Ernte im Jahr 2020: „Auf den Wandel einstellen“. Trotz Wetterextremen gute Prognosen. Auf lange Sicht kämpfen die Bauern gegen die Folgen des Klimawandels.

Von Karin Katona. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:33)
Landwirt Franz Lothspieler aus Wieselburg-Land: „Stabiles Schönwetter für die Getreideernte ist derzeit nicht in Sicht.“ Foto: Karin Katona
Karin Katona

Franz Lothspieler aus Wieselburg-Land ist Getreidebauer und Schweinezüchter. Wintergerste, Winterweizen und Mais baut er, wie die meisten anderen Landwirte im Bezirk Scheibbs, als Futtermittel für seine Tiere an. Auf die Ernte 2020 blickt er trotz der Wetterkapriolen des bisherigen Jahres mit Zuversicht.

„Diese Woche haben wir mit der Ernte der Wintergerste begonnen, und es schaut recht gut aus, ebenso wie beim Winterweizen. Ich rechne mit guten Erträgen.“ Das Getreide habe den Wachstumsrückstand aufgrund der Trockenheit im Frühjahr durch die starken Regenfälle im Juni aufholen können.

„Es hilft nichts, wir werden uns an die Klimaveränderung anpassen müssen. Dazu müssen wir offen sein, mit der Zeit gehen.“Landwirt Franz Lothspieler

Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser Klima von Jahr zu Jahr trockener werde. „Besonders beim Mais hat uns das mehrmals in den vergangenen Jahren getroffen. Da mussten wir früher ernten, weil die Pflanzen schon so trocken waren.“

Die Landwirtschaft werde sich durch trockenheitsresistentere Getreidesorten sowie Maßnahmen gegen die Bodenverdichtung behelfen müssen. „Es hilft nichts, wir werden uns an die Klimaveränderung anpassen müssen. Dazu müssen wir offen sein, mit der Zeit gehen. Am wichtigsten ist aber immer, positiv zu denken“, fasst Landwirt Franz Lothspieler seine Philosophie zusammen.

Verdichtete Böden verursachen auch bei der Heuernte geringere Erträge, wie Bezirksbauernkammerobmann und Landwirt Franz Rafetzeder erklärt. „Es ist Vorsicht geboten, abzuwarten und nicht zu früh mit den schweren Maschinen in die Wiese hineinzufahren“, ermahnt Rafetzeder. Das wechselhafte Wetter habe heuer den Viehzüchtern bei der Heuernte so manchen Streich gespielt.

Wetterkapriolen auch schlecht für Heuernte

„Der bereits eingebrachte erste Schnitt war aufgrund der Trockenheit und den nicht vorhandenen Niederschlägen im Frühjahr mengenmäßig größtenteils unter dem Durchschnitt. In den Gebieten, wo bereits der zweite Schnitt im Grünland eingefahren werden konnte, ist dieser mengenmäßig zufriedenstellend.“ Zur Heuernte ist stabiles Schönwetter das Um und Auf – eine Rarität im heurigen Jahr.

Bei Bio-Gemüsebauer Robert Lutz aus Wieselburg-Land wurde durch das Hochwasser am vorvergangenen Wochenende nicht nur Verkaufs- und Lagerräume des Hofladens, sondern auch ein Karottenfeld von einem halben Hektar überflutet. Retten ließ sich da nichts mehr. „Dafür haben die höher gelegenen Karotten von dem Regen profitiert und sind umso schöner“, bleibt der Biobauer positiv.

Auf seinen Feldern findet man Rote Rüben, Pastinaken, Karotten und Chinakohl, aber auch Getreide wie Weizen, Dinkel und Roggen. Um das Risiko von totalen Ernteausfällen zu vermeiden, wird das Gemüse von jeher in drei Sätzen angebaut: „Beim ersten Satz Karotten hatten wir den regenbedingten Ausfall, jetzt schaut es gut aus“, freut sich Biobauer Lutz.

Als Bio-Landwirt achtet Robert Lutz besonders auf Maßnahmen zur Verhinderung der Bodenverdichtung. „Das kann man unter anderem dadurch erreichen, indem man zwischen den Hauptkulturen Begrünungen pflanzt. Das ist zwar aufwendig, sorgt aber für eine bessere Durchwurzelung des Bodens. Und ein gut durchwurzelter Boden kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen“, sagt Lutz.

In Zeiten des Klimawandels sei es noch wichtiger als je zuvor: „Die Wetterextreme haben sich verändert, das ist kein Zufall mehr, sondern eine Entwicklung, mit der wir leben und auf die wir uns so gut wie möglich einstellen müssen.“

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