Hitze am Bau: Wenn die Arbeit zur Qual wird. Seit 1. Mai gelten am Bau 32,5 Grad als „Schlechtwetter“. Gelebt wird das auf den Baustellen der Region aber nur selten.

Von Christian Eplinger, Jakob Zuser und Anita Schwaiger. Erstellt am 30. Juli 2019 (04:35)
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Gewerkschaft Bau-Holz-Landesgeschäftsführer Rudolf Silvan (Mitte, schwarzes T-Shirt) und Traunfellner-Betriebsratsvorsitzender Reinhard Pitzl (rechts) beim Besuch der Hochwasserschutz-Baustelle in Sarling.
Eplinger, privat

Mit gemessenen 35,9 Grad war Wieselburg am Donnerstag offiziell der heißeste Ort Österreichs. Dennoch lief die größte Straßenbaustelle des Landes, jene der Umfahrung Wieselburg, ohne Unterbrechung weiter. Daran hat auch die mit 1. Mai dieses Jahres neu eingeführte Hitzeregelung für Bauarbeiter nichts geändert.

„Wir wissen, dass die Belastung für die Arbeiter hoch ist, aber bei so einer Großbaustelle sind Koordination und Zeitplan natürlich sehr wichtig. Wir haben zwar einige Wetter-Stehtage – Hitze und Regen – eingeplant, aber bislang mussten wir wegen der Hitze noch nicht unterbrechen. Da wird versucht, der Hitze und intensiven Sonneneinstrahlung auszuweichen. Es wird früher begonnen, längere und mehr Pausen werden gemacht und es wird versucht, vor allem im Schatten, zum Beispiel unter Brücken, zu arbeiten“, erklärt Bernhard Fuhrmann von der Straßenbauabteilung des Landes.

Schauplatzwechsel in die Eisenwurzenstraße nach Scheibbs. Dort wird die Wasserleitung neu verlegt. Trotz gefühlter 40 Grad und mehr. Denn zwischen den Hausmauern und dem Asphalt von der Straße steht die Hitze. „Es ist heiß, extrem heiß. Ich bin froh, wenn der heutige Tag zu Ende ist“, sagt ein Mitarbeiter der Firma Traunfellner, die diese Arbeiten durchführt. „Viel trinken ist wichtig“, weiß er. „Wasser natürlich“, ergänzt er. Alkohol ist seit 2013 auf den Baustellen des Landes kollektivvertraglich verboten. „Früher war ein Bier gang und gebe. Jetzt ist das nicht einmal mehr ein Thema auf den Baustellen“, weiß Reinhard Pitzl, Betriebsratsvorsitzender der Firma Traunfellner.

„Die Auftraggeber machen mit Pönalen Druck auf die Arbeitgeber. Dieser Zeitdruck setzt sich zu den Arbeitern fort.“Rudolf Silvan

Er ist auch einer der ersten Kontaktstellen, wenn Baustellen-Partien die Hitze-Regelung in Anspruch nehmen. Genehmigen muss das der Dienstgeber, doch der Betriebsrat ist eingebunden. „Am Donnerstag war bei einer Baustelle in Mistelbach sowie bei den Baustellen in Purgstall bei uns früher Schluss.

Aber natürlich wissen alle Mitarbeiter, dass auch unsere Geschäftsführung unter einem gewissen Druck steht. Denn bei den meisten Baustellen gibt es fixe Fertigstellungstermine und es ist oft mit Pönalzahlungen verbunden, wenn der Zeitplan nicht eingehalten wird. Früher haben bei einem Wohnbau 30 Leute ein Jahr lang gearbeitet, heute soll derselbe Bau mit 15 Leuten in der Hälfte der Zeit fertig sein“, zeigt Pitzl Verständnis für die Arbeitgeberseite und betont daher, dass für diese Hitze-Regelung generell ein gutes Einvernehmen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber Grundvoraussetzung sei. „Das haben wir bei uns zum Glück“, sagt Pitzl.

Eplinger, privat

Verständnis für die Arbeitgeberseite zeigt auch der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz Rudolf Silvan bei einem Baustellenbesuch in der Vorwoche beim Hochwasserschutz in Sarling. Auch dort ist die Firma Traunfellner die bauausführende Firma. Einmal – Ende Juni – wurde dort die Hitze-Regelung schon in Anspruch genommen. „Das Problem ist, dass die Auftraggeber den Arbeitgebern Druck machen und diese den Druck zum Teil an die Leute weitergeben. Zudem hat die 60-Stunden-Woche dazu geführt, dass manche Baustellen bereits bei der Planung noch kürzer eingetaktet werden, da man sich dadurch bei der Auftragsvergabe Vorteile erhofft“, sagt Silvan.

Dennoch ist Silvan überzeugt, dass man immer wieder auf die Belastung der Bauarbeiter aufmerksam machen müsse. „Wichtig ist bei solchen Temperaturen zumindest, dass genug zum Trinken, Sonnenbrillen und Kopfbedeckung von den Firmen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Denn das Risiko der Arbeitsunfälle steigt bei Hitze drastisch an“, sagt Silvan. Heuer gab es in Österreich bereits einen Hitzetoten auf einer Baustelle. Im Juni kollabierte ein Bauarbeiter im Burgenland und verstarb nach vier Tagen im Koma.

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