Digital statt Papier: Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer, Anna Faltner und Claudia Christ. Erstellt am 04. Februar 2020 (04:34)
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Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“

Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Sparbuch-Sparen in traditioneller Form

Dass das gute, alte Sparbuch aber noch nicht ausgedient hat, beweisen die Mitglieder des Sparvereins „Goldener Löwe“ in Purgstall. Seit 40 Jahren kommen sie jeden Sonntagvormittag im Gasthaus Hörhan zusammen, um sich einen finanziellen Polster anzulegen. „Dennoch wird das Sparen im Sparverein immer schwieriger. Schuld daran sind die Auflagen der Banken“, weiß Obfrau Annemarie Unterhumer.

Das Gründungsmitglied musste in den vergangenen Jahren zahlreiche Veränderungen feststellen: „Früher haben die Omas fleißig für ihre Enkelkinder eingelegt. Das geht heute nicht mehr. Denn jeder Sparer muss über 18 Jahre alt sein.“ Außerdem könne jährlich nur ein maximaler Betrag von 1.500 Euro pro Person eingezahlt werden.

„So ist es ja nicht verwunderlich, dass die Mitglieder und auch die Sparvereine immer weniger werden“, bedauert die Obfrau. Derzeit zählt der Verein 125 Mitglieder, in den besten Zeiten hingegen waren es bis an 180 „Goldener Löwe“-Mitglieder. Und dabei geht es beim wöchentlichen Treffen am Stammtisch nicht nur um das Geld. „Bei den Treffen steht vor allem das Gesellschaftliche im Vordergrund. Man trifft sich, trinkt etwas und redet miteinander. Schade, dass es das möglicherweise bald nicht mehr geben wird“, sagt sie.

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