Distance Learning: Die Luft ist draußen. Ab 17. Mai soll in allen Schulen im Bezirk Scheibbs wieder Vollbetrieb mit Präsenzunterricht sein.

Von Karin Katona. Erstellt am 07. Mai 2021 (04:33)
Am BG/BRG Wieselburg beginnt voraussichtlich am 17. Mai der Präsenzunterricht für alle Schüler. „Bei vielen Schülern hat mittlerweile die Motivation sehr gelitten, die Luft ist draußen“, ortet Direktorin Sigrid Fritsch. Fotos: Eplinger, Faltner, MS Lunz
Eplinger, Faltner, MS Lunz

Für Schüler, Lehrer und Eltern bedeutet die Corona-Zeit vor allem eines: ständige Veränderung, immer wieder Umstellung von Distance Learning auf Präsenzunterricht.

„Die Ansprüche in puncto Selbstdisziplin und Selbstorganisation an die Schüler sind sehr hoch. Bei vielen hat mittlerweile die Motivation sehr gelitten, die Luft ist draußen“, sagt Sigrid Fritsch, Direktorin des BG/BRG Wieselburg.

Im Moment werden am BG/BRG drei Arten von Unterricht praktiziert. Jeder Schüler kommt zweimal wöchentlich zum Präsenzunterricht in die Schule, jeweils die Hälfte einer Klasse am Montag und Dienstag, die andere am Mittwoch und Donnerstag. Die, die nicht in der Schule sind, müssen im Homeschooling Arbeitsaufträge erledigen. Am Freitag haben dann alle Distance Learning.

„Der Impfbeginn für die Bundeslehrer war viel zu spät. Wir haben erst im Juni vollen Impfschutz.“ Andreas Schmid, Direktor BORG Scheibbs

Wenn die Schulen, so wie im Moment geplant, am 17. Mai wieder in Vollbetrieb gehen sollen, wird man vieles wieder anders organisieren müssen. „Alle Schüler werden drei Mal pro Woche, am Montag, Mittwoch und Freitag, auf Corona getestet“, erklärt die Direktorin.

Die Ausgänge werden aufgeteilt, damit kein Stau entsteht. Wie der Sport- und Musikunterricht aussehen soll, werde sich erst entscheiden. Prinzipiell begrüßt Fritsch den Wiederbeginn des vollen Präsenzunterrichts: „Nur, wenn ich die Kinder vor mir habe, kann ich sagen, wie es ihnen geht. Ob die Motivation nach unten geht, ob sie etwas nicht verstanden haben, ob Versagensängste da sind – das kann ich beim Distance Learning schwer feststellen.“

Von Versagensängsten, vermutet Fritsch, sind verstärkt auch die Maturanten betroffen, die vergangene Woche ihre Jahresabschlusszeugnisse bekommen haben. „Sie waren jetzt eineinhalb Jahre daheim, haben es noch schwerer als die Maturanten im vergangenen Jahr, auch wenn die mündliche Matura nicht mehr Pflicht ist.“

Mündliche Matura im BORG: Sechs treten an

Nur sechs von 73 Maturanten treten im BORG Scheibbs zur mündlichen Matura an. „Das sind meist Schüler, die sich eine Note verbessern wollen“, erklärt Direktor Andreas Schmid. Er schaut der Wiedereinführung des Vollbetriebs skeptisch entgegen. „Unsere Schule ist so klein, dass es unmöglich sein wird, bei Vollbetrieb noch irgendwelche Abstandsregeln einzuhalten. Wir haben 300 Schüler, keine Kinder, sondern alles junge Erwachsene.“

Die wenigsten Schulen, ist der Schulleiter überzeugt, haben genug Platz, um genug Abstand anbieten zu können. Dreimal pro Woche werden auch die BORG-Schüler auf Corona getestet, die Tests werden von den Lehrern vorgenommen. Getestet wird auch jeder, der die Schule betreten will.

Besonders Kopfzerbrechen bereitet Schmid außerdem, dass der Großteil der Lehrer noch nicht geimpft ist. „Während die Pflichtschullehrer bereits geimpft sind, hat man mit der Impfung der Bundeslehrer in Niederösterreich erst Ende April begonnen. Das heißt, wir müssten bis Anfang Juni warten, bis alle vollen Impfschutz haben. Andere Bundesländer haben mit der Impfung der Bundeslehrer viel früher begonnen“, ärgert sich Schmid.

Alois Rosenberger, Direktor des Francisco Josephinum Wieselburg, wünscht sich auch für die 30 Schüler, die ein Erasmus-Auslandspraktikum machen, eine Aufnahme ins Impfprogramm. Die verkürzten Jahrgänge, die im Sommer ihre Praktika absolvieren, würde er ab 17. Mai auch in die Schule holen. Ansonsten befürwortet Rosenberger eine schulautonome Lösung: „Am 20. Mai beginnt bei uns die schriftliche Matura. Unser Wunsch wäre, noch eine Woche länger als vom Ministerium geplant im Teilbetrieb zu bleiben, das heißt erst nach Pfingsten mit dem Vollbetrieb zu starten.“

Ob die Ausnahme möglich ist, wird erst entschieden. Mit kurzfristigen Entscheidungen habe man aber keine Probleme, betont Rosenberger: „Wenn während der Ernte ein Gewitter kommt, fährt man auch nach Hause. Wenn die Sonne scheint, dann wieder hinaus.“