Amateurfußball: Bei Corona-Orange drohen Geisterspiele. Sollte die Corona-Ampel von Gelb auf Orange schalten, dürfen keine Zuschauer mehr auf den Fußballplatz.

Von Wolfgang Wallner und Raimund Bauer. Erstellt am 30. September 2020 (05:19)
Leere Ränge beim Fußballspiel – ein Anblick, an den man sich vielleicht schon bald gewöhnen muss?
Eplinger

Zeigt die Corona-Ampel im Bezirk Orange, dürfen keine Zuschauer mehr auf den Sportplatz. Mit dieser Verschärfung, die ab 5. Oktober gilt, hat Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner für Aufregung in der Fußballszene gesorgt. Auch in unserer Region, selbst wenn der Bezirk Scheibbs (noch) nicht betroffen ist.

„Mir ist die Stimmung in den Vereinen bewusst, klarerweise werde ich mit Anrufen förmlich bombardiert.“NÖFV-Präsident Hans Gartner

Beim NÖ-Verband zeigt sich Präsident Hans Gartner „überrascht“ von den Maßnahmen. Bislang durften – ohne Covid-19-Präventionskonzept – wenigstens 100 Besucher auf den Platz.

Am Dienstag (nach Redaktionsschluss) hat die Verbandsspitze das weitere Vorgehen beraten. An eine Unterbrechung des Meisterschaftsbetriebs will Gartner noch nicht denken: „Mir ist die Stimmung in den Vereinen bewusst, klarerweise werde ich mit Anrufen förmlich bombardiert. Aber wir wollen mit überhasteten Aktionen nicht mehr zerstören, als es bringt, und vor allem den Kindern nicht den Sport wegnehmen.“

Als wahrscheinlichste Lösung werden von den Geisterspielen betroffene Klubs ihre Heimpartien absagen dürfen. Alternativ stünde laut Gartner auch ein Platzwahltausch als Option zur Verfügung. Er bemühe sich um „konstruktive Lösungen“, versichert der NÖFV-Boss.

„Ich spiele nicht ohne Zuschauer. Was hätte das für einen Verein für einen Sinn.“Erich Mühlbacher, Sportlicher Leiter SV Scheibbs

Für Hauptgruppe-West-Obmann und SVg Purgstall Oberhaupt sind die möglichen Auswirkungen bei einer Schaltung der Ampel auf Orange im Bezirk Scheibbs nicht tragbar: „Alle Vereine sind bemüht, ihre Maßnahmen optimal umzusetzen, und schaffen das auch. Mir kommt es so vor, als gäbe es derzeit einen Wettbewerb unter den Landesregierungen, wer die schärfsten Maßnahmen erlässt. Da wird etwas in den Raum gestellt, dass mit keinem abgestimmt worden ist. Das ist alles andere als professionelle Arbeit.“

Auch Wieselburg-Trainer Rudolf Vogel bläst in das gleiche Horn: „Ich halte von dieser Entscheidung überhaupt nichts. Die Vereine haben in den vergangenen Wochen bewiesen, dass sie die Corona-Konzepte und Maßnahmen gut umsetzen können.“

Für Erich Mühlbacher, Sportlicher Leiter des SV Scheibbs, kommt ein Spielen ohne Zuschauer nicht in Frage. „Wir hätten dann nur Ausgaben und keine Einnahmen. Mir scheint, als will man mit Gewalt etwas durchboxen, nur um eine Halbsaison über die Bühne zu bringen. Dafür bin ich nicht zu haben.“

Zuletzt hätte auch das Derby zwischen Scheibbs und Gresten stattfinden sollen. Da machte aber das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Doch auch Gresten-Trainer Karl Loibl steht in diesem Fall auf der Seite von Mühlbacher: „Auf der einen Seite ist es notwendig, dass Maßnahmen ergriffen werden, um die Infektionszahlen nach unten zu drücken. Auf der anderen Seite leben die Vereine von den Eintritten der Zuschauer. Ich bin gespannt, ob es seitens der Landesregierung Ankündigungen gibt, um das finanzielle Chaos zu verhindern.“

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