Der leise Tod der Bienen. Tiefgehängte Spritzdüsen sollen Vergiftung der Bienen durch Pestizide verringern.

Von Karin Katona. Erstellt am 30. Mai 2018 (05:00)
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FPÖ-Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel fordert den verstärkten Einsatz von Droplegs.
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Mit der Forderung nach einer konkreten Maßnahme zur Verminderung des Bienensterbens ließ FPÖ-Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel vergangene Woche aufhorchen. „Mit einer neuen, innovativen Spritzmethode, den Drop legs, lassen sich Bienenleben retten. Wir Freiheitlichen fordern daher, dass diese Methode rasch flächendeckend eingeführt und verstärkt gefördert wird“, verlangt Teufel. „Unsere Landwirte sollen mehr auf diese Spritztechnik setzen, damit eine nachhaltige Zukunft für die Bienen und somit auch für uns Menschen gesichert ist.“

Droplegs („Hängebeine“), das sind tiefer gehängte Spritzdüsen für das Ausbringen von Spritzmitteln, haben tatsächlich einige Vorteile: Die tiefer gehängten Düsen sorgen dafür, dass die Wirkstoffkonzentration der Pestizide in den Blüten wesentlich geringer ist als bei herkömmlichen Methoden. Geringer ist auch der Abdrift des Spritzmittels und damit auch der Verbrauch.

„Beim Pflanzenschutz sollten der Respekt vor und die Beobachtung der Natur im Vordergrund stehen.“Bio-Imker Harald Fuchssteiner, Oberndorf

Eisenstraße-Imker Hermann Höhlmüller aus Purgstall appelliert, den Bienenflug zu beachten.
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Eine Patentlösung zur Verhinderung des Bienen- und Insektensterbens durch Pestizide sind die Droplegs jedoch nicht, wie auch Hermann Höhlmüller, Sprecher der ARGE Eisenstraße-Imker, bestätigt: „Bienenfreundliche Pestizide, die Bienen und Insekten nicht betreffen, gibt es nicht. Der wichtigste und beste Bienenschutz ist die Einhaltung der bereits bestehenden Bienenschutz-Vorschriften.“ Dazu gehöre vor allem die Rücksichtnahme auf die Zeiten des stärksten Bienenflugs. Doch: „Es wird vielfach überbetrieblich gespritzt und die Maschinen dieser Unternehmen fahren den ganzen Tag über. Der einzelne Landwirt kann gar nicht genau beeinflussen, wann bei ihm gespritzt wird.“

Der Scheibbser Bezirksbauernkammerobmann Anton Krenn weiß um das Problem, beruhigt aber: „Die Mitarbeiter dieser Unternehmen sind über die Vorschriften informiert und müssen sich daran halten.“ Ansonsten seien im österreichischen Umweltprogramm zahlreiche Maßnahmen zum Bienenschutz vorgesehen: „Es gibt Schnittzeitauflagen, es müssen Biodiversitätsflächen angelegt werden. Ein harmonisches Miteinander von Landwirtschaft und Bienenzucht steht an oberster Stelle.“

Bis zu 30 % Verlust, wenn Flugbienen sterben

Bezirksbauernkammerobmann Anton Krenn: „Halten Bestimmungen ein.“
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Den Wunsch nach einem solchen harmonischen Miteinander betont auch Bio-Imker Harald Fuchssteiner aus Oberndorf. Auch er hat, wie viele Imker, in der Vergangenheit bei seinen Bienenvölkern Spritzschäden erlebt. „Es ist nicht immer gleich zu erkennen. Man merkt nur, dass ein Volk schwächer wird. Wenn aber alle Flugbienen sterben, ist das ein Verlust von 30 Prozent des Ertrags.“ Als Bio-Imker stellt er seine Stöcke jenseits großer Ackerbauflächen auf. Ob der Einsatz der Droplegs-Spritzdüsen förderungswürdig sei, könne er aus Mangel an Erfahrungswerten nicht sagen, doch: „Beim Pflanzenschutz sollten der Respekt vor und die Beobachtung der Natur im Vordergrund stehen. Und die Frage nach der Schadschwelle: Wie viel oder wenig muss ich spritzen, damit es nicht mehr kostet als nützt?“