Ein Jahr Corona: Erst Ausnahmezustand, jetzt Alltag

Erste Fälle, leere Straßen, Contact Tracing, Impfen: Die NÖN blickt aufs erste „Covid-Jahr“ zurück und fasst zusammen.

Erstellt am 16. März 2021 | 17:55
Lesezeit: 4 Min
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Seit Mai des Vorjahres sind die Covid Fighters mit ihren PCR-Testungen im gesamten Land mit Containern und mobilen Teams unterwegs. In Scheibbs betreiben sie beim Landesklinikum seit Mitte Juni eine fixe Teststation.
Foto: Covid Fighters, Covid Fighters

Es war am 16. März 2020 , als die NÖ Landessanitätsdirektion den ersten positiven Coronavirus-Fall im Bezirk Scheibbs bestätigte. Seither gab es insgesamt 2.788 Covid-Fälle im Bezirk, 32 Personen starben an den Folgen des Virus.

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Dabei entwickelte sich die Infektion im Bezirk ganz unterschiedlich. Im ersten Monat zählte man 102 Covid-19-Infektionen im Bezirk. Am Osterwochenende (11. April) gab es erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder mehr Genesene als aktuell Infizierte. Bis dahin gab es im Bezirk auch noch kein Todesopfer und Lob von Bezirkshauptmann Johann Seper für die große Disziplin der Bevölkerung bei der Einhaltung der ersten Lockdown-Maßnahmen.

Anfang April 2020 wurde auch der erste Covid-Patient ins Landesklinikum Scheibbs eingeliefert, wo man seit April eine eigene Corona-Isolierstation führt. Zunächst mit einer Kapazität von 20 Betten, im Herbst stockte man auf bis zu 52 Betten auf. Bislang war sie zum Glück nie völlig ausgelastet.

Den höchsten Belag hatte man am 23. November mit 40 Covid-Patienten, davon vier auf der Intensivstation und vier Verdachtsfälle. Auch bei den Intensivbetten gab es in Scheibbs noch nie einen Engpass, allerdings wurden vorsorglich vor allem im Frühjahr 2020 zahlreiche planbare Optionen verschoben.

Am Ostersonntag gab es allerdings im Landesklinikum Scheibbs das erste Corona-Todesopfer zu beklagen. Eine 91-jährige Patientin (nicht aus dem Bezirk Scheibbs) starb an den Folgen des Corona-Virus. Seither sind es bereits 50 Corona-Tote, bei insgesamt 282 Covid-19-Patienten, die im Klinikum Scheibbs bisher stationär behandelt wurden – 33 davon auf der Intensivstation.

Anfang März – eine Woche vor dem ersten Lockdown – ging in Wieselburg noch die Ab Hof-Messe mit rund 30.000 Besuchern über die Bühne. „Lächeln statt Händeschütteln“ lautete dabei das Motto. Zwar gab es einen Besucherrückgang um rund zehn Prozent, aber ansonsten war von Corona noch nicht viel zu spüren. Auch danach hatte die Ab Hof-Messe glücklicherweise keine Cluster-Bildungen zu Folge.

Anders kurz darauf ein Treffen der Spitze der Wieselburger-Landgemeinde. Mit einem Schlag waren Bürgermeister Karl Gerstl und Vizebürgermeister Gerhard Eppensteiner außer Gefecht. Allerdings waren Gerstl und Eppensteiner nicht die einzigen Kommunalpolitiker im Bezirk, die das Coronavirus erwischt hatte.

„Virusfreier“ Sommer

Mit Anfang Juni war das Coronavirus weitgehend aus dem Bezirk verschwunden: Knapp einen Monat vermeldete die Bezirkshauptmannschaft Scheibbs keine einzige Neuinfektion.

Ende Juni gab es im Innenhof des Töpperschlosses Neubruck auch die erste Bürgermeisterkonferenz mit persönlicher Anwesenheit seit den Neuwahlen im Jänner – mit Abstand und im Freien. Auch über den Sommer gab es im Scheibbser Bezirk nur ganz vereinzelt positive Fälle, die meist in Zusammenhang mit Urlaubs-Rückkehrern – vor allem auch im Zusammenhang mit dem Cluster in St. Wolfgang – standen.

Fallende Temperaturen, steigende Zahlen

Der Herbst brachte einen Anstieg der Covid-Fälle im Bezirk. Mitte September vermeldete die Bezirkshauptmannschaft wieder die ersten beiden Corona-Fälle im Bezirk. Ende September lag man mit den Infektionszahlen schon über jenen vom März.

Bei der Einführung der Corona-Ampel blinkte diese im Bezirk zunächst gelb, ehe sie im Oktober für drei Wochen auf orange umsprang. Anfang November stiegen die Zahlen rapide an. 17 Tage lang hatte der Bezirk Scheibbs sogar die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in ganz Niederösterreich (der relative Höchstwert lag bei 900 Fällen pro 100.000 Einwohner). Das waren bis zu 400 Neuinfektionen pro Woche. Mitte Dezember machte sich das Virus im Pflege- und Betreuungszentrum Scheibbs breit. Um die 50 Patienten und Mitarbeiter waren an Corona erkrankt.

Aktuell stark steigende Zahlen

Nach den beiden großen Massentestungen vor Weihnachten und Mitte Jänner wird seit Anfang Februar im Bezirk regelmäßig und intensiv getestet. Insgesamt 14 der 18 Gemeinden bieten an zwölf Standorten permanente Teststraßen an. Dazu wird auch in den Apotheken Gaming, Purgstall, Scheibbs und Wieselburg kostenlos getestet.

Aktuell sind die Fallzahlen im Bezirk wieder stark im Steigen. Alleine am Wochenende gab es über 50 Neuinfektionen. Zu Redaktionsschluss am Montag zählte man im Bezirk 123 aktuelle Fälle. Das sind um 45 mehr als in der Vorwoche. Dazu kommen 378 aufrechte Quarantänebescheide (+185).

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist im Bezirk Scheibbs zu Wochenbeginn von 161,8 auf 234,2 Fälle pro 100.000 Einwohner gestiegen. Seit Pandemiebeginn verzeichnete der Bezirk insgesamt 2.788 Corona-Fälle. Aufgerechnet auf 100.000 Einwohner führt man damit sogar mit 6.732 Fällen das NÖ-Ranking vor der Stadt Wiener Neustadt (6.662,6) und dem Bezirk Amstetten (6.612,6 Fälle an). Dazu kommen seit Pandemiebeginn im Bezirk insgesamt 11.148 Absonderungsbescheide.

Wichtige Nadelstiche gegen Corona

Seit Jänner wird in den Pflegeheimen sowie im Scheibbser Spital geimpft. Seit Ende Februar impfen auch etliche Hausärzte im Bezirk Über-80-Jährige, die Mitarbeiter in Gesundheits- und Pflegediensten, das Rettungspersonal sowie Lehrer und Pädagogen. Aktuell sind auch Personen zwischen 65 und 79 Jahren sowie Personen mit hohem Risiko an der Reihe.