Coronazahlen: Tendenz steigend. Im Bezirk Scheibbs kamen in den vergangenen sieben Tagen 15 Fälle hinzu. Einen echten Cluster gibt es aber nach wie vor nicht.

Von Christian Eplinger. Update am 22. September 2020 (10:37)
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Der Bezirk Scheibbs verzeichnet aktuell höhere Corona-Infektionszahlen als zu Pandemie-Hochzeiten Ende März. Zu Redaktionsschluss am Montagabend hielt man bei 17 Infizierten. Eine Woche zuvor waren es nur zwei. Auch die Zahl der Quarantäne-Bescheide ist aktuell stark im Steigen. „Wir haben zur Stunde 121 aufrechte Quarantäne-Bescheide im Bezirk Scheibbs. Unsere Mitarbeiter sind wieder extrem gefordert, da es ein intensives Contact Tracing infolge von Kontakten zu positiven Fällen aus dem eigenen Bezirk, aber auch aus anderen Bezirken und Bundesländern aufzuarbeiten gibt. Deshalb stocken wir unsere Teams gerade wieder auf, weil die Zahlen auch in den nächsten Tagen weiter steigen werden“, erklärt Bezirkshauptmann Johann Seper gegenüber der NÖN.

Eine Clusterbildung sei allerdings nach wie vor im Bezirk nicht festzustellen. „Wir haben zwar in manchen Orten zwei oder drei Fälle, aber das ist meist im Familienverbund – und kein typischer Cluster“, weiß Seper.

Am Montagabend waren im Bezirk auch noch 63 Testergebnisse ausständig. Mittlerweile mehren sich die Beschwerden und Unmutsäußerungen in der Bevölkerung, warum das mit den Testungen und vor allem das Warten auf die Ergebnisse oft so lange dauert. „Ich hatte nach vier Tagen noch immer kein Ergebnis. Das zehrt an den Nerven“, erzählt ein Mann, den die Behörde als Kontakt-I-Person (Kontaktperson mit hohem Infektionsrisiko) eingestuft hat, der aber nicht namentlich in der NÖN erwähnt werden will.

Auch bei Covid Fighters steigen die Testungen

„Wir können diese Verfahren und Testungen weder beschleunigen noch beeinflussen. Wir als Gesundheitsbehörde veranlassen die erforderlichen Covid-Testungen über den Notruf 144. Die Testungen selbst werden dann zentral organisiert und ausgewertet“, weiß Bezirkshauptmann Seper.

Einen extremen Anstieg bei der Zahl der Testungen verzeichnet auch die in Scheibbs beim Landesklinikum stationierte Teststation der Covid Fighters. „Wir haben mittlerweile einen vierten Test-Slot pro Tag geöffnet, um den Andrang abarbeiten zu können. Es sind aktuell vor allem viele Privatpersonen, die sich bei uns testen lassen, weil sie möglicherweise in Kontakt mit positiv getesteten Personen oder mit Personen, die in Quarantäne sind, waren oder sogar Symptome verspüren, die sie nicht genau zuordnen können. Die Menschen wollen einfach eine gewisse Sicherheit haben, wenn sie ihre Eltern oder Großeltern besuchen oder berufliche Termine haben, wo mehr Menschen zusammenkommen“, weiß der aus Göstling stammende Boris Fahrnberger, Geschäftsführer der artichoke Computing GmbH, die die Covid Fighters Stationen betreiben.

Mittlerweile gibt es ja neben der Station in Scheibbs auch schon zwei weitere Stationen in Podersdorf (Burgenland) und Brunn am Gebirge. Fahrnberger würde sich wünschen, dass die Gesundheitsbehörden auch näher auf die im Zuge der Tests durchgeführten Befundungen eingehen. „Unsere Tests bringen ja nicht nur ein positives oder negatives Ergebnis, sondern die Befundung des CT-Werts lässt gerade bei positiv getesteten Personen zu, diese zu differenzieren. Je nach CT-Wert kann man das Risiko eingrenzen, ob diese Person schon jemanden infiziert hat. Das könnte auch die Aufgabe der Behörden erleichtern“, erklärt Fahrnberger und hofft, dass hier bald Bewegung in die Sache kommt.

Übrigens: Auch VP-Landtagsabgeordneter Anton Erber hatte in der Vorwoche von Montag bis Sonntag einen Verkehrsbeschränkungs-Bescheid. Er war zuvor in einer Sitzung mit VP-Landtagsabgeordnetem Karl Moser, der positiv getestet worden war. „Ich habe mich daraufhin gleich testen lassen. Das Ergebnis war negativ. Trotzdem habe ich mich natürlich die ganze Woche an die Verkehrsbeschränkung gehalten“, erklärt Erber gegenüber der NÖN.