Alles zum Wohle der Patienten bei Apotheken. Apotheker sehen in Initiative für mehr Hausapotheken einen „Angriff“ auf ihren Berufsstand.

Von Karin Katona, Anita Schwaiger und Christian Eplinger. Erstellt am 03. September 2019 (04:21)
Eplinger
Apothekerin Karin Trinkl von der Meridian-Apotheke in Wieselburg mit Pharmazeuten Reinhold Nemeth: „Unser Warenlager umfasst 6.298 Artikel. Eine Hausapotheke hat nur einen Bruchteil davon“, hebt Karin Trinkl hervor. Eplinger

Sieben öffentliche Apotheken gibt es in den 18 Gemeinden des Scheibbser Bezirks, davon gleich zwei in Wieselburg. Parallel dazu führen auch sieben der insgesamt 16 Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag eine Hausapotheke. Geht es nach der Ärztekammer, soll die Anzahl der Hausapotheken steigen, um vor allem den Landarztberuf attraktiver zu machen.

Das leidige Streitthema Hausapotheke könne man durch ein allgemeines Dispensrecht für alle niedergelassenen Ärzte lösen, meint Bezirks-Ärztevertreter Karl Brandstetter aus Purgstall. „Laut Befragungen sind die Patienten dafür. Denn für die Menschen, besonders auf dem Land, ist es eine Erleichterung – vor allem am Wochenende oder in entlegeneren Gebieten.“

Dennoch gibt der Allgemeinmediziner zu bedenken: „Mehr Ärzte mit Hausapotheken auszustatten, geht am Kernproblem vorbei. Denn dass Ärzte ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein brauchen, zeigt, dass es mit der Honorargestaltung im Arztbereich nicht stimmt. Denn jemand, der von seiner Arbeit gut leben kann, braucht keinen Nebenjob.“

Olinka Hofmann: "In Honorarpolitik muss sich etwas ändern"

Eine Ärztin mit Hausapotheke im Bezirk ist Olinka Hofmann. Seit zwölf Jahren betreibt sie ihre Ordination in Oberndorf. „Die Patienten stehen Schlange bis auf die Straße“, erklärt die Allgemeinmedizinerin. Laut Hofmann sei in den vergangenen Jahren die Dichte an Apotheken stark gestiegen. In Relation dazu wurden die Ärzte am Land weniger. Jedoch bezweifelt Hofmann, dass sich an diesem Ärztemangel etwas ändern wird.

Auch sie sieht Mängel in der Honorarstruktur. „Bei uns in der Ärztebranche muss sich in der Honorarpolitik etwas ändern. Wenn in diesem Punkt nichts geschieht, sich der bürokratische Aufwand für die Ärzte nicht ändert und auch keine Hausapotheken mehr betrieben werden dürfen, wird kein Arzt mehr aufs Land kommen“, betont Hofmann.

Den Vorstoß, Hausapotheken in Einarztgemeinden zu ermöglichen, hält sie grundsätzlich für einen guten Ansatz. Für sie sei es denkbar, dass Apotheken und Hausapotheken nebeneinander bestehen können. „Ich bin für ein Miteinander“, betont Hofmann, die auch mit ihrer Partnerapotheke in Purgstall alles andere als einen Konkurrenzkampf führt.

Trennung der Berufe und Vier-Augen-Prinzip

Für „sehr bedenklich“ hält Apothekerin Karin Trinkl diesen Hausapotheken-Vorschlag der Plattform „Einarztgemeinde“. Ihre Meridian-Apotheke in Wieselburg, die sie seit 2012 direkt an der Erlauftalbundesstraße betreibt, steht auch auf einer von der Apothekenkammer herausgegebenen Liste an Apotheken, die durch diesen Vorstoß gefährdet wären.

„Wenn zum Beispiel Doktor Hoffer eine Hausapotheke bekommen würde, würde uns das vielleicht nicht umbringen, aber es wären sicher spürbare Umsatzeinbußen zu verzeichnen und wir müssten Mitarbeiter abbauen. Damit wird es dann aber immer schwieriger, die durchgehenden Öffnungszeiten der öffentlichen Apotheken und die Bereitschaftsdienste in der Nacht und an den Wochenenden abzudecken“, sagt Trinkl.

Denn gerade diese Öffnungszeiten seien ein wesentlicher Vorteil der öffentlichen Apotheke gegenüber einer Hausapotheke, die im Schnitt höchstens 20 Stunden in der Woche geöffnet sei.

Aktuell beschäftigt Trinkl zehn Mitarbeiter in der Meridian-Apotheke, darunter drei weitere Pharmazeuten. Neun der zehn Mitarbeiter sind Frauen. „Öffentliche Apotheken sind auch Arbeitgeber und Kommunalsteuerzahler. Das sollte bei der Diskussion nicht vergessen werden“, sagt Trinkl.

Ihr gefällt ohnehin nicht, dass diese Diskussion immer mehr zum Politikum wird. Seit 750 Jahren funktioniere die Trennung der beiden Berufe Arzt und Apotheker. Und diese Trennung und das damit verbundene Vier-Augen-Prinzip mache auch absolut Sinn und würde auch von den Ärzten geschätzt.

„Es gibt mit sehr vielen Ärzten eine gute Zusammenarbeit und so sollte es auch sein. Die Ärzte sind für Diagnose und Therapie zuständig, die Apotheker sind die Arzneimittelexperten.“

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