Forsttechniker Kuran: „Der Wald wird sich ändern“

Klimawandel, Krankheiten, Schädlinge – dem Wald geht es derzeit nicht gut. Der Scheibbser Bezirksforsttechniker Gernot Kuran erklärt, welche Zukunft unseren Wäldern bevorsteht.

Erstellt am 02. April 2021 | 05:04
Bezirk Scheibbs - Forsttechniker Kuran: „Der Wald wird sich ändern“
Der Scheibbser Bezirksforsttechniker Gernot Kuran
Foto: Eplinger/Archiv

NÖN: Was für eine Bilanz gibt es für das Waldjahr 2020?

Gernot Kuran: Das Jahr 2020 war mit seiner nach mehreren Trockenjahren wieder eher feuchteren Witterung für den Wald grundsätzlich günstig. Dennoch ist es im nördlichen Teil des Bezirks wieder zu hohen Borkenschäden gekommen.

„Der Wald ist in der Krise“ – stimmen Sie diesem Satz zu?

Ich würde dazu sagen, dass die Waldbewirtschafter aktuell vor großen Herausforderungen stehen. Mit dem Waldfonds hat die Bundesregierung deshalb ein großes Zukunftspaket für unsere Wälder geschnürt – 350 Millionen Euro für 10 Maßnahmen, von denen wir alle profitieren.

„Die seit Beginn der Pandemie stark zunehmende Erholungsnutzung kann für den Wald zum Problem werden“

Was sind die größten Probleme für die Forstwirtschaft im Bezirk derzeit?

Der Umstand, dass in tieferen Lagen nach wie vor ein unnatürlich hoher Fichtenanteil zu verzeichnen ist, führt zwangsläufig zu Borkenkäferschäden, insbesondere in warmen, trockenen Jahren. Die Esche leidet nach wie vor unter dem Eschensterben, wodurch es auch zum Umstürzen noch belaubter Bäume kommen kann.

Viele Menschen suchen jetzt Erholung im Wald – hat das Auswirkungen?

Die seit Beginn der Pandemie stark zunehmende Erholungsnutzung kann für den Wald zum Problem werden. Leider halten sich immer wieder Erholungssuchende nicht an forstliche Sperren bei Gefahr durch Waldarbeit. Es ist auch zu beobachten, dass Erholungssuchende in Dämmerungs- und Nachtzeiten im Wald unterwegs sind und dadurch zum Störfaktor für das Wild werden. Weiters werden in verstärktem Maße Wege verlassen und Hunde nicht an der Leine geführt, wodurch das Wild „in seinem Wohnzimmer“ weiter beunruhigt wird. Dadurch kommt es zu verstärkter Nachtaktivität, und daraus resultierend zu Wildschäden am Wald.

Wie soll man sich verhalten?

Ruhig bleiben, die markierten Wege nicht verlassen, und vor allem nicht abends oder nachts gehen.

Angeblich ist nur noch jeder 5. Baum gesund – gilt das auch für unsere Wälder?

Die Klimaänderung in Richtung wärmere und trockenere Verhältnisse geht leider sehr rasch vor sich, weswegen viele Bäume, die ja an ihren Standort gebunden sind, Probleme haben, sich anzupassen. Alte Bäume haben dann Probleme, rechtzeitig zusätzliche Feinwurzeln zu bilden.

„Die Größe der Waldfläche reduziert sich durch das Absterben einzelner Baumarten nicht.“

Was versteht man unter „klimafitter“ Wald?

Wald, der sich aus Baumarten zusammensetzt, welche mit den zu erwartenden Klimaänderungen, wie höhere Temperaturen, Trockenheit und geänderter Verteilung der Niederschläge, zurechtkommen. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die natürlichen Waldgesellschaften nach oben schieben und auch die Waldgrenze ansteigt.

Werden wir bei den derzeitigen Problemen, wie Borkenkäfer und Eschensterben, die jetzige Waldfläche erhalten können?

Das Forstgesetz verpflichtet zum Erhalt von Waldboden. Das bedeutet, dass dort, wo jetzt die Fichten oder die Eschen flächig absterben, wieder Wald aufgeforstet werden muss. Die Größe der Waldfläche reduziert sich durch das Absterben einzelner Baumarten nicht.

Wie sieht für Sie der Wald der Zukunft aus? Welche Baumarten werden den Klimawandel nicht überstehen? Werden sie durch andere ersetzt werden?

Unsere Wälder sollen widerstandsfähiger werden (Resistenz) und auch eine hohe Resilienz besitzen, das heißt die Fähigkeit, sich nach einer Störung zu erholen. Dies funktioniert allerdings nur dann, wenn man nicht nur auf eine oder zwei Baumarten setzt.

Welche Baumarten werden an Bedeutung gewinnen?

Die heimischen, natürlichen Waldgesellschaften bieten eine Vielzahl geeigneter Baumarten: In tieferen und mittleren Höhenlagen werden Eichen eine viel größere Rolle spielen, da sie mit ihren Pfahlwurzeln auch tiefere Bodenhorizonte erschließen können und weniger anfällig für trockenere Verhältnisse sind. Die Weißtanne verträgt eher Trockenheit als die Fichte und übertrifft diese bei entsprechender Pflege sogar in der Wuchsleistung.

Werden auch neue Baumarten kommen?

Es gibt auch eine Reihe von sogenannten Gastbaumarten, die interessant sein können, wie z. B. Douglasie und Baumhasel. Wir können auch niemandem verbieten, entgegen den Empfehlungen der Forstexperten in ungeeigneten Tieflagen wieder mit Fichten aufzuforsten. Fördergelder aus dem Waldfonds gibt es in diesem Fall allerdings nicht.

Wo kann man sich Infos holen?

Die Mitarbeiter der Bezirksforstinspektion beraten hinsichtlich der Baumartenwahl und möglicher Förderungen aus dem Waldfonds gerne.