Die Pflege wirbt um Personal. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk Scheibbs.

Von Karin Katona. Erstellt am 09. Juli 2019 (04:45)
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Symbolbild

Mit dem stetig größer werdenden Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft steigt der Pflegebedarf, die Altenbetreuung und Pflege sind ein Wachstumsmarkt. „Die Menschen werden älter und bleiben länger gesund, brauchen aber oft Unterstützung im Alltag. Gleichzeitig gibt es durch kleinere Haushalte innerhalb der Familien weniger Pflegepotenzial“, erklärt Elisabeth Schreiner vom Hilfswerk NÖ.

„Die Nachfrage nach Dienstleistungen in der Betreuung und Pflege zu Hause wird immer höher. In der Region Mostviertel Ost – sie umfasst Teile der Bezirke Scheibbs und Melk – hatte die Caritas Diözese St. Pölten im letzten Jahr eine Steigerung der Einsatzstunden von knapp sechs Prozent zu bewältigen“, weiß Gertraud Ehrgott von der Regional- und Pflegeleitung Mostviertel Ost. Selbst durch die Abschaffung des Pflegeregresses sei kein Rückgang zu verzeichnen.

„Die Zahlen vom ersten Halbjahr 2019 zeigen einen weiter steigenden Bedarf und bestätigen den Trend, dass die Menschen in unserem Bezirk bei Krankheit oder altersbedingtem Pflegebedarf gerne in ihrer vertrauten Umgebung betreut und gepflegt werden wollen“, sagt Ehrgott. „Zu bewältigen ist diese gewaltige Herausforderung nur durch den Einsatz und die Flexibilität unserer aktuell rund 200 Mitarbeiter.“

„Wir wollen das Image der Pflege heben und zeigen, dass das ein Beruf mit Sinn und Perspektiven für die Zukunft ist.“Michaela Hinterholzer, Präsidentin Hilfswerk NÖ

Die Caritas ist, wie auch alle anderen mobilen Hilfsdienste, ständig auf der Suche nach gut ausgebildetem Pflegepersonal. Mit der Etablierung eines eigenen Heimhilfelehrgangs, den die Caritas in Kooperation mit dem BFI Amstetten anbietet, konnte man bis dato in zwei Lehrgängen in Summe 34 Heimhelferinnen ausbilden.

Michaela Hinterholzer, Präsidentin des Hilfswerks NÖ, warnt vor einem drohenden Mitarbeiter-Engpass in der Pflege: „2050 werden wir 3,5 mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt. Uns ist es wichtig, das Image der Pflege zu heben und zu zeigen, dass Pflege ein Beruf mit Sinn und Zukunft ist. Wir legen besonderes Augenmerk darauf, Um- und Wiedereinsteiger für den Beruf zu gewinnen. Dafür braucht es Ausbildungs- und Umschulungsmodelle.“

Bei der Suche nach Verstärkung für seine Pflege- und Betreuungsteams setzt das Hilfswerk bei den bestehenden Arbeitnehmerinnen an. „Nur mit zufriedenen Mitarbeiterinnen ist es möglich, der steigenden Nachfrage im Bereich der Pflege gerecht zu werden“, weiß Hinterholzer. Geschäftsführer Gregor Tomschizek von der NÖ Volkshilfe bestätigt: „Die Volkshilfe hat es sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für Bewerber und Mitarbeiter so zu gestalten, dass sie die Volkshilfe als attraktive Arbeitgeberin wahrnehmen und wertschätzen.“

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Damit Pflege und Betreuung leistbar bleiben können, seien Anbieter wie das Hilfswerk im engen und regelmäßigen Austausch mit der NÖ Landesregierung. „So können wir gemeinsam auf Veränderungen reagieren und Angebote weiterentwickeln“, hebt Volkshilfe-Geschäftsführer Tomschizek hervor. „Das Land Niederösterreich ermöglicht einkommensabhängige Förderungen für Menschen, die mobile Betreuung in Anspruch nehmen wollen. Jeder soll sich Betreuung zu Hause leisten können. Die Valorisierung des Pflegegeldes führt zu einer weiteren Verbesserung.“

Eine weitere Lösung, dem gesellschaftlichen Wandel und dem wachsenden Pflegebedarf zu begegnen, sieht der Volkshilfe-Geschäftsführer in der Förderung des betreuten und betreubaren Wohnens. „Die Menschen können so in kleinräumigen Einrichtungen in ihrem Umfeld bleiben und müssen nicht in ein großräumiges Pflegeheim weiter weg ziehen“, gibt Tomschizek zu bedenken. „Das kommt sowohl den Wünschen älterer Menschen wie auch ihrer Angehörigen entgegen.“

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