Borkenkäferplage: „Jetzt sehr rasch handeln". Trockenheit und die zuvor schon große Population von Buchdrucker und Kupferstecher sorgen derzeit für eine akute Gefahr der Massenvermehrung.

Von Claudia Christ. Erstellt am 30. Juli 2019 (04:45)
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Der Borkenkäferbefall ist auch in vielen Wäldern im Bezirk deutlich sichtbar. Durch die Trockenheit der vergangenen Monate droht derzeit eine Massenvermehrung des Schädlings.
Hagen/Shutterstock D. und K. Kucharski

Für die Waldbauern im Bezirk ist von Sommerpause nichts zu spüren. Sie sind derzeit mit dem Schlägern und Aufarbeiten von Bäumen beschäftigt, die vom Borkenkäfer befallen sind.

„Aufgrund hoher Populationsdichten von Buchdrucker und Kupferstecher in NÖ, sehr hoher Temperaturen und gravierender Niederschlagsdefizite im Jahr 2019 kommt es trotz der nasskalten Witterung im Mai zu sehr starkem Auftreten von Borkenkäfern mit der akuten Gefahr einer Massenvermehrung“, weißt auch die Bezirkshauptmannschaft darauf hin, umgehend zu handeln.

„Das Schadholz muss umgehend aus den Wäldern gebracht werden, sonst steuern wir auf eine Katastrophe zu.“Gernot Kuran

Die Entwicklung der ersten Generation ist, bis auf Hochlagen, abgeschlossen. Die Käfer der zweiten Generation befinden sich teilweise schon im Puppenstadium. „Die derzeitigen Witterungsverhältnisse bieten optimale Bedingungen für die rasche Entwicklung der Käferbrut. Höchste Aufmerksamkeit seitens der Waldbesitzer und Forstleute ist dringend erforderlich“, erklärt Gernot Kuran, Oberforstrat und Bezirksforsttechniker der BH Scheibbs.

Es herrscht also höchste Alarmbereitschaft im Bezirk: „Der Käfer hat sich seit dem Frühjahr vom Norden her mittlerweile auf den ganzen Bezirk ausgebreitet. Jetzt muss rasch gehandelt werden und das Schadholz aus dem Wald gebracht werden, denn sonst steuern wir auf eine Katastrophe zu“, sagt Kuran. Um den Ernst der Lage bewusster zu machen nennt er folgendes Beispiel: „Früher gingen uns pro Woche 175.000 Kupferstecher in eine der Fallen, die im Gebiet Ybbstal-Dürrenstein aufgestellt sind. Aktuell sind es 216.000 pro Woche und Falle.“

In den vergangenen Jahren wurden ständig neue Temperaturrekorde und Minima bei den Niederschlägen in verschiedenen Regionen des Landes registriert. Auch dieses Jahr scheint sich dieser Reihe anzuschließen. Vor allem der Juni 2019 ist mit durchschnittlich 4,6 °C über dem Mittel als der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen in die Statistik eingegangen. Auch der Juli ist nach anfänglich kühleren Temperaturen mittlerweile bereits 0,9 °C über dem langjährigen Mittelwert. Auf das extrem trockene Jahr 2018 folgte außerdem ein niederschlagsarmer Frühling. In manchen Landesteilen betrug das Niederschlagsdefizit Ende März 80%, welches trotz teilweise überdurchschnittlich hoher Niederschlagsmengen im Mai nicht ausgeglichen werden konnte.

Ausgangslage und Ursachen der Plage

Rekordmengen von Kalamitätsholz 2018 lassen auf extrem hohe Populationsdichten vor allem von Buchdrucker schließen, aber auch beim Kupferstecher zeigen die Fangzahlen des Borkenkäfermonitorings eine extrem hohe Populationsdichte. Durch den kühlen Mai wurde die Entwicklungsdauer der ersten Generation zwar etwas verlängert, jedoch konnte keine negative Beeinträchtigung der Brut beobachtet werden. Es ist sogar eine sehr schnelle Entwicklung der zweiten Generation aufgrund momentan sehr hoher Temperaturen zu befürchten.

Schnee- und Windbruchholz stellt zusätzlich ideales Brutmaterial dar und somit ist großes Vermehrungspotenzial für Borkenkäferarten gegeben. So ist bereits im Alpenvorland zu erkennen, dass die Entwicklung von Borkenkäferarten bei Fichte rasch und massiv voranschreitet.

Insbesondere in Gebieten, die in den letzten Jahren verstärkt von Trockenheit betroffen waren, ist die Abwehrkraft vieler Bäume stark herabgesetzt. So wurden hier bereits von Buchdrucker und Kupferstecher abgetötete Weißkiefern, Douglasien und Weißtannen vorgefunden.

Die wichtigsten Borkenkäfer bei der Fichte sind der Buchdrucker sowie der Kupferstecher. Diese nur wenige Millimeter großen Insekten bohren sich durch die Rinde von Bäumen und zerstören dort durch den Fraß der Larven (Brutbild) und erwachsenen Käfer das für den Baum lebensnotwendige Bastgewebe. In den meisten Fällen sterben Bäume, die von Borkenkäfern erfolgreich besiedelt wurden, innerhalb kurzer Zeit ab (Käferbäume). Nicht rechtzeitig beseitigte Käferbäume bzw. vorhandenes Brutmaterial (Wipfel-, Astmaterial, insbesondere in Schadensgebieten von Wind- oder Schneebruch) stellen optimales Vermehrungspotenzial für die vorhandenen Borkenkäfer dar und können zu einer explosionsartigen Vermehrung führen.

Aufgrund der akuten Situation ist in den betroffenen Gebieten für das laufende Jahr höchste Aufmerksamkeit unabdingbar und die erforderlichen Maßnahmen sind rasch und konsequent zu setzen. „Dies ist nicht nur im Interesse der Waldbewirtschaftenden, sondern es besteht auch eine forstgesetzliche Verpflichtung und eine Verantwortung gegenüber den Waldnachbarn“, heißt es von der Bezirkshauptmannschaft.