Ernte im Überfluss: „Der Obstpreis ist am Sand“. Äpfel, Birnen, Nuss und Zwetschken verzeichnen starke Saison. Weil Arbeit nicht entlohnt wird, bleibt Obst aber liegen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 18. September 2018 (04:00)
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Wenn der Sommer sich dem Ende nähert, beginnt für alle Obstbauern erst die heiße Phase. Und die ist in den letzten Wochen schon angelaufen. Die Obsternte befindet sich im Mostviertel gerade am Höhepunkt – und das sorgt in diesem Jahr für viel Freude.

„Es ist offensichtlich, dass wir heuer sehr viel Obst haben. Wir hatten sogar Bäume, wo Äste abgebrochen sind, weil so viel Obst darauf hängt“, lacht Bezirkskammer-Obmann Anton Krenn.

Schon wie bei der Getreideernte sorgte das heiße Wetter auch bei der Obsternte für einen verfrühten Start. „Die ersten Moste werden schon gepresst. Das ist aber nicht unbedingt etwas Schlechtes. Wir gehen einer sehr guten Obsternte entgegen“, berichtet Krenn. Egal ob Äpfel, Birnen, Nüsse oder Zwetschken – vom Wetter konnten alle Obstsorten profitieren.

Vielfalt an Obst kann nicht verarbeitet werden

Vor allem Nuss- und Zwetschkenbäume waren in den letzten Jahren nämlich nur spärlich behängt. „Die Nuss ist sehr anfällig für den Spätfrost. Aber heuer gab es zum Glück keinen“, erzählt der Kammerobmann.

Von einer „wahnsinnig guten Saison“ spricht auch Leopoldine Adelsberger aus Randegg. „Wir haben Obst in Hülle und Fülle – und in bester Qualität. Unsere Birnen sind so schön wie selten zuvor“, strahlt die Biobäuerin. Rund 120 Obstbäume stehen im Garten der Familie Adelsberger. 2012 war das letzte Jahr, in dem sie so viel ernten konnten.

„Wir müssen einen Teil sogar der Natur überlassen, weil es so viel ist. Dieses Jahr stehen wir vor der Herausforderung, dass wir das viele Obst gar nicht verarbeiten können“, erklärt Adelsberger.

Luxus: „Können beste Früchte aussuchen“

In dieser Situation ist auch Mostbaron August Frühwald aus Reinsberg. „Wir können nicht alles verwenden. Deshalb haben wir den Luxus, uns die schönsten Früchte zur Verarbeitung ausuchen zu können“, sagt er.

Für Frühwald brachte die Ernte dieses Jahr eine der stärksten Mengen, die er je hatte. „In den letzten Jahren mussten wir für die Mosterzeugung viel zukaufen. Heuer kaufen wir nur die Etiketten ein“, grinst er.

Mit dem Klauben hat der Mostbaron für diese Saison abgeschlossen, jetzt wird Most gepresst. „Durch die starke Ernte können wir mehr sortenreine Produkte erzeugen als in den letzten Jahren. Und durch die große Auswahl stimmt auch die Qualität“, verspricht er. Das Ergebnis seiner knapp 400 „hängvollen“ Obstbäume kann ab November schon verkostet werden.

„Wir hatten sogar Bäume, wo Äste abgebrochen sind, weil so viel Obst darauf hängt.“Bezirkskammer-Obmann Anton Krenn

Dennoch gibt es ein Manko: den Obstpreis. „Wie überall, wo es viel davon gibt, wird der Preis nicht so hoch sein. Das ist der Nachteil der starken Ernte“, meint Bezirkskammer-Obmann Anton Krenn.

Obst bleibt liegen, weil die Arbeit für viele Bauern nicht mehr lukrativ ist. „Der konventionelle Obstpreis ist am Sand“, bringt es Leopoldine Adelsberger auf den Punkt. Der Ertrag pro Tonne soll zwischen 50 und 80 Euro liegen. „Die Genossenschaft zahlt sehr schlecht. Viele gehen für das Geld nicht mehr klauben“, weiß auch August Frühwald.

„Das ist eine Katastrophe. Wenn man bedenkt, dass das Klauben einer Tonne Obst acht bis zehn Stunden dauert, dann rentiert sich das Bücken kaum“, kritisiert Obstbaureferent Andreas Ennser von der NÖ-Landwirtschaftskammer.

Davon ist im Betrieb von Familie Adelsberger wenig zu spüren. Denn sie führen einen biologischen Betrieb. „Bioprodukte werden zum Glück sehr gut bezahlt“, kann die Bäuerin aufatmen. Das bestätigt auch Frühwald: „Für sortenreine Produkte und Bioware gibt es das Sechsfache.“