„Ein gutes, aber kein Spitzenjahr“ für die Landwirtschaft

Trockenheit und Kälte im Frühjahr, ein nasser Juli und Wetterkapriolen prägten das landwirtschaftliche Jahr im Bezirk Scheibbs. Anbau der Sojabohne ist im Vormarsch.

Erstellt am 03. November 2021 | 16:26
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Klimatisch liegt der Bezirk Scheibbs richtig, um gute Erträge zu erzielen. Davon konnten sich BBK-Kammersekretär Martin Auer und Bezirkskammerobmann Franz Rafetzeder bei einem Lokalaugenschein überzeugen.
Foto: Claudia Christ

Die vergangenen sonnigen Herbsttage nutzen die Landwirte, um die letzte Ernte einzufahren. Die Maisfelder wurden abgemäht.

Zeit um eine erste Bilanz zu ziehen über das Erntejahr 2021. Dafür traf sich die NÖN mit BBK-Kammersekretär Martin Auer und Bezirkskammerobmann Franz Rafetzeder dort, wo die Pflanzen den ganzen Sommer über gewachsen sind, nämlich bei einem Maisfeld in Pyhra (Wieselburg-Land). Bei der Begutachtung der Maiskolben stellten beide fest: „Es war ein gutes Jahr, aber kein Spitzenjahr“, fasst es Kammersekretär Martin Auer zusammen.

Das Jahr war geprägt von einem eher kühlen, trockenen und sonnigen Monat April. Der verregnete und kalte Mai hat die Pflanzen in ihrem Wachstum sehr zurückgehalten. Weshalb vielerorts der erste Schnitt erst Ende Mai, Anfang Juni, im Berggebiet auch erst Mitte Juni eingebracht werden konnte. „Die Qualität bei Gärfutter für den ersten Schnitt waren deshalb auch eher durchschnittlich“, betont Rafetzeder.

Sorgen bereitete den Landwirten auch der viel zu trockene Juni, „aber ab Juli hat das nasse Wetter den Landwirten voll in die Karten gespielt und so einen reichlichen Ernteertrag gesorgt“, meint Auer. Die Witterung war perfekt für Soja, Mais und Zuckerrüben. Für Getreide war sie eher durchschnittlich. „Wer den Weizen im Juli bereits geerntet hatte, der konnte eine besonders gute Qualität erzielen“, erklärt Rafetz eder. Danach haben die Wetterkapriolen mit Starkregen die Qualität etwas gemildert. Der Boden musste erst wieder richtig abtrocknen.

Zufrieden zeigen sich die Landwirte auch mit dem Ertrag im Grünland, hingegen fielen bei bei Streuobst die Erträge heuer geringer aus. Hier hat der Spätfrost während der Obstblüte einige Schäden angerichtet und dafür gesorgt, dass es weniger zu ernten gab.

Auf 2.470 Hektar wird im Bezirk Getreide angebaut. „Wir produzieren Getreide in sehr guter Qualität, Fakt ist jedoch: Getreide wird teurer“, betont Auer. Das spiegelt sich nicht nur beim Brotkauf beim Bäcker wider, sondern auch auf dem weltweiten Getreidemarkt. Gründe dafür liegen unter anderen auch in der Umorientierung der Landwirte: Der Anbau von Soja statt Getreide wird aufgrund der steigenden Nachfrage immer attraktiver. Speisesoja ist derzeit weltweit gefragt und wird bei uns in Österreich gentechnikfrei angebaut. Die Sojabohne ist nicht kompliziert im Anbau, und auch der Boden bei uns passt dafür gut. „Ziel ist es, die heimische Sojaproduktion weiter auszubauen und die Abhängigkeit von Importen weiter zu reduzieren“, betont Auer, denn grundsätzlich können wir uns selbst versorgen. Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig das in diesen Zeiten ist.

Heuer sind die Grundfutter speicher jedenfalls durchwegs gut gefüllt. „Jetzt ist zu hoffen, dass der Winter nicht zu trocken wird, das wäre für einen guten Start im Frühling wichtig“, meint Rafetzeder.