Elisabeth Kogler: „Habe mir mein Leben so nicht vorgestellt“

Erstellt am 18. Mai 2022 | 03:57
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8349771_erl20darueber_20220506_135512.jpg
Elisabeth Kogler beim Einkaufen mit Sabine Rottenschlager vom „Verwenden statt verschwenden“- Team im Haus der Zukunft in Wieselburg.
Foto: Claudia Christ
Einmal pro Woche steht Elisabeth Kogler in der Warteschlange vor dem „Verwenden statt verschwenden“-Laden in Wieselburg. Mit der NÖN sprach sie über die Gründe.
Werbung
Anzeige

Vor der Eingangstür des „Verwenden statt verschwenden“-Ladens im Haus der Zukunft in Wieselburg bildet sich bereits eine große Menschentraube. Es ist Freitagnachmittag, 13.30 Uhr, geöffnet wird um 14 Uhr. Jeder wird nur einzeln eingelassen, die Rangordnung beim Anstellen wird von den Wartenden genauestens kontrolliert.

Unter die Einheimischen mischen sich neuerdings auch Frauen mit ihren Kindern aus der Ukraine. Und das nicht immer zur Freude aller, die da anstehen. „Man sollte schon eineinhalb Stunden vorher hier sein, um noch gute Ware zu ergattern. Denn jetzt durch die Flüchtlinge bleibt für jeden einzelnen nicht mehr so viel übrig wie zuvor“, erklärt eine Kundin. Brot, Milchprodukte, Gemüse und Mehlspeisen seien immer schnell vergriffen. Zudem wird seit der Ukraine-Krise nur beschränkt Ware abgegeben.

Unter den Wartenden ist auch Elisabeth Kogler. Die 52-jährige Witwe kommt seit sieben Jahren regelmäßig hierher, um sich mit Lebensmittel, aber auch günstiger Kleidung einzudecken. Man kennt sich mittlerweile. „Alle im Geschäft sind sehr freundlich, man fühlt sich hier gut bedient.“ Die Mutter von drei erwachsenen Kindern lebt in Golling im Bezirk Melk in einem renovierungsbedürftigen Mietshaus. „Ohne dieses Angebot könnte ich nicht auskommen“, erklärt sie.

1.030 Euro beträgt ihr Einkommen im Monat. „640 Euro bekomme ich Rente von meinem verstorbenen Mann plus Ausgleichszulage. Außerdem arbeite ich nebenbei noch geringfügig, mehr geht gesundheitlich bei mir nicht mehr.“ Früher war Elisabeth Kogler am Bau tätig. Hat Schlosserei und Maschinenbau erlernt. Doch gesundheitlich Gründe zwangen sie dazu, die Arbeit aufzugeben. „Es ist schon sehr schwierig, mit so wenig Geld über die Runden zu kommen. In letzter Zeit ist alles viel, viel teuer geworden.“ Da bleibt natürlich nichts für die außertourlichen Wünsche übrig, an Urlaub ist gar nicht zu denken.

„So hab ich mir eigentlich mein Leben nicht vorgestellt“, sagt Frau Kogler. Sie ist an diesem Tag die Fünfte in der Warteschlange.

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage beendet

  • Alles wird teurer: Müsst auch ihr auf etwas verzichten?