Hintersteiner zu 12-Stunden-Tag: „Einziger Schmarrn“. Während die Betriebe durch mehr Flexibilität Vorteile sehen, sind Arbeitnehmervertreter alles andere als „amused“.

Von Christian Eplinger und Claudia Christ. Erstellt am 26. Juni 2018 (04:50)
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Die Aufregung über die VP-FP-Pläne zur Arbeitszeit-Flexibilisierung, die auch die Möglichkeit eines 12-Stunden-Arbeitstags vorsehen, hält an. Der ÖGB droht auch mit Kampfmaßnahmen. Am Montag fand eine große Betriebsrätekonferenz in St. Pölten statt, am Samstagnachmittag ist in Wien eine Groß-Demo geplant.  Welser Profile-Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Hintersteiner hält nichts von der geplanten Regelung.
APA/Robert Jäger, Welser

Die geplante Einführung eines 12-Stunden-Tages sowie einer möglichen 60-Stunden-Woche spaltet derzeit das Land. Auch im Bezirk gehen die Wogen hoch. Ist es für die einen eine längst notwendige Anpassung an die reale Arbeitswelt mit Vorteilen für beide Seiten, sprechen die anderen von einem Anschlag auf die Errungenschaften der Arbeiterschaft und einem Raubrittertum der Unternehmen.

Novak: "Bin für einen Streik"

Beim Gewerkschaftsbund (ÖGB) bezieht Regionalsekretär Helmut Novak klar Stellung: „Es ist keine gekünstelte Aufregung. Ich bin für einen Streik“, sagt er gegenüber der NÖN. Für ihn liegen alle Vorteile der geplanten Regelung bei den Unternehmen, alle Nachteile bei den Arbeitnehmern.

„Die von der Regierung behauptete Freiwilligkeit der 11. und 12. Überstunde wird es nicht geben, weil die Arbeitnehmer bei jeder Ablehnung mit Nachteilen rechnen müssen.“ Novak verweist auch darauf, dass es für Eltern, die in unterschiedlichen Betrieben arbeiten, noch schwieriger wird, die Kinderbetreuung zu organisieren, und das Familienleben leiden werde. Außerdem sieht er das Engagement in Vereinen und auch das Freiwilligenwesen (Feuerwehr, Rotes Kreuz etc.) infrage gestellt.

„Und die Sozialpartnerschaft wird durch die Vorgangsweise der Regierung praktisch abgeschafft, weil sie einigen von der Industriellenvereinigung und der Bundesregierung nicht mehr passt“, schimpft der ÖGB-Regionalsekretär.

„Flexibilisierung kann allen Vorteil bringen“

Die heimischen Wirtschaftsbetriebe geben sich mit ihren Aussagen zurückhaltend. „Grundsätzlich ist jede Flexibilisierung für beide Seiten – Unternehmen und Mitarbeiter – ein Vorteil, wenn man es anständig macht“, sagt der neue Geschäftsführer von Worthington Industries Kienberg, Timo Snoeren.

Bei Worthington sei auch schon in der Vergangenheit in gewissen Situationen zwölf Stunden gearbeitet worden, zum Beispiel in der Reparaturzeit. Allerdings unter Absprache mit dem Betriebsrat und Information an die Mitarbeiter. „Die Sozialpartnerschaft lebt von der Interaktion untereinander. Diese sollte nicht vernachlässigt werden, dann sehe ich auch keine Gefahr für die Sozialpartnerschaft“, betont Snoeren.

Auch bei der Firma Welser Profile Gresten gehört seit 2012 Arbeit an zwölf Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche durchaus zu den Gepflogenheiten. Allerdings nur maximal 24 Wochen pro Jahr und unter absoluter Freiwilligkeit.

„Wir unterschreiben seit sechs Jahren regelmäßig eine derartige Betriebsvereinbarung. Aber das entscheidende für uns ist hier, dass die Arbeit wirklich absolut freiwillig und mit 100 prozentigem Zuschlag verrichtet wird. Der Arbeitnehmer kann ohne Angaben von Gründen ablehnen. So können Leute, die wollen, Geld auch jetzt schon verdienen. Und wenn Großaufträge da sind, ist man ja auch als Betriebsrat froh, wenn das Unternehmen gut läuft. Das hat praktisch immer funktioniert“, erläutert Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Hintersteiner.

Von der geplanten Regelung hält Hintersteiner gar nichts. „Das ist ein einziger Schmarrn. Damit wird dem Schindluder Tür und Tor geöffnet und die Sozialpartnerschaft mit Füssen getreten“, wettert Hintersteiner. Er befürchtet mit der neuen Regelung, dass Freiwilligkeit und Zuschläge über kurz oder lang fallen werden. „Dann haben wir als Arbeitnehmer verloren. Daher kann es nicht sein, dass die Regierung so ein Gesetz so mir nichts dir nichts mittels Initiativantrag an den Sozialpartnern vorbei durchpeitscht“, kritisiert Hintersteiner.