Corona-Zahlen auf sehr hohem Niveau. Der Bezirk Scheibbs bleibt die zweite Woche an der Spitze der Sieben-Tages-Inzidenz in NÖ: 840 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 17. November 2020 (06:44)
Weiterhin angespannt ist die Situation in der Bezirkshauptmannschaft Scheibbs. Diese ist trotz Lockdown für wichtige Fälle geöffnet –aber nur nach Anmeldung. Auch viele Gemeindeämter im Bezirk haben auf Notbetrieb umgestellt.
Eplinger

50 Fälle pro 100.000 Einwohner sei der Zielwert der Sieben-Tages-Inzidenz. Österreich lag mit 527,4 Fällen am Tag vor dem Lockdown fast zehn Mal über diesem Wert. In Niederösterreich verzeichnete man 386,6 Fälle. Im Bezirk Scheibbs war dieser Wert am Montag mehr als doppelt so hoch. Mit 840,3 Fällen pro 100.000 Einwohner liegt das Ötscherland seit mittlerweile einer Woche hindurch unangefochten an der Spitze der Sieben-Tages-Inzidenz. Zum Vergleich: Der Bezirk Amstetten zählt als zweiter Bezirk in diesem Negativ-Ranking 712,3 Fälle. Den besten Wert weist der Bezirk Gänserndorf mit 193,7 Fällen auf.

In absoluten Zahlen heißt das 348 Neuinfizierte in den vergangenen sieben Tagen. Am Montagabend waren es exakt 514 Infizierte im Bezirk – um 133 Personen mehr als die Woche zuvor. Dazu kamen 1.522 Quarantäne-Bescheide (1.100 am 9. November). Vier der 18 Bezirksgemeinden zählten am Montagabend um die 50 Infizierte, die Marktgemeinde Purgstall laut eigenen Angaben gar 67. Damit war man der negative Spitzenreiter am Montag im Bezirk.

„Wenn wir es nicht schaffen, die Zahlen zu senken, dann drohen uns im Bezirk auch nach dem 6. Dezember vielleicht härtere Maßnahmen als anderswo im Bundesgebiet.“ Bezirkshauptmann Johann Seper

Diese hohen Zahlen bereiten auch Bezirkshauptmann Johann Seper Kopfzerbrechen. Denn „es muss uns allen bewusst sein, dass, wenn wir diese Zahlen nicht in den Griff bekommen und deutlich nach unten reduzieren, wir auch nach dem 6. Dezember strengere Maßnahmen im Bezirk haben werden als vielleicht in anderen Teilen des Bundesgebietes“, weiß Seper. Eine Alternative zum harten Lockdown hätte es aus Sicht des Scheibbser Bezirks daher gar nicht gegeben. Er habe daher auch an die Bürgermeister des Bezirks in einer Videokonferenz appelliert, als Multiplikatoren auf die Bevölkerung einzuwirken. „Wir können das nur gemeinsam schaffen“, appelliert Seper einmal mehr an die Eigenverantwortung.

Seper verteidigt auch den Schul-Lockdown. „Es gab in der Vorwoche fast täglich vier bis fünf Schulklassen im Bezirk, die wir in Quarantäne schicken mussten. Es war zwar keine ganze Schule geschlossen, aber im Prinzip war das nur mehr eine Frage der Zeit“, weiß Seper. Dabei sei das Problem gewesen, dass die Klassen-Quarantäne oft von heute auf morgen entschieden werden hat müssen. Jetzt hätte man den Vorteil, dass der Schul-Lockdown planbar ist. „Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass es für die Familien und hier vor allem für berufstätige Mütter sehr herausfordernde Wochen werden“, erklärt Johann Seper.

Sehr zufrieden zeigt sich der Bezirkshauptmann mit dem Contact Tracing – auch wenn die Standardantwort immer öfter heißt: „Ich weiß nicht, wo ich mich infiziert habe.“ Dennoch sei man im Bezirk mit den Bescheiden und Kontaktaufnahmen praktisch tagesaktuell am Stand – trotz der sehr großen Zahl an Fällen.