakrise und den Ausfall ausländischer Märkte sei es zu einem gewissen Preisverfall von Wildbret auf dem Markt gekommen. Was viele Jäger zum Anlass nehmen, ihr erlegtes Wild verstärkt selbst zu vermarkten.