Auslaufmodell Schulskikurs? Eislaufen statt Skifahren. Alternativprogramme bei Wintersportwoche werden immer beliebter.

Von Claudia Christ. Erstellt am 14. Januar 2020 (04:45)
Spass am Skifahren bei besten Bedingungen hatten am vergangenen Freitag auch die Schüler der zweiten Klasse mit ihren Begleitlehrern des Sacré Coeur in Pressbaum.
Christ

„Skifahrn ist das Leiwandste“ – diese Songzeile von Wolfgang Ambros spricht wahren Skifans aus der Seele. Schon im Kleinkindalter auf den Skiern und später im Schulskikurs erlernten die Eltern von heute die Wintersportart Nummer eins in Österreich. Heute fahren die Schüler zur Wintersportwoche. Hat denn der Schulskikurs schon ausgedient?

Eine, die es wissen sollte, ist die Pädagogin Susanne Koppatz. Sie organisiert alljährlich die Wintersportwoche in der Neuen Mittelschule in Wieselburg. Seit vergangenen Sonntag verbringen 43 der 45 Schüler der zweiten Klassen fünf Tage in Wagrain. „Davon sind aber nur 16 Schüler für das Skifahren angemeldet. Für die anderen steht alternativ Rodeln, Eislaufen und Langlaufen am Programm“, sagt die Pädagogin.

Seit mittlerweile 30 Jahren bietet die Wieselburger Schule das Alternativprogramm, das immer mehr Zuspruch erfährt, an. „Das liegt sicherlich aber speziell an unserer Schule, da wir sehr viele Schüler mit Migrationshintergrund haben, für die der Skisport eher fremd ist“, betont Koppatz. Auch kostenmäßig ist die Wintersportwoche für jene, die das Alternativprogramm mit 325 Euro wählen günstiger, als für die Skisportler mit 380 Euro. Finanzielle Hilfe, wie zum Beispiel heuer für ein afghanisches Geschwisterpaar, kommt vom Elternverein der Schule.

„Den klassischen Schulskikurs gibt es nicht mehr. Das Interesse an der Wintersportwoche ist aber nach wie vor groß.“SMS-Direktor Ingolf Völker

„Aber in Einzelfällen können wir auch auf den Lions Club oder die Caritas zählen“, freut sich Koppaz über die Unterstützung. Einige Schüler borgen sich die Ausrüstung vor Ort aus. Unumstritten ist für die Lehrerin aber der soziale Effekt, den eine solche gemeinsame Woche mit sich bringt. Die Klassengemeinschaft und das soziale Miteinander werden dadurch enorm gestärkt. „Zudem bemerke ich immer wieder, dass die Eltern ihre Kinder zu sehr behüten wollen und ihnen zu wenig zutrauen“. Diese Woche sei eine gute Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen.

„Den klassischen Schulskikurs gibt es nicht mehr“, sagt Direktor Ingolf Völker von der Sportmittelschule Scheibbs. Daher gibt es neben der Ski- und Snowboardgruppe auch bei der Wintersportwoche der SMS ein „Alternativprogramm“ für Kinder, die andere Wintersportarten wie Rodeln, Eislaufen und Langlaufen ausprobieren wollen. Das Interesse an der Wintersportwoche, berichtet Völker, sei jedoch nach wie vor sehr groß:

Spaß im Schnee: Durch Schulskikurse kommen viele Kinder erstmals auf die Bretter, die die (Ski-)Welt bedeuten.
Fahrnberger

„Hundert Prozent der Schüler fahren mit. Auch den Eltern ist es sehr wichtig, dass ihre Kinder die Gelegenheit wahrnehmen.“ Um auch Kindern aus finanziell schwächeren Familien die Teilnahme zu ermöglichen, wird von Sponsoren oder dem Elternverein Geld beigesteuert.
Beliebt ist die Wintersportwoche auch bei den fünften Klassen des BORG Scheibbs, die jedes Jahr vor Weihnachten den Schnee in Wagrain genießen dürfen. „Die Schüler fahren mit großer Begeisterung mit“, sagt Direktor Andreas Schmid.

„Dank des Alternativ-Angebots sind die Wintersportwochen sogar noch beliebter als die klassischen Schulskikurse von früher.“ Zwanzig von achtzig Schülern haben im Dezember das Alternativangebot wahrgenommen. Von einem Rückgang der Schulskikurse ist in der Jugendherberge am Hochkar nichts zu merken. Bis April sind die Wochentage mit Schulgruppen ausgebucht.

„Im Vergleich zu den letzen Jahren könnten wir sogar eine Steigerung der gebuchten Klassen bemerken“, heißt es aus der JUFA-Buchungszentrale. Dass die Schulskikurse für die Region eine wichtige Bedeutung haben ist auch für den Hochkar-Bergbahnen-Geschäftsführer Rainer Rohregger unbestritten: „Wir stellen zudem fest, dass wir die Talsole beim Rückgang an Skifahrern schon überschritten haben. Seit einigen Jahren geht es wieder bergauf. Da kommt uns natürlich der Gesundheitstrend wieder entgegen.“ Vor allem sei aber wichtig, dass auch schon die Kleinsten das Skifahren richtig erlernen. Denn nur dann werden sie in späteren Jahren die Pisten am Hochkar und Ötscher hinunterwedeln können.

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