Gastro-Öffnung: Geselligkeit wird vorerst noch fehlen. Mit 19. Mai dürfen Wirte wieder aufsperren. Doch die Skepsis, ob das mit den Maßnahmen rentabel ist, ist im Bezirk Scheibbs groß.

Von Anna Faltner und Karin Katona. Erstellt am 12. Mai 2021 (05:31)

Nach einem halben Jahr (!) ohne Gäste zählen Wirte und Hoteliers jetzt nur noch die Tage. Es geht wieder los. Stillgestanden sind die meisten Gastronomen in der langen Pause zwar meist ohnehin nicht, jetzt stecken sie aber mitten in den Vorbereitungen für die langersehnte Öffnung.

„Generell stelle ich es mir bei uns am Land schwierig vor.“Markus Stadler vom Landgasthaus Stadler in Reinsberg

„Wir werden natürlich das umsetzen, was möglich und nötig ist. Momentan warten wir noch auf die konkrete Verordnung“, sagt Wirt Markus Stadler vom Landgasthaus Stadler in Reinsberg. Für die ersten Wochen wird er nur am Wochenende für seine Gäste aufsperren. Sind die Maßnahmen ähnlich wie die zu Beginn im Vorjahr oder sogar noch strenger, würde sich der Betrieb unter der Woche nicht rentieren.

„Generell stelle ich es mir bei uns am Land schwierig vor. Wir haben viele Feiern, Vereinsgeschichten, Stammtischleute und der Frühschoppen am Sonntag ist auch wichtig. Wenn da nur zwei Leute am Tisch sitzen und der nächste Tisch zwei Meter entfernt steht, dann wird das sicher nicht einfach“, meint Stadler.

Er hofft, dass es in Richtung Sommer dann zu weiteren Lockerungen kommt. Immerhin fällt schon der gesamte Juni mit Feiern und Hochzeiten ins Wasser. „Dafür haben wir im Sommer dann bis zu drei Hochzeiten an einem Wochenende. Was wirklich möglich ist, wissen wir nicht. Für mich fehlt da noch immer ein Hoffnungsschimmer.“

Während des Lockdowns hat Stadler am Wochenende ausgekocht und sich anhand von Kochshows neue Inspirationen für seine Speisekarte geholt. Die große Schwierigkeit mit der Öffnung sieht er in der weniger vorhandenen Geselligkeit. „Die Leute gehen ja wegen der Gemütlichkeit und Geselligkeit ins Wirtshaus. Mit zwei Metern Abstand wird das schwierig.“

Erstkommunionen, Firmungen, Hochzeiten, sonnige Wochenenden mit zahlreichen Ausflüglern – im Mai ist am Purg-staller Mostlandhof Hochbetrieb. Doch nicht, solange die Corona-Pandemie noch zu Vorsichtsmaßnahmen zwingt.

„Wichtig, dass auch die Gäste mittragen“

Auch, wenn der Mostlandhof ab 19. Mai wieder seine Gäste begrüßt. „Natürlich freuen wir uns, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt auch Wirtin Elisabeth Selner. „Wie es dann tatsächlich wird, ist schwer abzuschätzen.“ Denn: „Die Anlässe, die sonst um diese Jahreszeit die Gäste zu uns bringen, werden in großen Gruppen gefeiert – wie es bei uns Tradition ist. Wenn nur vier Erwachsene an einem Tisch erlaubt sind, wird das Feiern schwierig.“

Einige Reservierungen – sehr viele waren es im Vergleich zu früher ohnehin nicht – seien storniert worden. Einige Gäste wollen noch warten: „Alle sind voller Skepsis, es ist schwer, etwas zu planen. Wir freuen uns über jeden Gast. Aber in der gegenwärtigen Situation tun auch wir uns mit Plänen schwer.“ Viele Familien, vermutet Selner, werden ihre Feiern in den eigenen vier Wänden abhalten, wo es keine Kontrollen gibt.

Tests der Gäste kontrollieren, Hygienemaßnahmen durchführen – der Arbeitsalltag der Wirte hat durch Corona viele neue, aufwendige Aspekte bekommen. „Wir haben uns vom ersten Lockdown an klar an alle Maßnahmen gehalten“, sagt Elisabeth Selner. „Wir halten die Regeln gern weiter ein. Aber eigentlich bin ich als Gastronomin für Essen, Trinken und Gemütlichkeit da, und nicht, um die Corona-Tests der Gäste zu kontrollieren. Es kommt daher vor allem darauf an, wie unsere Gäste die Maßnahmen aufnehmen und dazu bereit sind, sie mitzutragen. Die Menschen sollen sich bei uns sicher fühlen, aber nicht zu sehr eingeschränkt. Das Mittelmaß zu finden ist schwierig“, sagt die Mostlandhof-Wirtin.

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