Betrugsprozess: Die verschwundenen zwei Millionen Euro. Vermögensberater brachte Häuslbauer um viel Geld. Erster Prozesstag endet mit einem Geständnis.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 08. Februar 2021 (17:57)
APA (Symbolbild)

Wo ist das Geld? Es ist die am öftesten gestellte Frage am ersten Verhandlungstag eines großen Strafprozesses am Landesgericht St. Pölten. Das Geld ist futsch, so viel ist am Ende klar. Bis der Angeklagte sich das eingesteht, dauert es allerdings den ganzen Vormittag.
Wie von der NÖN berichtet, soll der ehemalige Finanz- und Vermögensberater von 2017 bis 2020 die Bauvorhaben von über 20 Häuslbauern koordiniert haben. Er besorgte ihnen günstige Kredite und ließ sich die Kreditsummen nach Baufortschritt auf sein Firmenkonto überweisen. Dabei soll er Rechnungen gefälscht, sie nur teilweise oder gar nicht bezahlt haben. Das Geld der Kunden habe der Angeklagte teilweise verwendet um die Rechnungen anderer Kunden zu zahlen. Er gab das Geld für Firmenkosten aus und für private Operationen, alles ohne das Wissen der Kunden. Am Ende bleibt ein Schaden von rund zwei Millionen Euro.

Leere Konten und Konkurs

Das Geld sei noch da, er wolle es zurückgeben, beteuert der 57-Jährige aus Scheibbs, der jetzt wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges und Veruntreuung vor Gericht steht. Allein seine Konten sind leer. Dass er doch in Konkurs ist und das Geld nicht wird aufbringen können, will er trotz mehrmaligem Einwand des Richters nicht einsehen.
Nach zwei Stunden bittet der Verteidiger dann um eine kurze Pause, die er damit verbringt, beschwichtigend auf seinen Mandanten einzureden.

Als die Verhandlung weitergeht, wirkt der Angeklagte wie ausgewechselt: sichtlich in sich zusammengesunken, mit hängenden Schultern und verzweifeltem Blick. „Ich möchte ein Geständnis ablegen“, sagt er leise. „Sie haben Recht, ich kann das Geld nicht zurückholen. Es tut mir so leid.“ Ihm bricht die Stimme weg und ihm kommen die Tränen. „Wenn man bedenkt wie viele Schicksale da dran hängen.“

Überforderung statt Bereicherung

Bei seinem Schritt in die Selbstständigkeit habe er sich viel zu viel zugemutet und ihm sei alles über den Kopf gewachsen, sagt sein Verteidiger. Der Richter glaubt dem Angeklagten, dass er sich nicht bereichern wollte und nicht in böser Absicht handelte. Er habe den Eindruck, der Angeklagte habe sich übernommen und sich dann verzweifelt an jeden Strohhalm geklammert, um das Geld zurückzuholen. Ob das stimmt, fragt der Richter nach. Der Angeklagte nickt. Ein Strohhalm sei der Versuch gewesen, das Geld durch Casinobesuche wieder hereinzuholen. Zwei bis dreimal die Woche verspielte er Firmengeld, laut Anklage rund 650.000 Euro. Nein, höchstens 100.000 Euro, sagt der Angeklagte.

Er bekennt sich schuldig, die Schadenssummen in einzelnen Fällen zweifelt er jedoch an. In den noch anstehenden Verhandlungstagen müssen mehr als 30 Zeugen einvernommen werden. Viele haben noch immer kein Haus, andere mussten zusätzliche Kredite aufnehmen. Dem Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.