Gastro-Branche: Auskochen, um in Übung zu bleiben. Eventuell noch bis Ostern werden die Gastwirte auf eine Öffnung ihrer Betriebe warten müssen. Einige sind sauer.

Von Karin Katona. Erstellt am 25. Februar 2021 (04:39)
Die gemütliche Gaststube des Zellerhofs in Lunz am See ist verwaist, das Personal in Kurzarbeit. „Seit dem ersten Lockdown hatten wir insgesamt sieben Monate geschlossen“, sagt Wirtin Annamaria Daurer.
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Ein Corona-Leugner will Hannes Heindl, „Brauhaus“-Wirt aus Wieselburg, auf keinen Fall sein, doch die Maßnahmen der Regierung gegen die Pandemie machen ihn „sauer, sogar sehr sauer. Das, was da passiert, halte ich für völlig überzogen. Die Rechnung werden wir alle sehr lange zahlen müssen.“

„Der Gang ins Wirtshaus soll Spaß machen, sonst hat es für mich keinen Sinn.“Hannes Heindl

Mit den Corona-Regeln im Sommer, sagt Heindl, habe er gut leben können. „Abstand zwischen den Tischen, verstärkte Hygiene, von mir aus auch Masken, sind in Ordnung.“ Bei einer Registrierung oder Kontrolle von Gästen werde er jedoch nicht mitziehen: „Der Gang ins Wirtshaus soll Spaß machen, sonst hat es für mich keinen Sinn.“

Optimistisch ist Heinz Eisbacher, Chef des Restaurants „Schwarzer Elefant“ in Scheibbs. „Wir müssen uns beugen und alles tun, um das Beste aus der Situation zu machen“, sagt der Gastronom.

Seine neun Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, am Wochenende gibt es Essen zum Abholen, „damit wir alle nicht aus der Übung kommen“. Sein Personal hofft Eisbacher erhalten zu können: „Man kann es niemandem verübeln, wenn er sich eine neue Arbeit sucht, aber es verschärft noch zusätzlich den ohnehin eklatanten Personalmangel in der Gastronomie.“

In Kurzarbeit sind auch die 13 Mitarbeiter von Annamaria Daurer vom Gasthaus Zellerhof in Lunz. „Wenn man die Zeit bis Ostern mitrechnet, hatten wir im vergangenen Jahr mehr geschlossen als offen. Das hätten wir uns im März 2020 gar nicht vorstellen können“, sagt die Gastwirtin nachdenklich. „Die Sommersaison war sehr, sehr gut. Wir konnten einiges aufholen. Jetzt fehlt natürlich das Wintergeschäft.“

Das „Auskochen“, also das Anbieten von Speisen zum Mitnehmen, sieht Renate Kummer, Wirtin des Gasthauses Kummer in Gresten, als Service für die Gäste: „Leben können die Wirte davon natürlich nicht.“

Die totale Schließung der ganzen Gastronomie-Branche findet sie nicht fair: „Man müsste doch splitten, zwischen Lokalen, wo kein Abstand abgehalten werden kann, und solchen, die die Corona-Sicherheitsregeln einhalten können.“ Sie sorgt sich, dass der Gastronomie viele Gäste abhandenkommen könnten: „Manche werden vielleicht keine rechte Lust haben, fortzugehen. Je schneller wir aufsperren können, umso besser.“

Auch Bezirks-Wirtesprecher Sepp Wondraczek verlangt eine baldige Öffnung des Gastgewerbes: „Wir haben alle Hygieneregeln befolgt, es ist erwiesen, dass die wenigesten Ansteckungen in der Gastronomie passiert sind. Es scheint, dass man uns für etwas bestraft, an dem wir nicht schuld sind.“