Am Montag erstmals wieder weniger als 200 Corona-Fälle. Zahlenfetischisten kommen derzeit angesichts Corona, Ausreisekontrollen und Antigentestungen im Bezirk Scheibbs voll auf ihre Rechnung. Aber gleich vorweg die wichtigste Nachricht: Die Corona-Infektionszahlen selbst sind seit vergangenem Freitag, genau eine Woche nach dem Start der Ausreisekontrollen im Bezirk Scheibbs, deutlich im Sinken.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 20. April 2021 (06:32)
264.454 Antigentests wurden in der Vorwoche im Bezirk Scheibbs in den 13 Gemeinde-Teststationen sowie den fünf testenden Apotheken im Bezirk genommen - alleine 7.021 davon in den Teststraßen in Wieselburg (Bild).
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Am Montag verzeichnet der Bezirk erstmals wieder weniger als 200 aktuelle Corona-Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit bei 265,6 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Auch hier rutscht der Bezirk Scheibbs erstmals seit langem wieder aus den nicht unbedingt anstrebenswerten Top-Fünf-Bezirken mit der höchsten Inzidenz (9. Platz). In Niederösterreich ist man weiterhin hinter Zwettl (276,3) auf dem zweiten Platz. Die höchste Inzidenz österreichweit weist am Montag der Bezirk Lienz in Tirol mit 367,3 Fällen auf.

26.454 Antigentests in einer Woche

Erreicht hat das der Bezirk, obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – in den vergangen sieben Tagen so viel getestet worden ist wie noch nie über einen so langen Zeitraum im Bezirk. Insgesamt 26.454 Antigentests sind von Montag, 12. April, bis einschließlich Sonntag, 18. April, in den 13 Teststationen der Gemeinden sowie den fünf testenden Apotheken im Bezirk abgenommen worden. „Die Zusammenarbeit unter den Gemeinden, egal welcher politischen Farbe, ist großartig. Nach dem großen Andrang vor allem am ersten Kontroll-Wochenende hat man die Kapazitäten nochmals aufgestockt und für weitere Entlastung der einzelnen Teststationen gesorgt“, freut sich Gemeindebundobmann Bürgermeister Franz Aigner.

6.464 Kontrollen, nur 162 Zurückweisungen

Die Testzahlen in die Höhe getrieben haben natürlich die Ausreisekontrollen. Von Freitag, 9. April, bis Sonntag, 18. April, sind insgesamt 6.464 Personen an den Bezirksausfahrten von den Polizeibeamten kontrolliert worden. „Dabei gab es nur 162 Zurückweisungen, weil die Personen keinen negativen Test oder keine Bescheinigung vorweisen konnten. Und sehr positiv zu vermerken ist, dass es bisher immer noch bei einer einzigen Anzeige geblieben ist“, betont Bezirkshauptmann Johann Seper im NÖN-Gespräch.

Wie lange wird noch kontrolliert?

Die große Frage seit Freitag ist nun, wie lange diese Ausreisekontrollen noch andauern. Laut aktuellem Erlass aus dem Gesundheitsministerium braucht es zehn Tage unter der Inzidenz von 200, damit die Kontrollen aufgehoben werden. Am Freitag sprach sich Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) dafür aus, dass der Grenzwert für die Aufhebung der Maßnahmen von 200 auf 400 verdoppelt werden soll. Das hätte der Bezirk Scheibbs schon erreicht. „Die für alle herausfordernden administrativen Vorkehrungen müssen überdacht und durch eine neue, praxisgerechtere Regelung ersetzt werden“, betonte Königsberger-Ludwig, woraufhin das Gesundheitsministerium eine Überarbeitung des Erlasses ankündigte. Das begrüßten auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf (beide ÖVP) und pochten darauf, „dass die Lockerungen rasch kommen müssen.“

Zu Wort gemeldet hat sich am Dienstag auch der Ybbser SPÖ-Nationalratsabgeordnete Alois Schroll. Er  fordert eine „flexiblere Regelung betreffend der Maßnahmen für Hochinzidenzgebiete“ und sei diesbezüglich auch ständig in Kontakt mit den Betriebsräten der großen Unternehmen im Bezirk Scheibbs. Viele Arbeitnehmer dieser Betriebe pendeln täglich aus dem Melker oder Amstettner Bezirk nach Scheibbs ein. "Hier müssen wir eine neue Regelung finden, denn eines ist klar: Zehn Tage unter einer Sieben-Tagesinzidenz von 200 ist eine zu große Vorgabe!“, sagt Schroll, der von den Betriebsräten voll inhaltlich unterstützt wird. 

Gelassen sieht das Bezirkshauptmann Johann Seper. "Wir müssen sich nach den Grenzwerten und den gültigen Verordnungen richten. Aber natürlich ist der Aufwand für alle Beteiligten enorm. Nur die zuletzt in Medien auch geäußerte Kritik, dass bei uns zu wenig kontrolliert würde, kann ich nicht nachvollziehen. Aber bei einem Bezirk mit so vielen Ausfahrtswegen wie dem unseren, können die Kontrollen nur stichprobenartig sein. Wenn wir gleichzeitig alle Ausfahrten flächendeckend kontrollieren sollten, bräuchte es eine Hundertschaft an Beamten", weiß Seper.

Die Sieben-Tage-Inzidenz des Bezirks Scheibbs (relative Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner).

  • MO, 19. April 265,6 Fälle
  • SO, 18. April 287,3 Fälle
  • SA, 17. April 275,3 Fälle
  • FR, 16. April 328,4 Fälle
  • DO, 15. April 321,1 Fälle
  • MI, 14. April 313,9 Fälle
  • DI, 13. April 309,1 Fälle
  • MO, 12. April 297,0 Fälle

Die aktuellen Zahlen im Bezirk Scheibbs, Stand Montag, 19. April (Montag, 12. April):

  • aktuell Corona-positiv 196 (249)
  • Absonderungsbescheide 367 (535)
  • Verkehrsbeschränkungen 46 (71)

Zahlen seit Pandemiebeginn:

  • Gesamtanzahl an bestätigten Corona-Fällen im Bezirk 3.558 (3.441)
  • Todesfälle gesamt 37 (34)

Landesklinikum Scheibbs

  • Covid-19-Patienten im LK 11 (14)
  • davon auf der Intensivstation 1 (3)
  • Covid-Todesfälle in den vergangenen sieben Tagen 3 (1)