Arbeitsmarkt steht und fällt mit den Großen

Die Coronakrise hat die Arbeitslosenzahlen in die Höhe geschraubt. Endgültige Erholung wird dauern.

Christian Eplinger
Christian Eplinger Erstellt am 26. August 2020 | 04:31
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AMS Symbolbild
Foto: APA/Herbert Neubauer

Prozentuell sind die Zuwächse der Arbeitslosenzahlen nirgends in Niederösterreich so hoch wie im Mostviertel. Und dennoch: Mit einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent im ersten Halbjahr 2020 liegt das Mostviertel deutlich unter dem NÖ-Wert von 9,2 Prozent.

„Von dem enormen Anstieg der Arbeitslosen im ersten Halbjahr darf man sich nicht blenden lassen. Natürlich ist er dramatisch, aber wir haben bei uns in der Region immer noch Top-Werte“, sagt Sepp Musil, Bezirksstellenleiter des Arbeitsmarktservice Scheibbs (AMS). Der Scheibbser Bezirk hatte relativ gesehen im ersten Halbjahr 2020 überhaupt den größten Anstieg beim Bestand der Arbeitslosen in ganz Niederösterreich (+ 66,7 Prozent), liegt mit seiner Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent aber immer noch an dritter Stelle. Eine bessere Situation am Arbeitsmarkt gibt es nur in Waidhofen/Ybbs (5,4 Prozent) und Horn (6,3 Prozent). Insgesamt waren im ersten Halbjahr 1.138 Personen beim AMS Scheibbs als arbeitslos gemeldet (+455).

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Quelle: AMS; NÖN-Grafik: Gastegger Illustration: Golden Sikorka /Shutterstock.com

Demgegenüber standen 16.675 Beschäftigte – um 450 weniger als im ersten Halbjahr 2019. „Mittlerweile liegt die Arbeitslosenquote bei uns schon wieder bei vier Prozent. Ende Juli hatten wir 787 Arbeitslose. Tendenz weiter fallend. Dagegen steigt unsere Vermittlungsquote – das ist die positive Schlagzeile des ersten Halbjahres“, erklärt Sepp Musil. Dennoch blickt er mit Sorgenfalten in die Zukunft. „Derzeit herrscht große Ungewissheit, wie sich Corona weiter auswirken wird. Ich bin überzeugt, dass wir die Folgen der Coronakrise sicher noch ein bis zwei Jahre spüren werden. Dabei steht und fällt bei uns im Bezirk alles mit den großen Betrieben. Und wie sich die Industrie in den einzelnen Branchen weltweit jetzt weiterentwickelt, kann derzeit keiner realistisch sagen“, fürchtet Musil.

Vorsichtig: Teilbereiche noch in Kurzarbeit

Beim größten Arbeitgeber des Bezirks, ZKW in Wieselburg, läuft bis 22. September noch in wenigen Bereichen das Kurzarbeitszeitmodell. In die Phase drei der Kurzarbeit wird ZKW voraussichtlich nicht einsteigen. „Die Produktion läuft im Wesentlichen bereits wieder im Normalbetrieb. Auch vom Leasingpersonal, das wir in den Lockdown-Monaten April und Mai reduziert hatten, sind mittlerweile viele wieder an Bord. Aktuell beschäftigen wir bereits wieder rund 3.000 Mitarbeiter am Standort Wieselburg“, erklärt ZKW Group Senior Manager Andreas Wimmer.

Bei Welser Profile in Gresten und auch Worthington Industries in Kienberg läuft die Kurzarbeitsphase zwei noch bis Ende September, wobei nur Teile der Belegschaft in Kurzarbeit sind. Ob man die dritte Phase der Kurzarbeit auch wieder in Anspruch nehmen wird, steht in beiden Betrieben noch nicht fest. Das hängt von der Marktsituation und den definitiven Rahmenbedingungen der Regierung ab. „Wir verzeichnen einen merklichen Rückgang der Aufträge, wenngleich der Auftragsstand selbst immer noch auf gutem Niveau ist“, gibt sich Thomas Welser vorsichtig.

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