Häusliche Gewalt: Nicht wegschauen!. Im November-Lockdown stieg leider auch im Bezirk Scheibbs Zahl der Betretungs- und Annäherungsverbote signifikant an.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 09. Dezember 2020 (16:22)
Die Scheibbser SPÖ-Frauen hatten noch vor dem Lockdown Aktionen zu den „16 Tagen gegen Gewalt“ geplant. Die mussten alle abgesagt werden. Von links: Rosemarie Wögerer, Hilde Glinz, Barbara Pflügl und Susanne Schwingenschlögl.
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Noch bis zum 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte, läuft die Aktion „16 Tage gegen Gewalt“. Im Mittelpunkt dabei stehen Aktionen und Symbole gegen die Gewalt gegen Frauen. Vielerorts wurden Gebäude oder Plätze rot beleuchtet.

„Aktionen konnten wir im Bezirk heuer coronabedingt keine starten. Nichtsdestotrotz ist es uns wichtig, aufzugzeigen, dass Gewalt gegen Frauen kein Kavaliersdelikt ist und man auf alle Fälle nicht wegschauen soll – auch oder gerade in der Familie nicht. Häusliche Gewalt ist leider stärker verbreitet, als viele vermuten. Corona und der Lockdown haben dies eher noch verstärkt“, sagt Susanne Schwingenschlögl, Bezirksvorsitzende der SPÖ-Frauen aus Gresten-Land.

Alleine im November sechs Betretungsverbote

So wie in etlichen Bezirken Niederösterreichs ist es auch im Scheibbser Bezirk in den vergangenen Wochen tatsächlich zu einem Anstieg der Delikte und Anzeigen wegen häuslicher Gewalt gekommen. Im Jahr 2020 gab es bisher 36 Betretungs- und Annäherungsverbote im Bezirk. Alleine sechs davon wurden nur im November ausgesprochen, was, wie Bezirkspolizeikommandant Thomas Heinreichsberger bestätigt, einen „sehr hohen Monatsdurchschnitt darstellt. Im November 2019 hatten wir nur eines.“

Ob der Steigerung tatsächlich die Covid-Maßnahmen zugrunde liegen, kann nicht abschließend beantwortet werden, da „die tatsächlichen persönlichen Motive der zumeist männlichen Täter nicht immer restlos hervorgehen. In vier von den sechs Fällen spielt jedoch teils starker Alkoholkonsum mit“, weiß Heinreichsberger. Insgesamt gab es in den ersten elf Monaten des Jahres um fünf Wegweisungen mehr als 2019. „Allerdings sind die Jahreszahlen nur bedingt vergleichbar, da 2020 die Zählweise geändert wurde. Seit heuer zählt jede gefährdete Person als ein eigenes Betretungsverbot“, klärt Heinreichsberger auf.

Frauenhaus betreute 41 Frauen mit Kindern

Maria Reichartzeder und Ursula Kromoser-Schrammel vom Frauenhaus Amstetten haben heuer schon 41 Frauen mit ihren Kindern im Haus aufgenommen. Alleine in Amstetten mussten in diesem Jahr bis Ende Oktober 49 Wegweisungen ausgesprochen werden. Im gesamten Amstettner Bezirk waren es bislang 160. „Bundesweit kam es zu 20 Morden und 22 schweren Mordversuchen an Frauen, aufgrund von Gewalt in der Beziehung“, schildert Reichartzeder.

Gewalt sei ein subjektives Gefühl, sie entwickle sich langsam, oft über Jahre und werde immer gefährlicher und grenzenloser. „Wichtig ist es, den Zeitpunkt einer Trennung zu planen und einen Rahmen zu suchen, in dem man sich sicher fühlen kann. Es gibt diesbezüglich Hilfsangebote für Frauen und auch für Männer“, erklärt Kromoser-Schrammel. Dazu gehört auch das Frauenhaus Amstetten. Diese Wohneinrichtung für misshandelte Frauen und ihre Kinder ist rund um die Uhr erreichbar: 07472/66500.